Die Schönheit des frühen Aufstehens

Yoga früh morgens um 6 Uhr? Spätestens um 6:15?

Im ersten Moment sind die meisten Yoga Urlaub Interessenten einfach geschockt über diese – Tatsache. Im Urlaub wollen sich viele Menschen, verständlicherweise, erholen. Ausschlafen gehört ganz sicher zu den beliebtesten Beschäftigungen in den Ferien.

Andererseits hat das frühe Aufstehen in Indien und Yogawelt überhaupt eine besondere Bedeutung. ‘Brahmamuhurta’ ist die Zeit zwischen 3 und 6 Uhr morgens, die Zeit des Brahmans (Schöpfers) und yogisch gesehen, die beste Zeit für Meditation und spirituelle Praxis – ‘Sadhana’.

Lovrangradskoamfruehenmorgen

Eigentlich sind wir mit unserer Yoga Praxis am Meer schon zu spät. Aber trotzdem erfahren wir, wie die kleine Stadt und die Natur erwacht, wie sich die Bilder am Meer, am Himmel, in der Ferne und in der Nähe allmählich ändern und immer lebendiger werden. Der Sonnenaufgang, erstmal scheu, dann immer höher und wärmer begleitet unsere Yogaübungen. Der Strand wird immer voller und die Kirchenglocken klingen nicht mehr wie Tempelklänge aus Rishikesh. Mit der neuen yogischen Energie ausgestattet, spazieren wir auf dem Küstenweg und denken schon an das Veggie Frühstück…

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Nutze die heilende Energie, nicht dein Ego (Interview mit Dr. David Frawley)

(Ein älteres, aber immer aktuelles Gespräch mit Dr. David Frawley)

Dr. David Frawley ist im Bereich des Ayurveda, Yoga, Veden und Tantra, einer der bedeutesten Menschen, in der westlichen Welt genauso wie in Indien wo er für sein Werk besondere Anerkennungen bekommen hatte. Seine zahlreiche Bücher und seine einfache, in sich ruhende Persönlichkeit, zeigen eine große Liebe für die indische Philosophie und Geschichte. So sind auch seine Vorträge. Autenthisch vermittelt er dem Auditorium komplizierte Themen des Yoga und Ayurveda mit erstaunlicher Leichtigkeit und ansteckendem Humor. Man kann spüren das dieser Mann DAS lebt, worüber er spricht. Mit der Schriftstellerin und Yogini, Shambhavi Chopra, reist dr. David Frawley durch die ganze Welt und hält auf verschiedenen Konferezen Vorträge, um die Menschheit zu inspirieren und auf die alte Lehre des Tantra hinzuweisen. So hatte ich das Glück ihm ein Paar Fragen zu stellen, während des Yoga Festivals in Berlin, 2008.
Welche waren Ihre erste Begenungen mit Yoga?
– Das ist eine lange Geschichte die sich über eine längere Zeit ausdehnt… es ist nicht einfach so an einem Tag geschehen… In den späten 60-ern habe ich angefangen Yoga zu studieren….und es gab eine Zeitspanne von 10 bis 15 Jahren in der ich alles was ich gelernt habe erstmal verinnerlichen musste….es war ein Prozess auch mit Reisen nach Indien, sowie Kontakte mit einigen westlichen Lehrern….es war eine kontinuierliche Reise, die noch immer dauert….
Sie haben also in den USA mit Yoga angefangen?
– Ja, damals bin ich in Kontakt mit einigen Lehrern gekommen, besonders mit Lehrern die von Yogananda und Ramana Maharishi inspiriert waren.
War Ihr Interesse an Yoga von der Hippy Bewegung geprägt?
– Das war die gleiche Zeit, aber ich hatte eher Interesse von diesen (obengenannten) Lehrern zu lernen.
Haben Sie sich schon früher zu dieser Philosophie hingezogen gefühlt?
– Ich hatte immer Interesse an Spiritualität…. auf einmal habe ich mit Yoga und Vedanta angefangen und da habe ich mein Hauptinteresse gefunden.
Ihr Name – Vamadeva Shastri- ist ein spiritueller Name?
– Ja, Vamadeva ist Name von einem Rishi und Shastri ist wie Pandit oder z.B. wie ein Familienname.
Diesen Namen haben Sie auch deswegen bekommen weil Sie einer der seltenen westlichen Menschen sind, die ein Yoga Acharya Titel in Indien bekommen haben…. wie haben Sie das geschafft?
– Ich glaube ich habe mir das erarbeitet! (lachen) Ich habe so viele Bücher geschrieben, inclusive Kommentare der Veden, Upanishaden, Werke über Ayurveda, Jyotish… also ich glaube ich wurde einfach als eine Fachperson anerkannt…Es wurde nicht zu mir gegeben einfach weil jemand so entschieden hat… Pandit ist wie ein Professor, er muß hart arbeiten und ich habe z.B. Sanskrit im Original gelernt und im Original Sanskrit geschrieben… Ich habe Texte aus Rgveda und Upanischaden übersetzt, habe uraltes Indien und Hinduismus studiert….
Irgendwo habe ich gelesen dass Sie die schwierigste Art des Sanskrit gelernt haben oder auf schwierigste Art und Weise – was bedeutet das?
– Das muß ich Sie auch fragen! Aber…. ich habe vedisches Sanskrit gelernt. Vedisches Sanskrit ist älter und nicht das Sanskrit was die meisten Leute lernen. Es ist ein wenig anders als klassisches Sanskrit, die Sprache ist antiker, uralter.
Wie sind Sie zur Lehre des Tantra gekommen?
– Tantra war einfach Teil des gesamten Weges…. Meistens waren meine Lehrer aus der Tradition von Aurobindo, Ramana Maharishi, sogar Ramakrishna war ein Tantriker…
Es herrscht ein großes Mißverständniss über Tantra, in Indien sowie in den westlichen Ländern. Was kann die Ursache dafür sein?
– Welche Mißverständnisse meinen Sie?
Z.B. ich habe in Indien erlebt dass Leute unter Tantra oft etwas Gefährliches meinen…
– Na ja, man kann Tantra auch zum negativen Zwecke nützen, aber das ist nicht die Bedeutung des Tantra. Da sind einige Menschen die Tantriker heissen, aber sie sind wie Magier und nutzen Energien um ihre Ziele zu befriedigen, dieses Aspekt des Tantra hat einen schlechten Ruf, aber meistens ist in Indien eine Gottesverehrung – tantrische Verehrung. Zum Beispiel in Südindien sind alle agamische Tempel – tantrische Tempel. Sogar der große Philosoph Shankara hat das bekannteste Buch über Tantra geschrieben……. das negative Aspekt des Tantra ist kein echtes Tantra.
Tantra ist oftmals irgendwie – wie verschleiert. Warum?
– Tantra Lehre ist für jeden. Man kann vielleicht Mantras oder Tantras für eigene Ziele einsetzen, aber das ist nicht was uns die große Lehrer gelehrt haben. Ramakrishna hat Tantra praktiziert. Kundalini yoga ist eine tantrische Tradition. Hatha Yoga ist eine tantrische Tradition…
Also viele Yoga Praktizierende wissen nicht dass sie eigentlich Tantra praktizieren?
– Ja, besonders im Westen denken die Leute – Tantra ist Sex. Genauso denken sie dass Yoga nur Asanas sind. Diese mißführende Vorstellungen sind Produkt des menschlichen Denkens. Es ist nicht in der Realität verwürzelt. Einige populäre Lehrer haben Tantra Begriff genutzt um sich selbst „nach oben“ zu bringen. Manche denken sogar das Bhagavad Gita ein erotisches Buch ist! Deswegen ist es nötig sich mit diesen Mißverständnissen auseinanderzusetzen. Es ist so in der westlichen Welt dass einige Begriffe als wahr gehalten werden, obwohl sie sogar nicht real sind. Sogar im Sanskrit ist die Bedeutung des Wortes Tantra: Text Buch oder ein Buch der Technologie. Manchmal müssten wir nachdenken bevor wir etwas sagen und wir sollten mehr über inneres Tantra und inneres Yoga reden… In Indien, da hat man ein ganzes Set von Büchern über Tantra das alle Aspekte des Lebens; Sadhana, Mantra, Gottheiten, eine ganze Reihe des spirituellen Praktiken beinhaltet….
Kommt Tantra von Shiva?
Tantra ist eine von den drei Schichten der indischen Tradition. Wir haben Gottheiten, Puranen und Tantra. Tantra ist mehr mittelalterlich…. Shiva ist die primäre Gottheit des Tantra, aber da sind auch einige andere…
Welche?
– Zum Beispiel Kult der Devi (Göttin), Vaishnava Tantra – Kult des Vishnus, aber meistens ist Tantra auß dem shakti-shaivitishen Kult gekommen.
Devi Kult ist feminin oder etwas wie Kult der Prakrti?
– Devi ist die Göttin und es muß nicht nur Prakrti sein. Tradition der Devi gehört zur Advaita Tradition. Es ist eine Tradition der Selbstverwirklichung. Shankara war ein Advaita Vereher und viele andere waren Devi Verehrer. Also Göttin bedeutet auch die höchste Kraft, das höchste Wissen, sie ist nicht nur feminin, sie ist eine universale Kraft…Es geht nicht um weiblich oder männlich; Devi steht über diese Eigenschaften. Devi repräsentiert alle Kräfte und die Kraft des höchsten Bewußtseins. Es ist nicht nur Personifizierung des weiblichen oder männlichen Aspekts. Shiva ist auch nicht nur männlich. Da sind auch das Wasser, die Sonne, das Feuer, der Mond… Wir, als Menschen, tendieren zu den Bildern und Symbolen. Kali z.B. ist nicht nur ein Mensch, sie ist überhaupt nicht ein menschliches Wesen… Vielleicht zeigen die Bilder weibliche oder männliche Figuren, aber das bedeutet nicht das wir das Weibliche oder das Männliche verehren. Shiva repräsentiert auch das Absolute. Und das Absolute hat keinen Namen oder Form…
Sie halten auch Vorträge über das Heilen und wie sich die Heiler in ihrer Arbeit selbst heilen können. Zum Beispiel als Yogalehrerln arbeitet man auch ziemlich therapeutisch, manchmal haben die Yogalehrer mehrere Yogastunden täglich hinter sich….sie müssen ständig Asanas zeigen, Pranayama zeigen….. ist das eigentlich gesund?
Auf jeden Fall nicht. Es ist auch wichtig zu verstehen dass Yoga nicht nur Asana ist. Zuerst muß man ein positives Prana entwickeln. Wenn ein Yogalehrer kein positives Prana hat, was für ein Vorbild kann er dann für seine Schüler sein?
Welche Technicken benutzen Sie um ein positives Prana zu erzeugen und sich zu schützen?
– Ein heiliges Ort zu schaffen……Den Raum klar zu machen….. Den Raum energetisieren.. Bringe spirituelle (engl. divine) Energie, so dass Du nicht Deine persönliche Energie nutzst….Da gibt es eine ganze Reihe von Ritualen, aber das wichtigste ist: Nutze die heilende Energie, nicht die Energie deines Egos.
                                                                                 Tihana Buterin, am Yoga Festival Berlin, 5. Juli 2008

Der kleine Tempel

Viele fragen mich warum der Name „Der kleine Tempel“, geht es um ein Yoga Studio? Worum geht es eigentlich? Um darauf zu antworten muss ich einige Jahre zurückgehen und mich an Indien erinnern. Die Erfahrungen und Lebensbilder Indiens liefen mich oft sprachlos und speicherten sich in meine Seele ohne Bedarf sie jemanden mitzuteilen.
Einige dieser Bilder waren die kleinen Tempel, im Vergleich zu den farbigen, großen, monumentalen hinduistischen Tempeln, einfach und sparsam eingerichtet. Beide besaßen ihre Schönheit und eine bestimmte Atmosphäre. Die kleinen, oft mitten im nirgendwo, oder mitten in Großstädten, plötzlich erscheinend an einer unerwarteten Stelle oder in einem unerwarteten Moment, waren für mich die wichtigsten. Aber ich habe das erst Jahre danach in Berlin festgestellt während einer Meditation. Ich habe festgestellt dass man immer, in jedem Moment und an jeder Stelle – immer – das und alles hat was man braucht und dass man daraus die Kraft, die kreativen Ideen und Lösungen schöpfen kann. So enstand mein erster eigener Yoga Raum: „Der kleine Tempel“ in einem 18 qm großem (kleinen) Zimmer eines Berliner Plattenbaus.
Die kleinen Tempel sind natürlich klein, aber kraftvoll. Sie erinnern die Menschen an ihre wahre Natur. Sie sind wie ein Impuls im turbulenten Leben, ein Impuls der erhebt, beruhigt und immer weiter sanft schiebt. Sie erinnern die Menschen darauf innezuhalten, kurz zu entspannen, Augen zu schließen und durchzuatmen. Und wenn wir die Augen schließen, stellen wir fest – der Tempel ist in uns auch. Unser, dein, mein eigener Tempel, der kleine Tempel. Der sich immer erneuern, aufbauen und erweitern kann. Ein spiritueller Raum in uns der uns zeigt den tatsächlichen Zustand, der uns beruhigen aber auch beunruhigen kann, der uns zeigt was zu ändern ist oder was ganz gut ist, etwas wofür wir dankbar sein können.