Welches Yoga unterrichte ich

ichcowfaceHeutzutage gibt es sehr viele Namen für sehr viele (teilweise nach subjektiven Vorstellungen erfundene) Yoga Stile, aber ich verzichte bewusst darauf, meinem Yoga Unterricht einen Namen zu geben.

Ich bin der Meinung, sobald wir Yoga in eine Schublade stecken wollen (auch mit guten Absichten), entfernen wir uns von dem eigentlichen Sinn und Ganzheitlichkeit des Yoga.

Nur zur Illustration oder zum nachdenken:

Wenn jemand sagt: „Ich mache Kundalini Yoga“, dann geht es meistens um das Kundalini Yoga nach Yogi Bhajan, also von einer Person erfundenes Übungssystem. Als ob es Kundalini nur seit Yogi Bhajan gibt und Kundalini Yoga ebenso. Das ganze Yoga was wir heutzutage machen dient auch dazu um Kundalini zu erwecken oder sollte dahin führen, also welches Yoga heutzutage hat mit Kundalini Energie nicht zu tun?

Wenn jemand sagt: „Ich mache Hormon Yoga“, dann sollte man sich auch die Frage stellen: Gibt es Yoga welches kein Hormon Yoga ist? Jedes Yoga wirkt auf unseren Hormonhaushalt. Eventuell könnte man sagen: „Ich mache Hormon Yoga die Dinah Rodrigues als Übungssystem zusammengestellt hat.“ Jedes Yoga (also das was wir heute in Yogazentren üben spricht immer auch das Hormonsystem an). Das Übungsystem von Dinah Rodrigues ist für Frauen in bestimmten Lebensabschnitten spezialisiert. Jedoch jede Frau ist anders, deswegen weiss ich nicht ob dieses Yoga für jede Frau das richtige ist.

Ein sehr beliebtes Yoga heutzutage ist Yin Yoga. Im Yin Yoga lässt man den Körper selbst „arbeiten“, die Haltungen werden länger gehalten und man forciert nichts. Hm, irgendwie kenne ich das schon aus den 80-ern, jedoch damals hieß es einfach Yoga. Dementsprechend, wenn es Yin Yoga gibt, muss es auch Yang Yoga geben. Aber seit wann trennen wir das weibliche und das männliche Prinzip, das ruhige und aktive im Yoga und wozu? Yoga ist ein ganzheitliches System und jedes Asana, sowie die Ausführung hat eine Bedeutung. Es heisst nicht dass unruhige Menschen eine ruhige Yogapraxis mehr bevorzugen werden oder dass sie eine ruhigere Praxis wirklich beruhigen wird. Eine Yogastunde ist ein Spiel aus ausgewogener Anspannung und Entspannung, Passivität und Aktivität, Shiva und Shakti.

Und wenn jemand sagt: „Ich mache Hatha Yoga“, dann sagt er oder sie nichts neues, weil die meisten Yoga Kurse, die wir heutzutage besuchen, zum Hatha Yoga auch gehören, bzw. auf Asanas basieren – also jeder der Yoga Stilen bei heutigen Kursen ist untrennbar vom Hatha Yoga.

In der Zeit ab 1990 haben sich bestimmt 100 Yoga Stile entwickelt, obwohl es immer um eine und dasselbe geht. Aber offensichtlich haben die Menschen das Bedürfnis, jeder kleinen Inspiration und Empfinden beim Yoga, einen neuen Namen zu geben. Und schon gehen wir weiter mit den Namen, die eigentlich meistens nur verwirren.

Vinyasa zum Beispiel kann im Sanskrit vieles bedeuten, aber es wird für einen fließenden Yoga Stil benutzt. Wieder kommen wir zur Frage: Welche Yogastunde ist nicht fließend? Jede Yogastunde hat einen bestimmten Flow oder sie werden in eine Stunde eingebaut, warum muss dann irgendeine Yoga Vinyasa Yoga heissen? Vinyasa Yoga sollte Atem und Bewegung in Einklang bringen – und welches Yoga tut das nicht?

Power Yoga – es mag sein dass diese Yogastunden etwas herausfordernder sind, aber man kann eine herausfordernde Yogastunde auch ohne diesen Namen problemlos gestalten. Je nach Erfahrung der Teilnehmerlnnen, kann uns jede Yogastunde an Grenzen unserer körperlichen Kräfte bringen und jede Yogastunde kann uns eine körperliche und geistige „Power“ verleihen.

Iyengar Yoga – da sehe ich auch keinen Grund ein Yoga so zu nennen, obwhol ich Iyengar als Yogi mag, jedoch hätte ich nie als persönlichen Yogalehrer gerne gehabt. Iyengar stellte besonderen Wert auf die korrekte Ausführung von Asanas, auf die Ausrichtung, manchmal auf ziemlich schmerzhafte und forcierende Art und Weise, wie man sich auf Youtube vergewissern kann. Aber ich wollte sagen dass jeder der Yoga lehrt auch auf eine korrekte Ausführung von Asanas und Ausrichtung achtet (oder achten soll) und das geht auch ohne Gewalt.

Sehr populär ist heutzutage auch Jivamukti Yoga. Dieser Yogastil ist aus subjektiven Yoga Überzeugungen entstanden. Eine dieser Überzeugungen ist dass der Einsatz von Musik während Yoga gut ist, oft Einsatz von allen Arten von Musik (ohne Rücksicht auf die Chakren) und Veganismus ist auch einer der Bestandteile. Es mag gut und schön sein für die Erfinder dieser (fast aktivistischen) Bewegung in der Yogaszene.

Es gibt noch viele weitere Yogas, hier nur noch ein Paar Namen: Bikram, Anusara, Sivananda, Isha, Ashtanga, Restorative, Agni, Ananda, Integral, Forrest, Shadow, Tao, Zen Yoga….Es gibt unzählige Kreativitätsmöglichkeiten wenn es um Yoganamen geht. Im Endeffekt jeder Yogalehrer oder jede Yogalehrerin kann ein eigenes Yoga Stil erfinden, ein Übungssystem erstellen welches für eine große Gruppe von Menschen gelten kann und gut empfunden werden kann. Aber wie kann ein subjektiv erfundener Yoga Stil für eine Gruppe von Menschen GLEICH gut sein? Nicht nur Yogalehrerlnnen führen Menschen irre, sondern Menschen lassen sich auch gerne irreführen und vom neuen begeistern, bzw. von alten Sachen die in ein neues Geschenkpapier eingepackt wurden.

Deswegen bleibe ich lieber einfach beim Begriff Yoga, höchstens Hatha Yoga.

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