Ein Paar Skizzen aus meinem Yoga Weg

Mit Yoga und Meditation ist es wie mit allen anderen Lebenskünsten. Erstmal lernen wir die Regeln, Techniken und Methoden. Wir sammeln unzählige Erfahrungen und dann finden wir „den eigenen Weg“.

In mehr als 20 jähriger Yoga Praxis habe ich verschiedene Phasen erlebt. Mein Zutritt zum Yoga fing mit der Meditation an. Ich habe eine Art Mantra Meditation gemacht, die mich zwar beruhigt und erholt hat, aber ich wusste den tieferen Sinn (damals noch) nicht.

Mit Yoga in Form von Asanas, habe ich 1998 in Indien angefangen und stellte damals fest, ja, ich will DAS im Leben machen! (beruflich und nicht-beruflich). Ich war eine eifrige Yoga Schülerin, wenn nicht Streberin, hatte großen Respekt vor jeder Yogastunde, verstand Sanskrit sehr gut, es war ein intuitives, schnelles Lernen „mit dem Herzen“. Die Regeln befolgte ich beinahe dogmatisch und ärgerte mich wenn ich das ganze mit dem „realen Leben“ nicht verknüpfen konnte.

Einerseits wollte ich Yoga genau so machen wie vorgeschrieben, aber dafür müsste ich am besten in einem indischen Ashram oder an einem anderen abgeschiedenen Ort bleiben. Irgendwie wusste ich gleichzeitig dass das auch nicht mein Weg ist. Sobald ich die Welt nur durch eine Brille gesehen habe, nur durch die Brille einer Yogaschule, Ideologie oder Philosophie, war das für mich ein Zeichen dass ich die Umgebung wechseln muss, weil dieser eine Weg zu einseitig und verschlossen wird.

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Ich habe weiter Yoga in Form von Asanas, Pranayama und Meditation gemacht und hatte einige Erfahrungen über welche ich in vielen Yoga Büchern gelesen habe.

Irgendwann begann ich auch Yoga zu unterrichten. Die ersten Yogakurse waren sozusagen „die reinsten“, ich habe mich noch mit der Indien Energie verbunden gefühlt. Es war noch ein Hauch der unverfälschten Indien Vibes dabei. Man kann davon auch abhängig werden.

Man kann generell vom Yoga abhängig werden! Und wenn man das merkt, sollte man anfangen, sich zu hinterfragen.

Nur durch Yoga gutgelaunt zu sein und nur durch Yoga fit, leicht, empathisch und toll zu sein? Da stimmt was nicht. Ich habe dann ein Experiment gemacht und Yoga ungefähr zwei Jahre nicht praktiziert, zumindest nicht regelmäßig. Ich dieser Zeit kam ich zu diesen Erkenntnissen:
1) Yoga geht nicht weg, auch wenn ich es nicht mache. Bzw. Yoga welches ich gemacht habe, blieb in meinen Zellen „gespeichert“. Es gibt mir ein große Energiereserve für die Zeiten wo ich es nicht mache.
2) Wenn man keine Asana Praxis macht, ist man mehr auf den eigenen Geist hingewiesen, die wahre Stärke, die eigentlichen Selbstheilungskräfte.
3) Ich stellte fest dass Asana Praxis ein Tool ist, den Körper und Geist wieder in Ordnung zu bringen, wenn man es braucht, wenn man ausgepowert ist und wenn man nicht weiss – wie weiter. Und für jedes Wehewechen und für jede Lebenssituation helfen bestimmte und nicht alle Asanas.
4) Ich unterteilte Yoga in verschiedene Bereihe: es gibt heilendes, präventives und Notfall-Yoga. Wenn wir mit dem Yoga anfangen, werden unsere alte Probleme und Lasten langsam „angesprochen“, ein Heilungsprozess fängt an. Mit dem präventiven Yoga wird unsere Gesundheit stabilisiert. Noffall-Yoga bringt uns wieder in Ordnung wenn wir uns selbst vergessen haben oder unseren Körper nicht genug gehört haben. Alle drei können sich natürlich überschneiden.
5) Der ganze Yogaweg ist da um dir zu zeigen dass du lernen musst auch ohne Yoga frei zu sein!

Ich wünsche Dir viel Spaß auf deinem Yoga Weg!

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Die Bedeutung(en) von Asana

Yoga und das – was wir unter Yoga oft verstehen (nämlich Asanas oder Yogakörperhaltungen zu machen) – ist nicht dasselbe. Yogakörperhaltungen zu machen ist ein wichtiger Aspekt des Yoga und Yoga ist etwas viel breiter als Yogakörperhaltung. Das bedeutet aber nicht dass Yogakörperhaltung weniger wichtig ist. Körper und Geist sind ntrennbar und bilden eine Einheit.
Yoga wird schon im „Rg Veda“ (der älteste Teil von den vier alten indischen Schriften – Vedas)  erwähnt und Asana, als ein Aspekt des Yoga oder als Körperhaltung, wird erst in Patanjalis „Yoga Sutras“ erwähnt. Er war der erste der die Philosophie des Yoga niedergeschrieben hat. Davor wurde diese Lehre wie viele anderen, nur mündlich übertragen.

In der indischen Kultur, sowie in vielen anderen alten Kulturen war und ist es noch immer normal – am Boden zu sitzen. Vielleicht waren die alten Inder die ersten die daraus einen „Meditationssitz“ entwickelt haben und nannten ihn Asana. Vielleicht hatte es einfach praktische Gründe. Damals hatten die Menschen bestimmt auch Rückenschmerzen. Sie suchten die Wege um den Sitz zu erleichtern. Vielleicht ist es dabei zu unerwarteten wohltuenden und meditativen Erlebnissen gekommen. Nicht nur Inder, wahrscheinlich sind viele andere Kulturen zu bestimmten „Erleuchtungen“ im Sitzen gekommen. Versuch mal beim Rennen, Springen oder Schwimmen zu irgendwelchen Erkenntnissen zu kommen.
Ein Lotussitz muss nicht der einzige Meditationssitz sein, aber die Tatsache ist dass dieser Sitz zu anderen Zwecken genutzt werden konnte, zum Beispiel Meditation die eine enorme geistige Kraft verleihen kann. Und je ruhiger die Pose ist, desto mehr kann man erleben.

Was passiert eigentlich im yogischen Meditationssitz?
Die Wirbelsäule ist gerade, das Becken stabil. Wir können uns auf die Energien in unserem Körper konzentrieren, wir können die Lebensenergie Kundalini spüren und durch diese unbewegliche Ruhe viel innere Kraft entwickeln. Und dafür gibt es bestimmte Regeln und Techniken die vermutilich eine alte Tradition haben.

Der erste Beweis dafür ist ein Siegel aus der Zeit der Indus Zivilisation wo eine Person im Meditationssitz dargestellt wird. Die Frage ist, ob das wirklich ein Yogi war, oder sich der Künstler etwas ausgedacht hat. Die Füße dieser Figur berühren sich nämlich und er steht sozusagen auf den Zehen. Es ist eine bekannte Yogastellung für Fortgeschrittene: Gorakhasana, Mulabandhasana oder Badrasana. Da streiten sich die Geister auch, wie genau was heisst.

Die Füße sind auf dem Siegel nach unten dargestellt, jedoch kann es sein dass es mit einer Yogakörperhaltung nichts zu tun hat. Aber sagen wir mal dass es um eine Yogahaltung geht – es ist auf jeden Fall eine Art zu sitzen oder ein Meditationssitz. Und als Asana oder yogische Haltung belebt sie das ganze Unterleib, hilft die sexuelle Kraft zu kontrollieren und dient als Prävention für viele Krankheiten, z.B. Hernie, oft bei Menstruationsbeschwerden und Ähnliches.

Die Person auf dem Siegel ist mit Tieren umgeben – es konnte eine Gottheit gewesen sein, aber auch die Verbundenheit des Yoga bzw. Asanas mit der Tierwelt könnte der Grund sein. Viele Asanas stellen ein Tier dar. Dieses Siegel datiert ungefähr in 2000 Jahre vor Christus.

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So sah dieser Yogi 2000 Jahre vor Ch. aus, wenn es ein Yogi war

Asana als Wort hat im Sanskrit sehr viele Bedeutungen, die man mit allen Aspekten des Yoga und des Lebens verbinden kann. Manche Bedeutungen haben mich wirklich zum lachen gebracht. Die primäre Bedeutung von Asana im Yoga ist wie gesagt „der Sitz“. Patanjali schreibt in sehr komprimierten Versen im Yoga Sutra ganz klar: „sthira-sukham-āsanam“ – „Die Sitzhaltung soll fest und angenehm sein.“ (Yogasutra 2.46)
Ob es um einen Meditationssitz geht oder eine andere Yogakörperhaltung, die Regel gilt – es soll sich angenehm anfühlen.
Und hier sind meine Interpretationen des Wortes Asana aus dem Sanskrit:

असन – asana als Adjektiv – etwas was weggeworfen wird oder sich entlädt – lässt sich prima auf Gorakhasana oder ein Meditationssitz übertragen – es werden alte und schlechte Energien entladen, die Ausscheidungsorgane werden stimuliert. Das neue und pure wird sublimiert und zu „höheren“ oder „sinnvolleren Zwecken“ genutzt.
असना als Substantiv – Pfeil oder noch besser Rakete! – und so ist es! wenn man die Kundalini in der Meditation oder Meditationssitz erlebt, ist diese Energie oft direkt wie ein Pfeil und überwältigend wie eine Rakete… und man fühlt sich wie eine Rakete!
आसना als Adjektiv – bleibend – wer Yoga schon länger macht, aber auch wer Yoga regelmäßig oder weniger gemacht hat, kann vielleicht spüren wie Yoga im Körper „irgendwie bleibt“. Sowas wie das Erlernen vom Schwimmen oder Ski Fahren. Aber auch nicht ganz so. Oft merkt man das wenn man eine längere Zeit kein Yoga gemacht hat. Man muss dann nicht immer wieder neu anfangen. Yoga bleibt im ganzen Wesen, als ob es in jeder Zelle gespeichert wurde.
आसन – Behalten, Verharren gegen den Feind – was auch immer der Feind sein sollte, es können unsere Gedanken sein oder eine angreifende Person. Jedenfalls kann es um den geistigen Sieg gehen und den Feind so „umzuwandeln“ dass seine Absicht der Gewalt auf die Gewaltlosigkeit trifft, somit wird seine Handlung sinnlos.

Es gibt noch unzählige Bedeutungen von Asana. Schau in deinen Körper und Geist was passiert wenn du ein Asana ausführst. Welche Bedeutung hat es für dich? Welche Gedanken kommen hoch, welche Empfindungen im Körper? Eine tausendjahre alte Praxis beweist sich auch noch heute in deiner Yoga Praxis und das finde es einfach toll.

Jedenfalls, um fest und angenehm in einem Sitz zu bleiben brauchen wir oft auch alle andere Asanas, um unseren ganzen Körper und Geist stabil zu machen. Und das ist gut so. Es ist auch schön. Auf jeden Fall wohltuend…