Die Bedeutung(en) von Asana

Yoga und das – was wir unter Yoga oft verstehen (nämlich Asanas oder Yogakörperhaltungen zu machen) – ist nicht dasselbe. Yogakörperhaltungen zu machen ist ein wichtiger Aspekt des Yoga und Yoga ist etwas viel breiter als Yogakörperhaltung. Das bedeutet aber nicht dass Yogakörperhaltung weniger wichtig ist. Körper und Geist sind ntrennbar und bilden eine Einheit.
Yoga wird schon im „Rg Veda“ (der älteste Teil von den vier alten indischen Schriften – Vedas)  erwähnt und Asana, als ein Aspekt des Yoga oder als Körperhaltung, wird erst in Patanjalis „Yoga Sutras“ erwähnt. Er war der erste der die Philosophie des Yoga niedergeschrieben hat. Davor wurde diese Lehre wie viele anderen, nur mündlich übertragen.

In der indischen Kultur, sowie in vielen anderen alten Kulturen war und ist es noch immer normal – am Boden zu sitzen. Vielleicht waren die alten Inder die ersten die daraus einen „Meditationssitz“ entwickelt haben und nannten ihn Asana. Vielleicht hatte es einfach praktische Gründe. Damals hatten die Menschen bestimmt auch Rückenschmerzen. Sie suchten die Wege um den Sitz zu erleichtern. Vielleicht ist es dabei zu unerwarteten wohltuenden und meditativen Erlebnissen gekommen. Nicht nur Inder, wahrscheinlich sind viele andere Kulturen zu bestimmten „Erleuchtungen“ im Sitzen gekommen. Versuch mal beim Rennen, Springen oder Schwimmen zu irgendwelchen Erkenntnissen zu kommen.
Ein Lotussitz muss nicht der einzige Meditationssitz sein, aber die Tatsache ist dass dieser Sitz zu anderen Zwecken genutzt werden konnte, zum Beispiel Meditation die eine enorme geistige Kraft verleihen kann. Und je ruhiger die Pose ist, desto mehr kann man erleben.

Was passiert eigentlich im yogischen Meditationssitz?
Die Wirbelsäule ist gerade, das Becken stabil. Wir können uns auf die Energien in unserem Körper konzentrieren, wir können die Lebensenergie Kundalini spüren und durch diese unbewegliche Ruhe viel innere Kraft entwickeln. Und dafür gibt es bestimmte Regeln und Techniken die vermutilich eine alte Tradition haben.

Der erste Beweis dafür ist ein Siegel aus der Zeit der Indus Zivilisation wo eine Person im Meditationssitz dargestellt wird. Die Frage ist, ob das wirklich ein Yogi war, oder sich der Künstler etwas ausgedacht hat. Die Füße dieser Figur berühren sich nämlich und er steht sozusagen auf den Zehen. Es ist eine bekannte Yogastellung für Fortgeschrittene: Gorakhasana, Mulabandhasana oder Badrasana. Da streiten sich die Geister auch, wie genau was heisst.

Die Füße sind auf dem Siegel nach unten dargestellt, jedoch kann es sein dass es mit einer Yogakörperhaltung nichts zu tun hat. Aber sagen wir mal dass es um eine Yogahaltung geht – es ist auf jeden Fall eine Art zu sitzen oder ein Meditationssitz. Und als Asana oder yogische Haltung belebt sie das ganze Unterleib, hilft die sexuelle Kraft zu kontrollieren und dient als Prävention für viele Krankheiten, z.B. Hernie, oft bei Menstruationsbeschwerden und Ähnliches.

Die Person auf dem Siegel ist mit Tieren umgeben – es konnte eine Gottheit gewesen sein, aber auch die Verbundenheit des Yoga bzw. Asanas mit der Tierwelt könnte der Grund sein. Viele Asanas stellen ein Tier dar. Dieses Siegel datiert ungefähr in 2000 Jahre vor Christus.

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So sah dieser Yogi 2000 Jahre vor Ch. aus, wenn es ein Yogi war

Asana als Wort hat im Sanskrit sehr viele Bedeutungen, die man mit allen Aspekten des Yoga und des Lebens verbinden kann. Manche Bedeutungen haben mich wirklich zum lachen gebracht. Die primäre Bedeutung von Asana im Yoga ist wie gesagt „der Sitz“. Patanjali schreibt in sehr komprimierten Versen im Yoga Sutra ganz klar: „sthira-sukham-āsanam“ – „Die Sitzhaltung soll fest und angenehm sein.“ (Yogasutra 2.46)
Ob es um einen Meditationssitz geht oder eine andere Yogakörperhaltung, die Regel gilt – es soll sich angenehm anfühlen.
Und hier sind meine Interpretationen des Wortes Asana aus dem Sanskrit:

असन – asana als Adjektiv – etwas was weggeworfen wird oder sich entlädt – lässt sich prima auf Gorakhasana oder ein Meditationssitz übertragen – es werden alte und schlechte Energien entladen, die Ausscheidungsorgane werden stimuliert. Das neue und pure wird sublimiert und zu „höheren“ oder „sinnvolleren Zwecken“ genutzt.
असना als Substantiv – Pfeil oder noch besser Rakete! – und so ist es! wenn man die Kundalini in der Meditation oder Meditationssitz erlebt, ist diese Energie oft direkt wie ein Pfeil und überwältigend wie eine Rakete… und man fühlt sich wie eine Rakete!
आसना als Adjektiv – bleibend – wer Yoga schon länger macht, aber auch wer Yoga regelmäßig oder weniger gemacht hat, kann vielleicht spüren wie Yoga im Körper „irgendwie bleibt“. Sowas wie das Erlernen vom Schwimmen oder Ski Fahren. Aber auch nicht ganz so. Oft merkt man das wenn man eine längere Zeit kein Yoga gemacht hat. Man muss dann nicht immer wieder neu anfangen. Yoga bleibt im ganzen Wesen, als ob es in jeder Zelle gespeichert wurde.
आसन – Behalten, Verharren gegen den Feind – was auch immer der Feind sein sollte, es können unsere Gedanken sein oder eine angreifende Person. Jedenfalls kann es um den geistigen Sieg gehen und den Feind so „umzuwandeln“ dass seine Absicht der Gewalt auf die Gewaltlosigkeit trifft, somit wird seine Handlung sinnlos.

Es gibt noch unzählige Bedeutungen von Asana. Schau in deinen Körper und Geist was passiert wenn du ein Asana ausführst. Welche Bedeutung hat es für dich? Welche Gedanken kommen hoch, welche Empfindungen im Körper? Eine tausendjahre alte Praxis beweist sich auch noch heute in deiner Yoga Praxis und das finde es einfach toll.

Jedenfalls, um fest und angenehm in einem Sitz zu bleiben brauchen wir oft auch alle andere Asanas, um unseren ganzen Körper und Geist stabil zu machen. Und das ist gut so. Es ist auch schön. Auf jeden Fall wohltuend…

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