Yoga und Kapitalismus

Kapitalismus ist als Epoche nach dem Feudalismus gekommen, aber seine Wurzel sind tief in der menschlichen Geschichte und Geistesentwicklung des Menschen verankert, einfach durch das menschliche Ego. Ego musste es immer gegeben haben, aber irgendwann ist es in eine Form entartet, die nicht mehr gut getan hat. Der Mensch fing an, irrationale Aktivitäten zu veranstalten, z.B. andere, die gutmutig waren, zu betrügen, die anderen zu versklaven, die anderen einfach für die eigenen materiellen und egoistischen Ziele auszunutzen, weil er sich aus einem unbekannten Grund nicht als Teil des Ganzen sah, sondern mächtiger, besser oder klüger als die anderen. Statt kooperieren kam es zum Herrschen.

Die Machtausübung ist eine Kraft die einfach ausgeübt werden will – und warum das so ist – wurde noch nie vollständig erklärt. Vielleicht ist es einfach ein hartnackiger Atavismus. Genauso wie manches aus der Vergangenheit ausgerottet ist und nicht mehr denkbar, so wird es vielleicht auch mit der Machtausübung und Machthabenwollen irgendwann Ende.

Die Machtausübung basiert auf einem „negativen“ Ego, welches wiederrum auf Angst, Einseitigkeit, eingeschränktem Geist, Ignoranz und Unwissenheit basiert. Obwhol das so ist und obwhol die Mehrheit der Menschheit das einsehen KANN, ist diese Machtausübung so stark, dass sie in der Lage ist, die Massen zu herrschen.

Die zwei Säulen des Kapitalismus sind die Macht und das Kapital. Ohne Macht gibt es kein Kapital und ohne Kapital keine Macht. Das Reichtum wird akummuliert, nach dem Prinzip: Ich zuerst und nur ich / mein Stamm/ Familie. Die anderen werden im grundegenommen feindlich betrachtet und behandelt. Es herrscht ein ausgedachtes, eigenwilliges Recht etwas zu besitzen, was eigentlich der Erde und somit der ganzen Menschheit gehört.
Die Besitzermentalität ist die Mentalität des Egos, eine Störung in der Amygdala, ein Mangel an Glückshormonen in den Gehirnen, eine Empathie-Unfähigkeit, eine ständige Angst die die ganze Welt dadurch einschränkt und die Zusammenhänge zwischen allen Menschen, Ländern und Kulturen nicht sehen lässt.

Alte Rishis (die Weisen vor ungefähr 5000 Jahren) haben schon damals durch die Beobachtung der Natur, Welt und Menschen gemerkt, dass man ein Teil der eigenen Existenz als separat von allem erlebt. Und das ist das, dieses Ego. Es wurde mündlich in der Yogaphilosophie übertragen unter dem Begriff Ahamkara. Unseres Ego versucht immer uns als Individuum von der Ganzheit zu trennen. Das Ich ist hier ganz stark ausgeprägt durch die Illusion (Maya). Das Ego glaubt an die Illusion. Der Mensch identifiziert sich mit diesem Ego oder einer Rolle davon: berufliche Rolle, familiäre, intellektuelle…

Einerseits ist es gut ein Ego zu besitzen – das nenne ich ein „positives Ego“: wir haben das Recht auf das Erhalten unseres Lebens; wir müssen unsere Bedürfnisse erfüllen, sonst würden wir sterben. Das Ego / Instinkt zur Erhaltung des Lebens ist etwas Natürliches. Akummulation der Güter auf Kosten anderer, besonders in der heutigen Zeit, wo es GENUG für alle gibt, ist nicht natürlich. Das „positive Ego“ verfällt in den meisten Fällen in ein „negatives, gieriges Ego“.

Leider basiert das ganze System in dem wir leben, also Kapitalismus, auf dem (negativen) Ego, auf den ca 7 Milliarden separaten Egos. Es hat sich schon unter die Haut geschlichen und wir merken oft nicht, in was für Unwissenheit wir eigentlich leben. Wir werden mit Kapitalismus geboren. Die Schwangerschaft wird vermarktet. Die Krankenhäuser sind nicht mehr nur da um den Menschen zu helfen, auch ein Krankenhaus muss gut wirtschaften. Unsere Gehirne, unsere Kinder werden auf konsumieren „programmiert“. Wir schließen die Augen vor der Massentierhaltung, in einem Café bestellen wir Kaffee ohne zu fragen: In welchen Bedingungen haben die Arbeiter und Arbeiterinnen auf den Plantagen gearbeitet, gab es da auch Kinderarbeit? Wenn es ein „SALE“ in H&M gibt, fragen sich die shoppinglustigen Mädchen nicht über andere Mädchen in Bangladesch, die für ein 2 € T-Shirt (ein Schnäppchen!) 20 Stunden Arbeit leisten mussten.

Die Änderungen werden schon irgendwann und irgendwie stattfinden, aber ich persönlich hätte es gerne etwas schneller.

Einerseits scheint es – trotz einem beschleunigtem Wachstum von Spiritualität, Bewusstheit und Bewusstsein, trotz Internet und Informationaustausch – wachsen auch „die dunklen Mächte“ wie Profitgier, Ausbeutung, Betrug, Kriege weiter und zwar ziemlich schnell und irgendwie proportional. Faschismus und rechte Tendenzen als ein alter Partner vom Kapitalismus, bekommen den freien Lauf.

Über Klimawandel und Zerstörung der Erde muss man nicht noch mehr schreiben; wir sehen es täglich – die Straßen und Meere voller Plastikmüll und Gifte. Unnötiger Konsum an jeder Ecke. Es ist ein Teil des Lebens welches man, einfach so, akzeptiert.

Das Leben wird uns dirigiert und wir merken es nicht. Vielleicht wollen wir es auch nicht merken. Oder haben keine Zeit. Nach einer 8-stündigen anstrengenden Arbeit wo die Energie und Kraft (trotz gutem Lohn und guten Bedingungen auch ausgebeutet wird – sonst wäre es kein Kapitalismus!) hat man doch keine Lust sich noch mit Klimawandel oder schlechten Arbeitsbedinungen anderer Menschen auf der Welt zu beschätigen. (Ich schreibe hier mit Absicht wir – obwhol ich weiss dass nicht jeder so ist und so lebt wie beschrieben).

Und was für eine Rolle spielt jetzt hier Yoga? Ich sehe eine große Chance, besonders in heutiger Zeit, durch Yoga und andere spirituelle Praktiken, eine andere Sicht auf die Welt zu werfen und die Änderungen zu BESCHLEUNIGEN. Mit Yoga halten wir auf der individuellen Ebene inne und diese Entspannung gibt uns viel mehr Kraft und Zufriedenheit. Warum kann es nicht so für die ganze Erde sein? Profit abschaffen! Es muss nicht sein. Es gibt genug und im Überfluß für alle. Die Erde braucht eine Pause.

Yoga selbst muss sich aus dem Kapitalismus auch befreien! Es ist unsere Aufgabe Yoga nicht als Geschäft darzustellen sondern es davon fernzuhalten. Ich sehe wie schnell sich das heutige Yoga einem kapitalistischen System beugen muss, so dass Yogalehrer und Yogalehrerlnnen davon überhaupt leben können, aber die eigenen Leistungen verkaufen „zu müssen“ um davon leben zu können ist sicherlich kein Yogaweg. Ich schreibe jetzt auch einen Blogartikel weil mir der Markt und Konkurrenzkampf schleichend vorschreiben dass heutzutage jeder Yogalehrer einen Blog, Facebook Page und Instagram haben sollte / müsste / könnte….Um eventuell davon – zu profitieren? Zum Glück hat mein Blog keine Sponsoren, aber vielleicht kann ich darüber noch nachdenken.

Die Konkurrenz ist groß. Yogazentren gibt es an jeder Ecke, wie Cafés oder Apotheken. Dieses Eindringen des kapitalistischen Glaubens ins Yoga, aber auch andere Bereiche wie z.B. Arztpraxen ist einfach – traurig. Marktanalyse, Konkurrenzanalyse, KundenBINDUNG, ZIELGRUPPE! Es gibt mitlerweile viele große Portale für Yoga Retreats. Ihr Marketing ist, meiner Meinung nach, fraglich. Es stellte sich am Anfang als eine große Hilfe für Yogalehrerlnnen die Yoga Retreats anbieten dar, aber jetzt zweifle ich daran. Das ist ein großes Internet Konzern der Yogareisen und nichts anderes. Da wird auch nur Profit für die wenigen erschaffen (durch die Provisionen) und Yogalehrerlnnen bleiben ohne wirklichen Verdienst da diese Provision von schon sehr knapp errechneten Preisen abgegeben werden muss.

Jeder Mensch der heute in einem Coaching-, Yoga-, Heilpraktikerbereich arbeitet ist in der Mühle des kapitalistischen Marktes und muss sich so gut wie möglich präsentieren und bestimmte Marketingtools nutzen um überhaupt gesehen zu werden. Nur mit Mundpropaganda geht es heute nicht mehr. Und wenn er oder sie nicht genug coole Selbstdarstellung hat, keine Webseite oder Flyers mit professionellen Bildern, dann muss er/sie auch nicht überrascht sein NUR drei zufällige Teilnehmerlnnen in einem Kurs zu haben und die „Aufstockung“ des Einkommens beim Job Center zu beantragen, weil man einfach nicht „inn“ und nicht genug „cool“ oder gar nicht „in Flow“ ist.

Dieser „Kampf“ um die eigene Daseinsberechtigung auf dem Markt hat eigentlich, zumindest im Yoga, nichts zu suchen. Ein Yogalehrer oder Yogalehrerin ist „verpflichtet“ – Yoga – zu verbreiten und nicht – Yoga als Produkt. Wir müssen uns erinnern dass Yoga keinem System unterworfen werden kann, genauso wie wir selbst. Yoga ist Einssein mit dem Universum – in der Freiheit. Manche werden sagen: „Kapitalismus ist auch ein Teil des Universums!“ Natürlich, alles ist Teil des Universums, was auch nicht bedeutet dass wir die Augen schließen müssen vor den Teilen des Universums die schädlich sind. Genauso wie es manche „Störungen“ und Tests auf einem Yoga- oder spirituellen Weg gibt, muss auch der Kapitalismus auf der kollektiven Ebene überwunden werden, zum Wohlwollen aller und besonders unserer Erde.

Stichwörter zum Nachdenken, aus dem Ashtanga Yoga – dem 8-gliederigen Yogaweg: Asteya und Aparigraha. Man kann es auch als Ethik bezeichnen.

Steya bedeutet im Sanskrit stehlen, asteya also nichtstehlen, nichts zu nehmen, was einem nicht gehört. Ganz einfach! Einem Kapitalisten gehört nicht die Zeit, Energie und Leben einer Arbeiterin in Klamottenfabrik in Bangladesch nur um seine Profite zu steigern! Also er stehlt vortwörtlich ihr Leben wenn sie 20 Stunden arbeiten muss.

Aparigraha bedeutet nicht-zugreifen, niemanden auszunutzen (z.B. Schnäppchen Mentalität aufgrund Leiden anderer oder z.B. Tierquälerei).

Das Wohlwollen ist ein Grundbegriff im Yoga und Buddhismus. Die Welt die wir heutzutage sehen und erleben ist Produkt einer Geschichte von tausenden von Jahren. Es passierte ein Krach in der menschlichen Entwicklung der noch immer geheilt werden muss.

Deswegen schicke ich das Wohlwollen Mantra an das ganze Universum weil mir im Moment noch keine andere Mittel zur Verfügung stehen bzw. noch keine andere Ideen einfallen wie wir unseres Dasein in einem System voller Ungerechtigkeiten lösen können:

Lokah Samasta

Sukhino Bhavantu

Lokāḥ = Welten
Samastāḥ = alle zusammen
Lokah Samastah – alle Welten und Wesen zusammen.
Sukhinaḥ = von Sukha = Glück, Wohlergehen
Bhavaṁtu = möge all das sein

Mögen alle Wohlergehen erfahren und glücklich sein!

 

 

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Den Sonnengruß tanzen

Eigentlich habe ich den Sonnengruß nie so wirklich gemocht. Ich war nie ein Mensch der sportliche Bewegung liebte. Joggen, Fitness, Work-Out ist mir fremd. Und Sonnengruß beim Yoga ist eher etwas Sportliches, bzw. wird meistens so unterrichtet und verstanden.

Was ich immer mochte war Yoga und Tanz. Aber kein Yoga-Muskel-Training und auch kein Tanz im Sinne von Tango, Salsa oder Walzer, weil ich ein absolutes Tanzantitalent bin. Tanzschritte kann ich mir überhaupt nicht merken. Aber sich etwas ausdenken kann ich sehr wohl. Zum Beispiel irgendwelche eigene Choreographien wenn mich keiner sieht.

Mitlerweile habe ich herausgefunden dass viele andere „Yoga-Leute“ den Sonnengruß „eigentlich“ nicht mögen aber es trotzdem machen weil es danach doch guttut.

Eine Weile habe ich es versucht Sonnengruß aus einer Yogastunde auszuschließen, aber dann spürte man dass etwas fehlt. Es wurde mir klar dass Sonnengruß nicht nur eine Aufwärmübung ist, sondern etwas viel tiefer.

Beim Sonnengruß verehren wir die Sonne, das Leben selbst. Was für ein Zufall und Wahrscheinlichkeit dass gerade du, so wie du bist, entstanden bist und dass durch deinen Körper das Leben strömt! Ist es nicht ein Grund zum Zelebrieren? Und mit einem verschwitzten Work-Out nur um schlank auszusehen und sich auszupowern um „Stress abzubauen“ zelebriert man nicht so wirklich das Leben, man zerquetscht es eher raus wie man das bei einer Zitrone macht (so mein Gefühl, für einige ist Work Out genau das richtige!).

Womit hat man in der Geschichte das Leben oft zelebriert? Mit dem Tanz, freiem Tanz des Lebens, mit einem Tanz welcher die Glückseeligkeit, die Lebensfreude ausdrucken wollte!

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Und hier ist der entscheidende Punkt beim Sonnengrußüben. Wenn du deine Bewegungen als einen Tanz oder sagen wir mal lieber als eine Choreographie ausführst, bekommt der Sonnengruß eine ganz andere Bedeutung und Leichtigkeit, die vielen Yogaübenden schwer fällt, weil sie diese Sequenz eher als ein Workout oder anstrengende Aufwärmung ansehen.

Gehen wir weiter in die tiefere Bedeutung des Sonnengrußes, stellen wir fest dass Sonnengruß eine rhythmische Sequenz ist. Wenn man von diesem Rhythmus bewusst wird, kann die Ausführung von den 12 Sonenngruß-Asanas erleichtet werden. Wenn man z.B. eine Trommel dabei hört die rhythmisch den Takt gibt, kann man die Sonnengrüße anders als sonst wahrnehmen.

Sonnengruß hat auch 12 Mantren, für jeden Schritt oder Teil des Sonnengrußes eins. Alle beziehen sich natürlich auf die Sonne und deren verschiedenen Namen auf Sanskrit. Die Bedeutungen und Interpretationen variieren, je nach Tradition und Schule. Ich habe mir diese ausgesucht:

Om mitrāya Namaḥ (ॐ मित्राय नमः) – Ich begrüße den Freund von allen

Om Ravaye Namah (ॐ रवये नमः) – Ich neige mich vor der Ur-sache

Om Sūryāya Namaḥ (ॐ सूर्याय नमः) – Samen und die Seele der Existenz, das Leben selbst wird begrüßt

Om Bhānave Namaḥ (ॐ भानवे नमः) – Totale Verehrung des Lichtes

Om Khagāya Namaḥ (ॐ खगाय नमः) – Begrüßung von dem der sich schnell durch den Himmel bewegt

Om Puṣṇe Namaḥ (ॐ पूष्णे नमः) – Verehrung von dem der alles (er)nährt

Om Hiraṇyagarbhāya Namaḥ (ॐ हिरण्यगर्भाय नमः) – Verehrung der Quelle der Kreation (das „goldene Ei“)

Om Marīcaye Namaḥ (ॐ मरीचये नमः) – Begrüßung des Strahlenden, Heilenden

Om Adityāya Namaḥ (ॐ आदित्याय नमः) – Gruß an den Sohn von Aditi – die göttliche Mutter, die Mutter aller Himmelkörper

Om Savitre Namaḥ (ॐ सवित्रे नमः) – Gruß an die Kraft die alles erschafft

Om Arkāya Namaḥ (ॐ अर्काय नमः) – Der den ich vom Herzen verstehe und verehre sei gegrüßt

Om Bhāskarāya Namaḥ (ॐ भास्कराय नमः) – Gruß und Hingabe zur erleuchtenden Kraft

Wenn man diese Mantren beim Sonnengruß singt oder hört, wird man feststellen dass sie auch einen rhythmischen Takt geben.

Die Sonnenmantras können auch wunderbar mit den Chakren kombiniert werden und unsere psycho-energetische Zentren stärken, entwickeln und bereichern. Sie können auch in bestimmte Affirmationen „übersetzt“ werden und je nach Lebenssituation oder ein Thema, welches uns gerade beschäftigt, eingesetzt werden.

Ich habe für mich herausgefunden dass der Sonnengruß als Tanzchoreographie und Rhythmus mich selbst mit viel mehr Energie erfüllt als wenn ich die Übung einfach ausführen muss weil es gut für die Aufwärmung des Körpers – vor dem „eigentlichen Yoga“ (also allen weiteren Asanas) gut ist.

Warum nicht gleich gut und wohltuend? Probier es aus! Nur eine Serie von 6-12 Sonnengrüßen, auch mit intuitiven Variationen, kann eine 90 min Yogastunde erstezen.

Gerne kannst du mehr über Sonnengruß und dessen tieferen Bedeutung bei meinen Sonnengruß Workshops mit anschließendem indischen Essen erfahren, ab Januar 2018 in Berlin Friedrichshain 🙂 Lass uns die Sonne in uns wecken, auch im berliner Winter!

 

 

Yoga, Alkohol und Co.

Es gibt Dinge im Leben die für manche Menschen selbstverständlich sind und für manche nicht. Für mich als Yogalehrerin sind Alkohol und Drogen in Verbindung mit Yoga ein Tabu. Rauchen natürlich auch. Da kann ich richtig untolerant werden! Nicht weil ich dogmatisch sein möchte, sondern weil es mir einfach nicht klar ist, wieso macht man dann Yoga wenn man immer weiter trinkt und raucht? Das ist sowas wie Leerlauf oder ein Schritt nach vorne und zwei zurück.

Dieser Artikel ist auch von einem steigenden Trend im Bieryoga und Rage Yoga welches oft vom Alkohol begleitet wird, motiviert.

Ich verbiete natürlich nicht Menschen die Yoga machen wollen, aber noch ab und an trinken oder rauchen, Yoga zu machen. Im Gegenteil. Aber wer regelmäßig seinen Körper und Geist vergiftet und dabei regelmäßig Yoga machen möchte, versteht Fukntion des Yoga nicht. Beim Yoga wird das Nervensystem gereinigt und energetisiert und mit Alkohol wird es benebelt und betäubt.

Dass manche Yogainteressenten beides aus Unwissenheit machen und eventuelle Schaden nicht auf die Kombination von beiden zuführen, ist es verständlich. Aber wieso kommen manche Yogalehrerlnnen auf solche Ideen – ich frage mich dann ob sie in ihrer Yogaausbildung etwas über das Nervensystem im Yoga und Prana überhaupt gelernt haben?

Was geschieht eigentlich dabei? Alkohol ist, klar, ein Gift. Wir können es anwenden wenn jemand z.B. erfroren ist. Dann ist seine Anwendung berechtigt. Seine erste Funktion ist es zu entspannen, Wärme und anschließend bei „normalem Konsum“ Freude zu bringen. Oder als Konservierungsstoff. Jedoch beim Yoga, egal ob vor, während oder danach, macht es keinen Sinn. Es ist nicht ergänzend.

Alkohol kurz oder am selben Tag vor dem Yoga ==> eine stärkere Entgiftung, eine stärkere Strapazierung des Nervensystems und das ist sicherlich kein Sinn des Yoga. Der Sinn ist Prana oder die Lebensenergie zu spüren, zu wecken und zu pflegen.

Alkohol während dem Yoga ==> verstärkte Funktion der Niere ==> mehr zur Toilette gehen ==> Konzentrationsstörung ==> Asana- und Pranayamaausführung unter Entspannungsgefühl vom Alkohol und nicht dem eigenen, selbsterzeugtem, bewusstem Entspannungsgefühl

Alkohol nach dem Yoga ==> Zerstörung des Effekts welcher durch Yoga erzeugt wurde und wofür man eigentlich Yoga überhaupt macht, Betäubung der eigenen körperlichen, geistigen und spirituellen Energie, den im Yoga genannten Ojas = spirituelle Kräftigung.

Nicht nur schadet man den eigenen Zellen, man macht Yoga irgendwie lächerlich. Ein Witz aus Yoga zu machen ist seine Kraft nicht zu verstehen. Yoga macht Spaß, aber Yoga ist kein Spaß! Besonders bezieht sich das auf die Übungen die oft leicht angenommen werden ohne jeglichen Plan und System in offenen Yogastunden und ohne den Zustand der Übenden zu kennen. Z.B. forgeschrittene Pranayamas oder Übungen aus dem Kundalini Yoga (hier meine ich klassisches Kundalini Yoga und nicht Kundalini Yoga nach Yogi Bhajan). Yoga ist per se, eine Art Entgiftung und eine große Regeneration des Nervensystems. Wenn man schon ein Gift im Körper hat, nämlich Alkohol und in den Kopfstand oder Schulterstand geht oder ein stark entgiftendes Asana macht wie z.B. Pfau, wird der Körper mit mehr Giftverarbeitung überfordert. Beim Bluthochdruck oder noch nicht entdeckten Herzerkrankungen z.B. bei Menschen über 45, kann es zu üblen Folgen kommen. Oder der Körper kann in einen Entzündungszustand gebracht werden.

Vor ca 20 Jahren als ich in Goa war, traf ich ein Paar welches am nächsten Tag zu einer Yogaausbildung gehen wollte um Yogalehrer zu werden. Sie rauchten an dem Abend davor einen großen Joint, sozusagen als letzter Genuss vor einem Yoga Teacher Training. Ich war ehrlich gesagt geschockt und dachte, nein, zu diesen Yogalehrern würde ich nie gehen…Es kam so vor, als Yoga etwas Dogmatisches, Einschränkendes und Schlimmes ist, sowas wie eine Religion mit krassen Regeln, aber man ist halt gezwungen Yoga zu machen. Ich war damals selbst vielleicht etwas dogmatischer eingestellt, aber aus eigener Erfahrung. Alles was mir geschadet hat habe ich hinter mir gelassen und Yoga war eine Entscheidung, Yoga hat all diese Genüsse effektiv völlig überschritten. Yoga ist eine Entscheidung – deinem ganzen Wesen gut zu tun. Für die anderen Gutes zu tun. Wohl zu wollen. Es ist auch ein Schritt in ein Leben wo man keine Genussmittel mehr braucht, weil man wortwörtlich auch von der Prana angetrunken werden kann!

Heutzutage ist Bier beim Yoga wie eine Antwort auf dieses angebliches yogisches Dogma, eine Rebellion und Hype. Schwachsinniger geht es nicht, weil keiner zwingt jemanden Yoga zu machen und mit der Kombination vom Yoga und Alkohol ermuntert man womögolich Alkoholsucht und erniedrigt die positiven Wirkungen vom Yoga (die o.g. Ojas – spirituelle Kraft). Ich würde sogar sagen, man zeigt damit auch kein Respekt zum Yoga! Schade dass man dadurch den Genuss, welcher durch Yoga ohne Alkohol entstehen kann und welcher mit keinem anderen verglichen werden kann, mit Alkohol benebelt. Die spirituelle Kraft wird „nach unten gezogen“.

Ich kann verstehen dass manche vom Yoga abgeneigt werden wenn sie Fotos mit perfekten Yogis sehen, über yogische Disziplin und Regeln lesen. Viele kriegen eine Abneigung davon. Aber Alkohol beim Yoga ist keine Lösung um diese Abneigung zu überwinden. Das ist wie vor jeder Herausforderung ein Gläschen zu trinken um zu entspannen. Und gerade Yoga hat eine wunderbare Funktion die sich nach einiger Zeit Yogapraxis entpuppt: die Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen und die Stärke in sich selbst zu finden, nicht von den äußeren Hilfen abhängig zu bleiben oder zu werden.

Yoga und Alkohol/Drogen sind eine Beliebigkeit geworden. Fälschlicherweise glauben die Teilnehmer des Bieryogas oder Rageyogas dass dies ergänzend ist! „Rage“ oder auf Deutsch Wut rauszulassen hatten wir schon längst wunderbar mit der Löwenhaltung gemacht. Oder wer noch weiter in die Befreiung der Wut gehen wollte, konnte an den Osho Meditationen teilnehmen wo das viel gezielter und sinnvoller gemacht wurde. Also Wut beim Yoga rauszulassen ist nichts neues wie die junge Generation heute glauben mag.

Was also tun wenn man zu so einem Angebot wie „Yoga Retreat mit Weinproben“ oder „Yogakurs mit Bier“ kommt? Ich war auch dabei, meine Teilnehmerlnnen mit Yogaurlaub in Kroatien mit dalmatinischen oder istrischen Weinen „anzulocken“ und weil ich dachte „es schadet nicht“ bis ich zwei unschöne Erfahrungen hatte. Seitdem bleibe ich lieber bei kroatischen Olivenölen.

Was ist für dich wichtig – Yoga als Hype und Fitness oder Yoga als Transformation? Möchtest du deine Sinnen benebeln oder deine Intuition, Körper und Geist stärken? Wofür genau möchtest du dein Geld ausgeben, für Entertaintment oder für eine tiefgreifende Erfahrung?

Ich schlage vor, einen Yogaurlaub ohne Alkohol auszuprobieren und eine Woche Yogaurlaub mit Alkoholkonsum auszuprobieren und dann zu vergleichen. Aber vielleicht kann man auch nicht an die Schädlichkeit von der Yoga – Alkohol Kombination glauben, weil viele Menschen heutzutage ziemlich abgestumpft geworden sind und können nicht mehr unterscheiden.

Ich habe noch vor mehr als 25 Jahren festgestellt dass Yoga und Alkohol nicht zusammen gehen. Das war eine Zeit wo ich noch jedes Wochenende mit meinen Freunden ausging und regelmäßig Alkohol trank, was auch sehr lustig war und wie das so oft in den Studentenjahren ist, eine relativ normale Sache. In der gleichen Zeit habe ich mit dem Sonnengruß aus einem Yogabuch angefangen. Und an den Samstagen wo man sich traf um feiern zu gehen, wollte mein Körper und Geist kein Alkohol mehr, weil es mir nach dem Sonnengruß hervorragend ging und ich schon genug entspannt und glücklich war. Also ich rede auf jeden Fall nicht ohne Erfahrung.

Wenn man schon auf beides nicht verzichten möchte, versuche es nicht zusammen oder gleichzeitig zu tun, sondern dem Körper genug Zeit zur Regenration nach der „Vergiftung“ geben bevor man mit dem Yoga wieder anfängt. Oder, entscheide dich lieber nur für das Eine und beobachte was geschieht. Vergleiche. Mache deine eigene Erfahrungen. Natürlich kannst du machen was du willst.

Für viele ist eine Yogastunde mit Alkohol attraktiv geworden weil sie glauben es erleichtert ihnen den ersten Schritt oder den Zugang in die Yoga Welt. Es wird sympathisch dargestellt und man wird als ein „westlicher“ Mensch angenommen (es wird von ihm nicht erwartet, ein asketischer indischer Yogi zu werden). Meiner Meinung nach ist das der erste Schritt zur Ignoranz und das haben wir in heutiger Zeit genug. Wenn schon, würde ich den Begriff Bieryoga ins Yogabier umkehren. Der Schwerpunkt ist doch eher das Bier weil das ist es was die Teilnehmerlnnen zum Yoga „anlocken“ soll. Ziemlich clever, muss man zugeben, aber total verkehrt. Yoga unter Alkohol kann sich nicht entfalten. Leider!