Sport und Yoga – Unterschiede und Ergänzungen

Neulich hatte ich die Gelegenheit an der TU Sport in Berlin zu unterrichten. Ein Yogakurs wird hier unter Sportkurse geführt, was nur teilweise richtig ist, aber besser so als überhaupt nicht. Warum ist denn Yoga nicht als Sport anzusehen? Ich versuche diesen Artikel in Form von Fragen und Antworten zu schreiben.

Ist Yoga Sport?
Nein oder nur sehr wenig. Yoga beinhaltet sportliche Bewegungen des Körpers, jedoch ist ihr Ziel nicht eine bestimmte Leistung, Rekord, ein Sieg oder Muskeltraining.

Ist Sport Yoga?
Die Frage hört sich komisch an weil noch keiner auf die Idee kam, Sport zu den Yogakursen zuzufügen. Nein, Sport ist natürlich kein Yoga, obwhol, während bestimmten Arten von Sport meditative Zustände vorkommen können, z.B. beim Laufen, Schwimmen, Nordic Walking, Ski Laufen…

Wie wirkt Yoga auf den Körper?
Der Körper im Yoga wird nicht trainiert, sondern so angenommen wie er ist, nichts muss sich steigern, ändern oder formen. Im Yoga lernt man zuerst den eigenen Körper kennen. Die Veränderungen im Körper kommen von sich selbst (z.B. Körperhaltung, Leichtigkeit, Beweglichkeit). Beim Yoga kann es zum Schwitzen kommen, beim klassischen Yoga eher nicht. Die Energie wird verbraucht und manche Yogahaltungen sind herausfordernd, aber die Energie bleibt, bzw. wird aufbewahrt. Beim Yoga gibt es keinen oder selten einen Müdigkeitseffekt, man wird eher „energetisiert“ dank einer tiefen Endentspannung. Ausserdem wird das Hormonsystem ins Einklang gebracht, da durch bestimmte Haltungen die inneren Organe und Drüsen massiert werden. Im Yoga werden alle Körperteile vom Kopf bis Fuß und beide Körperseiten angesprochen.

Wir wirkt Sport auf den Körper?
Je nach dem was für ein Sport, der Körper wird trainiert, bestimmte Übungen müssen ausgeführt werden (100 Liegestütze, 5 km rennen usw.). Manchmal wird nur ein Körperteil besonders beansprucht: ein Arm beim Tennis, Beine bei den Fußballern, Fußgelenke bei Joggern. Bei den meisten Sportarten schwitzt der Körper vermehrt, es wird viel Energie verbraucht, man powert sich aus. Ein Zufriedenheitsgefühl ist oft vorhanden, aber auch die Müdigkeit.

Wie wirkt Yoga auf den Atem?
Im Yoga atmet man immer durch die Nase (ausser bei einigen besonderen Atemübungen). Dem Atem wird eine ganze Wissenschaft gewidmet – Pranayama. Der Atem im Yoga hat nicht nur etwas mit dem Sauerstoff zu tun und natürlichen Atemprozessen, im Yoga ist der Atem der direkte Link zur Lebensenergie; sie kann durch Atemübungen aufbewhart und vermehrt werden. Atem ist auch der direkte Link zum Geist.

Wir wirkt Sport auf den Atem?
Im Sport atmet man so wie es gebraucht wird, je nach Sportart und Ziel. Der Körper, Atem, Kreislauf werden manchmal an die Grenzen des Aushaltens gebracht. Über die Lebensenergie oder den eigenen Geist wird in den Sportmomenten nicht gedacht weil man auf ein Ziel konzentriert ist.

Wie wirkt Yoga auf den Geist?
Yoga ist eine Verbindung zwischen Körperhaltung, Atem und geistigen Prozessen. Man nimmt den Körper bewusst wahr, man führt bewusstes Atmen durch und man nimmt eventuell auch die Gedanken, Gefühle und Emotionen wahr. Das alles geschieht natürlich nicht ständig und nicht bei jeder Yogahaltung oder jeder Yogastunde gleichzeitig. Manchmal ist man einfach in einem meditativen Zustand oder auch nicht. Beim Yoga geht man mehr „nach innen“, lernt sich selbst kennen.

Wie wirkt Sport auf den Geist?
Je nach dem um welchen Sport es geht, bei Mannschaftsspielen ist eine Strategie wichtig, ein Plan, etwas was ausgeführt werden muss um das Ziel zu erreichen. Hier ist die Konzentration angesagt, Schnelligkeit, Team Fähigkeit. Also hier geht es mehr „nach Außen“, um eine bestimmte Leistung zu erreichen. Für manche Menschen, die viel denken und sehr angespannt sind, kann deswegen Sport eine bessere Ablenkung als Yoga sein, weil durch Yoga man oft mit sich selbst konfrontiert wird.

Ist Yoga ein Wettbewerb?
Ein klares „nein“. Wenn Yoga ein Wettbewerb wäre, dann ist es kein Yoga, dann ist es vielleicht Akrobatik  – z.B. wer kann eine schwere Yogahaltung besser ausführen oder Wer kann diese oder jene Yogahaltung überhaupt ausführen? Im Yoga wird das eigene Tempo gesucht und darf gerne ausgeübt werden. Fortschritte werden individuell und nicht im Vergleich mit anderen gemacht.

Ist Sport ein Wettbewerb?
Eher ja. Mitmachen ist, klar, das Hauptmotiv, aber besser, schneller, intelligenter als der andere um zu siegen, ist einfach noch toller. Bei vielen Sportarten ist das die wichtigste Motivation.

Macht es Sinn Yoga mit Sport zu ergänzen?
Wer mehr Bewegung und Energieverbrauch mag, ja, warum nicht? Manchmal vermissen manche beim Yoga die Dynamik des Sports, mehr Körperbetätigung, mehr Schwitzen. Aber genau das ist der Unterschied zum Sport, Yoga ist im Grunde eine spirituelle Praxis und Körperbewegungen werden mit einer anderen Achtsamkeit ausgeführt. Manche Menschen bevorzugen Sport weil sie sich so besser ablenken können und über bestimmte Sachen kurzzeitig nicht nachdenken müssen. Das ist auch manchmal der Grund warum Menschen die in heutiger Leistungsgesellschaft nicht abschalten können, auch im Yoga eine sportliche Betätigung suchen und enttäuscht werden, weil Yoga dies nicht ist.

Macht es Sinn Sport mit Yoga zu ergänzen?
Sehr. Es ist nicht unüblich dass heutzutage viele Sportler*nnen zum Yoga greifen. Yoga bringt den Ausgleich in den Körper und Geist, dehnt und entgiftet sanfter als Sport. Sport ist schön und bringt Freude. Yoga ist ganzheitlicher und bringt Freude oft ohne einen bestimmten Grund. Da die Bewegungen achtsamer und langsamer ausgeführt werden, wirkt Yoga auch tiefer und eventuelle Schaden die durch Sport entstanden sind, können mit Yoga besänftigt werden. Der gesamte Körper wird geschmeidiger. Nicht umsonst machte die deutsche Fußballmannschaft auch Yoga.

Advertisements