Yoga Retreats 2008-2018, ein Rückblick zum Jahresende

Wenn ich auf die vergangenen Jahre zurückblicke, denke ich: „Hey das war gar nicht mal so schlecht!“ und bin unheimlich stolz auf mich. Vielleicht hört sich das etwas überheblich an, aber ich bin aus diesen Gründen stolz:

1. trotz einer geringer Anzahl der jährlichen Retreats, habe ich damit nicht aufgehört

2. auch wenn mir ein Retreat kein finanzielles Vermögen gebracht hat, blieb ich dabei, weil es mir Spaß machte

3. es hat mein fast verlorenes Vertrauen in Menschen, Natur, Universum und mich selbst gestärkt

4. es hat mir gezeigt, dass wenn Dinge aus dem Herzen geplant werden, auch tatsächlich stattfinden!

Und so fing es an:

2008

In diesem Jahr wurde die Idee von Yoga Retreats in Kroatien geboren, sowie meine freiberufliche Yoga Arbeit unter dem Namen „Der kleine Tempel“. Da im Jahr 2008 Werbemöglichkeiten eher beschränkt waren und Social Media noch nicht in diesem Maße wie heute entwickelt war, kam zum Retreat nur eine Person! Eine aber feine. Wir machten Yoga in Lovran, am frühen Morgen, mit dem Ausblick zur Kvarner Bucht.

Lovrangradskoamfruehenmorgen

Lovran Strand beim Sonnenaufgang

2009

Ich entdeckte das Yoga Retreat „Suncokret“ welcher schon damals ein der ersten Retreats in Kroatien und Europa war, als ein fester Ort für alle Yogainteressierte, auf der Insel Hvar. Ich weiss nicht woher ich den Mut gesammelt habe, dort ein Kirtan Retreat anzubieten. Wer noch nicht weiss, Kirtan ist eine besondere Art des Mantrasingens, oft mit Instrumenten begleitet. Der „Kirtanleader“ singt die erste Strofe und die Gruppe wiederholt dann diese Strofe. Und so geht es weiter, bis man fast in eine Art Trance fällt oder zumindest in eine Art der Glückseeligkeit.

Es ist schon mehrfach nachgewiesen dass Singen allgemein heilsam ist oder sein kann. Wie unterscheidet sich dann das Mantrasingen vom Singen allgemein?

Melodie und Töne können verschiedene Veränderungen im Gehirn aufweisen, positive wie negative, guttuende oder nicht-so-gut-tuende. Es ist schon ein Unterschied wenn man schöne und unterstützende Worte hört und aufnimmt oder zerstörerische.

Die alten Rishis waren die Weisen, die „Seher“ und die „Wissenden“. Wie das oft in der Religion oder Spiritualität ist, die heiligen Texte werden manchen Menschen einfach – offenbart. Nicht umsonst heisst Sanskrit Devanagari Sprache oder die Sprache der Götter. Damit meinten sie nicht (wie oft in anderen Religionen vorhanden) bestimmte Regeln, sondern die Eigenschaften jeder Silbe! Die Silben verbinden sich nach bestimmten Regeln und verursachen bestimmte Wirkungen. Wörter verbinden sich in Hymnen und Aufrufe (die man noch heutzutage auf Ganges bei Ritualen hören kann). Jedenfalls wussten die Rishis von der Wirkung des Klangs aufs Gehirn und nicht nur das, sie wussten das der Klang eine Schwingung ist, welche auf die Materie wirken kann.

Ein Klang, wenn richtig eingesetzt, kann etwas verändern, „in Tune“ bringen. So bringen wir uns mit richtig gesungenen und eingesetzten Mantren auch „in Tune mit dem Universum“.

Kirtan ist auch eine Art Reinigung. Es werden (oft unnötige) Gedanken, Bilder, Muster und Samskaras (Eindrücke die in der Unterbewusstseins-Festplatte gespeichert wurden) „gereinigt“, wie wir sonst z.B. unsere Computer reinigen. Jedoch es muss unterschieden werden: ob man damit etwas nur unterdrückt hat oder etwas richtig gelöscht, bzw. besser gesagt, transformiert hat.

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Kirtan Workshop 2009, Photoquelle: Suncokret Body and Soul Retreat, Insel Hvar

 

2010

Im Jahr 2010 waren Yoga Retreats etwas populärer geworden, so bekam ich ein Paar mehrere Interessentlnnen für mein Yoga Retreat in Lovran und ich bot wieder ein Yoga Retreat im „Suncokret“ auf der Insel Hvar an. Diesmal ging es um die „Wirkung der Asanas auf körperlichen und geistigen Ebene“. Hier kam mir intuitiv das Bedürfnis, Asanas in einem Kreis auszuführen und ich merkte, dass die energetische Wirkung dann anders ist. Menschen spüren dadurch stärker, dass sie ein Teil des Ganzes sind und dass man nicht immer auf sich alleine angewiesen ist, sondern dass man durch die Beziehungen und Zusammenhalt viel lernen und viel bewegen kann. Es war für mich selbst eine wunderbare lehrreiche Erfahrung.

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Photoquelle: Suncokret, Body and Soul Retreat, Insel Hvar 2010

 

2011

In meinem letzten Schwangerschaftstrimester mache ich noch Yoga am Strand in Lovran mit netten österreichischen Teilnehmerinnen 🙂

YogaLovran2011meditation2Yoga und Meditation in Lovran, 2011

 

2012 und 2013

Da ich selbst zum zweiten Mal frisch gewordene Mama wurde, biete ich in den zwei folgenden Sommer Retreats für Familien an, wieder in meiner Heimat, der Kvarner Bucht. Yoga mit Kindern und Eltern kann in einer Familie systemisch auch viel verändern!

 

2014

Ein Retreat in Crikvenica, mit Yoga Nidra geführt von Yogalehrerin und Architektin Nives, wunderbare Ausflüge nach Insel Krk und wie immer, das tolle vegetarisch-veganes Essen nach Fünf-Elemente-Küche. Und ja, ein Lavendelflechten Workshop war auch dabei.

Yoga Retreat mit Chakra Workshop und Yoga Nidra, Crikvenica 2014

 

2015

Einer der unvergesslichen Retreats war sicherlich Yoga und Zhineng Qi Gong Retreat mit Anita Ilicic in Brsec, wieder in meiner Heimat Kvarner Bucht. Das Haus mit einem fantastischen Ausblick, von einem der bekanntesten kroatischen Künstlern – De Karina – wird sich für immer in unsere Erinnerungen einprägen: schlafen unter den Sternen, die Sonnenaufgänge, der Ausflug nach Rovinj und viele andere, unbezahlbare Momente…

Yoga und Zhineng Qi Gong, Brsec 2015

2016

Ein Yoga und Zen Meditation Retreat mit Benjamin Rakidzija und Yoga und Zhineng Qi Gong Retreat, wieder mit Anita Ilicic, diesmal auf der anderen Seite des Ucka Gebirge, oberhalb von Lovran. Viel Wandern, Ausflug nach Beli auf der Insel Cres, ruhige Nächte weit weg vom touristischen Trubel, Wandern im Ucka Gebirge…

Yoga, Zen Meditation, Qi Gong und Wandern im Ucka Gebirge

2017

Im Jahr 2017 entscheide ich mich wieder für Dalmatien und diesmal eine andere Insel – Korcula. Ich entdecke die wunderbaren Leuchttürme Kroatiens und biete ein Yoga Retreat auf einer Leuchtturm-Insel und in Lumbarda auf der südöstlichen Seite der Korcula Insel. Die Besonderheit des Retreats auf der Leuchtturm Insel ist, dass die ganze Insel während der Woche der Yogagruppe „gehört“ und das ist ein Retreat oder der Rückzug vom Alltag oder Zivilisation, im wahrsten Sinne des Wortes!

Yoga und Self Inquiery Meditationen, 2017

2018

Wiederholung des Vorjahres: Leuchtturm Insel mit Self Inquiery Meditationen und Lumbarda mit Mudra Workshop geleitet von Tomislav Madjar, Wiederentdeckung des Partneryogas und Asanas im Kreis. Und eine Neuentdeckung: Insel Susak, mit Yoga im Weinbaufeld!

Insel Susak mit exotischen Sandstränden und fantastischen Wandernwegen
Plocica und Lumbarda Retreat 2018

 

Wie es im 2019 aussehen wird, weiss ich noch nicht. Ich plane oft spontan und es muss mit meinem inneren Gefühl resonieren. Ich vermute, ich bleibe wieder in der Kvarner Bucht, aber es zieht mich auch zu meiner zweiten dalmatinischen Heimat Novigrad in der Nähe von Zadar an.

Jedenfalls wünsche ich euch ein tolles neues Jahr! Vielleicht sehen wir uns in Kroatien!

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Wer kommt zum Yogaurlaub? Ein Interview mit Ottilia

Da ohne Yogaurlaub Teilnehmer*innen meine Retreats nicht stattfinden könnten, habe ich mich gefragt, wer sind diese Menschen, warum sie Yoga machen und was sind ihre Träume und Ziele. Eine Teilnehmerin war schon drei Mal an drei verschiedenen Orten beim Yogaurlaub in Kroatien und ich konnte es nicht aushalten, ihr ein Paar Fragen zu stellen und mehr über sie zu erfahren. Das ist Ottilia Nauser, Studentin der angewandten Psychologie, Akkordeonspielerin und eine umweltbewusste junge Frau. Menschen sind oft verborgene Schätze!

Ottilia, wie bist du zum Yoga gekommen?
– Meine nicht ganz einfache Zeit, als ich noch zuhause bei meinem Vater oder meiner Mutter wohnte, haben mich geprägt, neben dem Yang-haltigen Volleyballtraining mehrmals die Woche und später, durch verschiedene Wohnungs- und Ortswechsel, suchte ich nach einem Ort, an welchem ich einfach «sein» durfte, ankommen und auftanken konnte. Und schon früh habe ich nach irgendetwas gesucht, aber ich wusste nicht was. Da war immer dieses Gefühl: «Da gibt es noch irgendetwas». Vom Power-Yoga via klassiches Hatha- und Acro Yoga fand ich nun zum Jivamukti, sowie zum Yoga Nidra und Yin Yoga.
Heute finde ich im Jivamukti Yoga, Yoga Nidra und Yin Yoga wieder zu mir zurück, kann
ankommen, sein, mich oder es akzeptieren, wie es gerade ist, mich beruhigen und
auftanken: Sei dies nach einem anstrengenden Arbeitstag, einem aufwirbelnden Ereignis, wenn mein Nervensystem Sprünge macht oder auch einfach, wenn ich glücklich bin und eine schöne, entspannende Yogastunde in Gemeinschaft erleben möchte.

Was bedeutet Yoga für dich?
– Yoga bedeutet für mich ankommen, achtsam sein, mich sein, in mich hineinhören,
auftanken, über mich hinauswachsen, aber auch in Gemeinschaft praktizieren, verbunden sein (mit etwas Grösserem, Ganzen) und glücklich sein.
Oder wie bei uns im Daya Yoga in Bern jeweils das Mantra in Sanskrit gesungen wird:
«Lokah Samastah Sukhino Bhavantu»
Mögen alle auf dieser Welt verbunden sein, in Harmonie sein und Glück erfahren.

Was machst du, wenn du kein Yoga machst?
– Durch Flohmärkte schlendern, Kleidertauch-Anlässe besuchen, wandern, zeichnen, Kerzen anzünden, kochen, im Herbst durch Wälder spazieren, Akkordeon spielen, …
Zurzeit arbeite und studiere ich Teilzeit (Angewandte Psychologie). Ich befasse mich gerade mit meiner Bachelorarbeit (Belastungen von LKW-Chauffeuren in einem grösseren Getränke-Unternehmen), habe gerade meinen Sachbearbeiter-Job an den Nagel gehängt und starte im Jahr 2019 mit einem Teilzeit-Hochschulpraktikum in der
Organisationsentwicklung.

Während unserem Retreat hast du oft vom Girotti gesprochen. Wer ist Girotti?
– Girottis sind Giraffen, welche durch mich (Ottilia) entstehen! Zu Beginn war es eine Giraffe, nun sind es mehrere oder auch andere Sujets, welche ich mit schwarzen Finelinern mit verschiedenen Mustern zeichne. Begonnen habe ich damit, als ich 2014 nach Bern zog. Eigentlich hatte ich einfach einen
Rahmen zuhause, der ca. 20x50cm misst und ich wollte ein Bild für meine Wohnung
zeichnen.

OTTILIAGIROTTI

Girotti 2

Girotti – Giraffenzeichnungen von Ottilia

Das sind klasse Zeichungen! Ich werde dich sicherlich für ein Paar Yogazeichungen für meine zukunftige Yogaschule beauftragen 🙂 Und was könntest du aus deiner Yoga und Kunst Erfahrung sagen – unterstützt Yoga die Kreativität?

– Ja, absolut! Nicht nur verschiedene Studien berichten diesen Effekt (ja, hier kommt die
Studierende hervor), auch ich bin fest davon überzeugt und spüre, dass Yoga die Kreativität fördert.
In einer Studie von Kumar und Pandya (2012) steht: “Yoga Nidra awakens the inherent
creativity and promotes the learning and memory abilities of the practitioner” und “Yoga Nidra positively decrease the stress level […] and influences anxiety level significantly”.

Du spielst Akkordeon, wie ist es dazu gekommen?
– Ja, ich habe ca. acht Jahre lang Akkordeonunterricht genossen und spiele jetzt einfach noch ab und zu für mich. Mir haben es vor allem Klezmer und französische Chansons angetan.
Nach dem Studium möchte ich mich gerne wieder vermehrt damit beschäftigten.
Wieso spiele ich Akkordeon? Es gab einen Tag der offenen Tür an der Musikschule gleich
um die Ecke, dort wo ich aufgewachsen bin. Ich durfte da einige Instrumente ausprobieren.
Ich blieb bei der Klarinette und beim Akkordeon hängen. Zuvor habe ich zwei Jahre
Blockflöte gespielt. Weshalb ich mich dann tatsächlich für Akkordeon entschied, kann ich mich nicht mehr erinnern. Ich habe sogar in einem Jugendchor gesungen. Diesen Sommer (2018) habe ich das nochmals ausprobiert und an einem dreimonatigen Chorprojekt zum Thema Abba teilgenommen. Das machte Spass!

Du hast schon drei Mal an meinen Retreats teilgenommen. Was hat dich am meisten angesprochen? Und wenn du die drei Retreats vergleichen müsstest, welcher war dein Favorit und warum?
– Früh am Morgen mit dem Sonnenaufgang und Yoga achtsam in den Tag zu starten, das ist ein Erlebnis, so wie anschliessend mit der Gruppe gemeinsam zu frühstücken.
Hier zusammengefasst die Retreats, welche ich besucht habe:

1. Yogaurlaub in Lovran (Erste Erfahrung mit Yogaurlaub überhaupt, ich fühlte mich nach dieser Woche wie neugeboren und ganz bei mir, jedoch es war kein „übliches“ Retreat ausser gemeinsames Yoga am Morgen, es war ziemlich heiss und die Unterkunft im Hostel war nicht die beste Idee)

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Ottilia in Chakrasana – Yogaurlaub in Lovran

2. Unglaubliche Erfahrung auf der Leuchtturminsel! Einmalige Aussicht am Morgen,
Kaninchen (!) auf der Insel, wundervolle Menschen, Delfine haben wir am Schluss
auch noch gesichtet, schwimmen, sonst natürlich wenig Bewegungsmöglichkeiten da die Insel sehr klein ist, aber trotzdem – das ist mein Lieblingsretreat!

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Yoga Retreat auf der Leuchtturm Insel Plocica

3. Lumbarda auf der Insel Korcula – wunderbares Haus und Zugang zum Strand! Jeder konnte seinen Platz finden und wenn man nicht mit der Gruppe die Zeit verbringen wollte, konnte man sich zurückziehen oder die Umgebung von Lumbarda erkunden. Lumbarda verfügt über zwei wunderbare Sandstrände, leichte Wanderwege und viele kleine Insel die man ebenfalls besuchen kann.

Was möchtest du weiter in deinem Leben machen?
Wohin mich meinen Weg noch führen wird, auf das bin ich selber gespannt. Ich möchte mehr im Moment leben und diesen bewusst geniessen.
Ich kann mir gut vorstellen, dass ich nächstes Jahr, nach Abschluss meines
Bachelorstudiums in angewandter Psychologie, zuerst einmal noch etwas mehr
Berufserfahrung sammle in der Gesundheitsförderung, dem betrieblichen
Gesundheitsförderung oder in der Organisationsentwicklung. Am liebsten würde ich 60% arbeiten und nebenbei meinen persönlichen Projekten nachgehen (Garten
bepflanzen, Girotti-Projekte, Kleidertausch organisieren, Nachbarschaftshilfe, wieder
Kaninchen als Haustiere halten). Und wer weiss, vielleicht werde ich auch noch Schuhmacherin oder mache eine Ausbildung zur Craniosacral-Therapeutin oder Yoga Nidra-Lehrerin oder ich arbeite mal auf einer Kaninchenfarm…
Gerne möchte ich auch noch reisen und an einigen Yoga-Retreats teilnehmen (zum Beispiel auch an einem Yoga-Akkordeon-Retreat! 🙂 Vielleicht läuft mir auch bald mein Traummann in die Arme und wir gründen eine Familie. Das wäre auch sehr schön.

Danke, Ottilia, für deine Zeit und viel Glück!

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