Wer kommt zum Yogaurlaub? Ein Interview mit Ottilia

Da ohne Yogaurlaub Teilnehmer*innen meine Retreats nicht stattfinden könnten, habe ich mich gefragt, wer sind diese Menschen, warum sie Yoga machen und was sind ihre Träume und Ziele. Eine Teilnehmerin war schon drei Mal an drei verschiedenen Orten beim Yogaurlaub in Kroatien und ich konnte es nicht aushalten, ihr ein Paar Fragen zu stellen und mehr über sie zu erfahren. Das ist Ottilia Nauser, Studentin der angewandten Psychologie, Akkordeonspielerin und eine umweltbewusste junge Frau. Manche Menschen sind echt verborgene Schätze!

Ottilia, wie bist du zum Yoga gekommen?
Meine nicht ganz einfache Zeit, als ich noch zuhause bei meinem Vater oder meiner Mutter wohnte, haben mich geprägt, neben dem Yang-haltigen Volleyballtraining mehrmals die Woche und später, durch verschiedene Wohnungs- und Ortswechsel, suchte ich nach einem Ort, an welchem ich einfach «sein» durfte, ankommen und auftanken konnte. Und schon früh habe ich nach irgendetwas gesucht, aber ich wusste nicht was. Da war immer dieses Gefühl: «Da gibt es noch irgendetwas». Vom Power-Yoga via klassiches Hatha- und Acro Yoga fand ich nun zum Jivamukti, sowie zum Yoga Nidra und Yin Yoga.
Heute finde ich im Jivamukti Yoga, Yoga Nidra und Yin Yoga wieder zu mir zurück, kann
ankommen, sein, mich oder es akzeptieren, wie es gerade ist, mich beruhigen und
auftanken: Sei dies nach einem anstrengenden Arbeitstag, einem aufwirbelnden Ereignis, wenn mein Nervensystem Sprünge macht oder auch einfach, wenn ich glücklich bin und eine schöne, entspannende Yogastunde in Gemeinschaft erleben möchte.

Was bedeutet Yoga für dich?
Yoga bedeutet für mich ankommen, achtsam sein, mich sein, in mich hineinhören,
auftanken, über mich hinauswachsen, aber auch in Gemeinschaft praktizieren, verbunden sein (mit etwas Grösserem, Ganzen) und glücklich sein.
Oder wie bei uns im Daya Yoga in Bern jeweils das Mantra in Sanskrit gesungen wird:
«Lokah Samastah Sukhino Bhavantu»
Mögen alle auf dieser Welt verbunden sein, in Harmonie sein und Glück erfahren.

Was machst du, wenn du kein Yoga machst?
Durch Flohmärkte schlendern, Kleidertauch-Anlässe besuchen, wandern, zeichnen, Kerzen anzünden, kochen, im Herbst durch Wälder spazieren, Akkordeon spielen, …
Zurzeit arbeite und studiere ich Teilzeit (Angewandte Psychologie). Ich befasse mich gerade mit meiner Bachelorarbeit (Belastungen von LKW-Chauffeuren in einem grösseren Getränke-Unternehmen), habe gerade meinen Sachbearbeiter-Job an den Nagel gehängt und starte im Jahr 2019 mit einem Teilzeit-Hochschulpraktikum in der
Organisationsentwicklung.

Während unserem Retreat hast du oft vom Girotti gesprochen. Wer ist Girotti?
Girottis sind Giraffen, welche durch mich (Ottilia) entstehen! Zu Beginn war es eine Giraffe, nun sind es mehrere oder auch andere Sujets, welche ich mit schwarzen Finelinern mit verschiedenen Mustern zeichne. Begonnen habe ich damit, als ich 2014 nach Bern zog. Eigentlich hatte ich einfach einen
Rahmen zuhause, der ca. 20x50cm misst und ich wollte ein Bild für meine Wohnung
zeichnen.

OTTILIAGIROTTI

Girotti 2

Girotti – Giraffenzeichnungen von Ottilia

Das sind klasse Zeichungen! Ich werde dich sicherlich für ein Paar Yogazeichungen für meine zukunftige Yogaschule beauftragen 🙂 Und was könntest du aus deiner Yoga und Kunst Erfahrung sagen – unterstützt Yoga die Kreativität?

Ja, absolut! Nicht nur verschiedene Studien berichten diesen Effekt (ja, hier kommt die
Studierende hervor), auch ich bin fest davon überzeugt und spüre, dass Yoga die Kreativität fördert.
In einer Studie von Kumar und Pandya (2012) steht: “Yoga Nidra awakens the inherent
creativity and promotes the learning and memory abilities of the practitioner” und “Yoga Nidra positively decrease the stress level […] and influences anxiety level significantly”.

Du spielst Akkordeon, wie ist es dazu gekommen?
Ja, ich habe ca. acht Jahre lang Akkordeonunterricht genossen und spiele jetzt einfach noch ab und zu für mich. Mir haben es vor allem Klezmer und französische Chansons angetan.
Nach dem Studium möchte ich mich gerne wieder vermehrt damit beschäftigten.
Wieso spiele ich Akkordeon? Es gab einen Tag der offenen Tür an der Musikschule gleich
um die Ecke, dort wo ich aufgewachsen bin. Ich durfte da einige Instrumente ausprobieren.
Ich blieb bei der Klarinette und beim Akkordeon hängen. Zuvor habe ich zwei Jahre
Blockflöte gespielt. Weshalb ich mich dann tatsächlich für Akkordeon entschied, kann ich mich nicht mehr erinnern. Ich habe sogar in einem Jugendchor gesungen. Diesen Sommer (2018) habe ich das nochmals ausprobiert und an einem dreimonatigen Chorprojekt zum Thema Abba teilgenommen. Das machte Spass!

Du hast schon drei Mal an meinen Retreats teilgenommen. Was hat dich am meisten angesprochen? Und wenn du die drei Retreats vergleichen müsstest, welcher war dein Favorit und warum?
Früh am Morgen mit dem Sonnenaufgang und Yoga achtsam in den Tag zu starten, das ist ein Erlebnis, so wie anschliessend mit der Gruppe gemeinsam zu frühstücken.
Hier zusammengefasst die Retreats, welche ich besucht habe:

1. Yogaurlaub in Lovran (Erste Erfahrung mit Yogaurlaub überhaupt, ich fühlte mich nach dieser Woche wie neugeboren und ganz bei mir, jedoch es war kein „übliches“ Retreat ausser gemeinsames Yoga am Morgen, es war ziemlich heiss und die Unterkunft im Hostel war nicht die beste Idee)

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Ottilia in Chakrasana – Yogaurlaub in Lovran

2. Unglaubliche Erfahrung auf der Leuchtturminsel! Einmalige Aussicht am Morgen,
Kaninchen (!) auf der Insel, wundervolle Menschen, Delfine haben wir am Schluss
auch noch gesichtet, schwimmen, sonst natürlich wenig Bewegungsmöglichkeiten da die Insel sehr klein ist, aber trotzdem – das ist mein Lieblingsretreat!

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Yoga Retreat auf der Leuchtturm Insel Plocica

3. Lumbarda auf der Insel Korcula – wunderbares Haus und Zugang zum Strand! Jeder konnte seinen Platz finden und wenn man nicht mit der Gruppe die Zeit verbringen wollte, konnte man sich zurückziehen oder die Umgebung von Lumbarda erkunden. Lumbarda verfügt über zwei wunderbare Sandstrände, leichte Wanderwege und viele kleine Insel die man ebenfalls besuchen kann.

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Ottilia beim Bootsausflug nach Insel Badija, Lumbarda Yoga Retreat

Was möchtest du weiter in deinem Leben machen?
Wohin mich meinen Weg noch führen wird, auf das bin ich selber gespannt. Ich möchte mehr im Moment leben und diesen bewusst geniessen.
Ich kann mir gut vorstellen, dass ich nächstes Jahr, nach Abschluss meines
Bachelorstudiums in angewandter Psychologie, zuerst einmal noch etwas mehr
Berufserfahrung sammle in der Gesundheitsförderung, dem betrieblichen
Gesundheitsförderung oder in der Organisationsentwicklung. Am liebsten würde ich 60% arbeiten und nebenbei meinen persönlichen Projekten nachgehen (Garten
bepflanzen, Girotti-Projekte, Kleidertausch organisieren, Nachbarschaftshilfe, wieder
Kaninchen als Haustiere halten). Und wer weiss, vielleicht werde ich auch noch Schuhmacherin oder mache eine Ausbildung zur Craniosacral-Therapeutin oder Yoga Nidra-Lehrerin oder ich arbeite mal auf einer Kaninchenfarm…
Gerne möchte ich auch noch reisen und an einigen Yoga-Retreats teilnehmen (zum Beispiel auch an einem Yoga-Akkordeon-Retreat! 🙂 Vielleicht läuft mir auch bald mein Traummann in die Arme und wir gründen eine Familie. Das wäre auch sehr schön.

Danke, Ottilia, für deine Zeit und viel Glück!

Und wer mehr über Girotti erfahren möchte oder ein besonderes Bild als Deko fürs Haus, Wohnung, Praxis oder Büro möchte, hier bitte anklicken.

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