Yoga, Liebe und Mitgefühl

Ich weiß noch immer nicht so ganz was Liebe ist. Aber ich habe gemerkt dass im Yoga oft etwas Herziges, Liebevolles fehlt. Dazu bin ich komischerweise über Aikido gekommen. Über die Philosophie von Aikido. Ein Satz von dem Gründer des modernen Aikidos O-Sensei Usheiba hat mich besonders begeistert: „Wenn du angegriffen wirst, schließe deinen Gegner ins Herz“ oder „Gewalt mit Gegengewalt zu begegnen ist immer destruktiv: Der Weg der Harmonie besteht darin, sich und andere von Hass freizumachen.“ Diese Philosophie korreliert mit der Philosophie des Ahimsa oder Gewaltlosigkeit.

Liebe im Yoga treffen wir natürlich auch, in Form von Bhakti. Bhakti ist das Gegenpol zum Yoga des Wissens, geistigen Weg des Yoga, s.g. Jnana Yoga. Oder Emotion gegen Intellekt. Und gerade das Intellektuelle ist überall vorhanden, aber das Emotionale, das Liebevolle seltener (oder es kommt nur mir so vor?).

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Liebe ist ein lebenslanges Üben, die härteste Disziplin.
Es ist schwer auf die Gewalt nicht gewaltlos zu reagieren (das gilt natürlich nicht für die Selbstverteidigung oder Verteidigung hilfloser Menschen und Tiere). Ich rede hier nicht von der körperlichen Gewalt, sondern eher von der Gewalt in Form von Gedanken und Gefühlen, wie Hass zum Beispiel.

Diese Gewalt die erstmal im Inneren stattfindet, kann sich in verschiedenen Formen auch gegen sich selbst richten. Es gibt verschiedene s.g. „Gifte für die Seele“ und jeder hat sie mehr oder weniger schon erlebt. Ich weiß nicht ob es gut oder schlecht ist, dass man sie verstecken kann und oft so tut. So kann man nach außen als ein mehr oder weniger ausgeglichener Mensch vorkommen, aber im Inneren brodelt es. Vielleicht liegt es auch an dem Begriff und Deutung dieser Begriffe. Schon die Bezeichnung „Gift“, wobei es vielleicht mehr um Signale oder Botschaften geht, die in uns auftauchen um uns wieder zu unserem Selbst zurückzubringen.

Wo und wann haben wir uns selbst alleine gelassen?


Der erste Schritt zur Gewaltlosigkeit ist den eigenen gewalttätigen Impulsen bewußt zu werden. Im Aikido geht es zum Beispiel nicht nur um „den Feind“ und seinen Angriff, sondern wie mit der eigenen Gewaltbereitschaft umzugehen. Der „Feind“ wird schon geistig „besiegt“ indem man ihm seine Intention als unnötig vor die Augen führt. So habe ich es zumindest verstanden.

Und wie kann man im Yoga mehr Liebe einbringen? Wir beginnen immer mit uns selbst. Wir fangen an, unseren Körper zu lieben, zu schätzen was wir im Leben haben und das Leben zu zelebrieren. Wir schauen natürlich auch was in unserem Geist ist, wie ist die Atmosphäre der Gedanken?
Wo und wann habe ich mich selbst nicht gut behandelt?
Mich selbst nicht geliebt?

Da wir aber schon seit der Geburt traumatisierter sind als wir denken, bedarf es eine große, umfangreiche Arbeit an uns selbst, eine oft endlose Arbeit. Vielleicht werden wir nicht alles lösen können, das müssen wir auch nicht, aber einfach bewusster, achtsamer werden.
Fehler, kleinere oder größere Unachtsamkeiten werden wir nicht immer vermeiden können und manchmal scheint es nur so dass es um Fehler oder Unachtsamkeit geht. Vielleicht kommt es nur so vor in unserem individuellen Bild der Geschehnisse, aber im gesamten Bild, Bild des Ganzes, hat es wahrscheinlich eine ganz andere Bedeutung.

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Gerade in der Konfrontation mit Anderen werden die Früchte dieser inneren Arbeit sichtbar – manchmal erkennen wir, dass wir doch nicht so weit gekommen sind wie wir dachten.

Manchmal reichen auch 20 Jahre Yoga oder Meditation nicht um mit einer Situation oder Gefühlen umzugehen. Das Kind nervt uns, der Partner, die Eltern, ein unbekannter Passant oder unfreundliche Kassiererin.

Was würde passieren, wenn wir all diese angebliche Feinde in unseres Herz schließen?
Haben wir die eigene Aggression in den natürlichen Zustand der Liebe „konvertiert“? Können wir das überhaupt und wie?

Ich glaube ja, mit viel „guter Nahrung“ für uns selbst. Wenn es einem selbst schlecht geht, dann hat man auch nicht so großes Verständnis für die Anderen. Aggressivität, die besonders im Jahr 2020 auffälliger geworden ist, nährt sich von der Aggressivität aller. Wenn ich mich selbst aber mit der Nahrung fülle, die mir gut tut und das ist Yoga, Meditation, Tanz und alles andere was mir Spaß macht, dann stärke ich mich selbst und bin bereiter, liebevoller zu sein. Es ist für mich selbst als Yogalehrende eine große Unterstützung in heutiger Zeit.

3 Kommentare Gib deinen ab

  1. Madeleine sagt:

    Danke für diesen tollen Beitrag.

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  2. yogiartak sagt:

    Ein sehr wichtiger Beitrag ❣️

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  3. muktananda13 sagt:

    Manchmal ist das Höchste in einer Situation nicht zu reagieren, doch manchmal ist die Spontaneität.
    Wahre Liebe und wahre Weisheit kennen kein Rezept.

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