Kali

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Die zehn Mahavidyas (oder die zehn Formen des Wissens)

Für jemanden der sich mit der tantrischen Philosophie und Praxis nicht viel beschäftigt, kommt das Bild der Kali, wie sie sonst dargestellt wird, mit viel Blut, Totenköpfen und auf einem Mann (Shiva) tanzend, als eine zerstörerische, gewalttätige Kraft. Es ist wohl auch klar dass Christen in so einem Bild den Teufel sehen können.

Über die Einflüsse, wann und wie genau bestimmte Vorstellungen und Konzepte entstanden sind, lässt es sich viel diskutieren. Wenn man sich aber auf Kali und Tantra einlässt, entfaltet sich ein neues Verständnis. Irgendwann werden Bilder nicht mehr wichtig; alle Darstellungen, Symbole, Gegenstände und Rituale sind da um einen Bezug und Verbindung vielleicht zu erleichtern, aber irgendwann können sie weggelassen werden.

Bei der Vorstellung und Darstellung der zehn Mahavidyas geht es um die verschiedenen Energien und Kräfte, um den Versuch sie darzustellen und je nach dem wie wir selbst dafür offen stehen, so viel können wir auch empfangen, verstehen. Wenn es keine Herzensoffenheit gibt, sowie Bereitschaft „mit dem Herzen“ zu lernen (Stichwort: emotionale Intelligenz), dann wird es auch sehr schwer Mahavidyas zu verstehen. Mit dem Verstand geht das wirklich nicht.

Mein erster Encounter mit Kali war bei meiner Yogaausbildung. Der Leiter des Zentrums erteilte Meditationsmantren. Da gab es ein kurzes individuelles Gespräch und er befragte uns was spricht uns so im Leben an, zu welchen Gottheiten wir eine Anziehungskraft verspüren usw. Ich antwortete dass ich Kali interessant finde, worauf er mir nicht empfehlen wollte, eine Kali Mantra in der Meditation zu benutzen. Vielleicht hatte er Recht, vielleicht aber auch nicht. Vielleicht kam ich zu mild vor.. Vielleicht hatte der Ausbildungsleiter keine Ahnung, genauso wie ich.

Meine zweite Begegnug mit Kali war durch Yogini Shambhavi, die ich hoch respektiere und bewundere. Ich durfte sie vor 11 Jahren in Berlin kennenlernen. Ihre Ausstrahlung und Energie ist unvergesslich. Vielleicht war das deswegen weil sie Kali – einfach lebte.
Beim Yoga Festival hielt sie einen Vortrag über Kali. Vielleicht brachte mich zu ihr das Glauben oder tiefes Spüren dass es doch etwas anderes hinter einer Fassade verbirgt. Der Vortrag zeigte Kali als eine Göttin der absoluten Liebe, einer Liebe in der es Alles oder Nichts gibt oder besser gesagt: Alles UND Nichts.

Kali ist vor einigem bekannt als die „dunkle Nacht der Zeit“ und oft nur in diesem Zusammenhang dargestellt, besonders in dieser Zeit des Kali-Yugas, deren Zeugen wir jetzt sind. Einer Zeit in der viele toxische Energien zu spüren sind und man sehr schwer unterscheiden kann was wahr ist, es wandelt sich alles so schnell, zu schnell.
Ein Tag erscheint als Licht und Liebe und verwandelt sich schon am nächsten Morgen in Dunkelheit und Hass.
Kali ist aber auch die andere Seite davon: die Gutmütige, sie trägt Vergebung, Frieden. Sie ist die Unterstützerin von Allem, weil sie All ist. Sie gewinnt über das Leiden. Unreinheiten werden beseitigt, manchmal sehr rüttelnd durch ihre einzigartige Kraft, aber es ist eine liebevolle Kraft. Ein Schnitt mit Liebe, ein loving Cut, der nötig ist um zu Erkennen was wahr, ewig und wirklich wichtig ist.

Der Wandel von Kali verursacht, ist ein unvorhersehbarer Wandel. Er fordert uns zur Hingabe zum Unvorhersehbaren, weil Bekämpfen keinen Sinn macht. Man kann das Unvermeidbare nicht bekämpfen. Sie lehrt uns daran zu wachsen, immer wieder zu lernen und nicht in die Opfermentalität zu fallen. Kali fordert eine Achtsamkeit die eine scharfe Wachsamkeit wird. Die kleinsten Unrenheiten und Unreimheiten (fällt mir jetzt gut ein 🙂) werden durch ihre Kraft entdeckt, beleuchtet und transformiert.
Vor ihr kann man nichts verstecken, soll man lieber nicht versuchen, sie dient auch dazu, die tiefsten Ängste und dunkelsten Seiten ihr zur Schau zu stellen. Besser von sich aus, alles ehrlich zu zeigen als sich ihrem Röntgenblick zu entziehen. Gerade durch das Verstecken und Schummelversuch kann´s schlimmer werden. Wenn man aber ehrlich zu sich selbst ist und alles auf den Tisch legt was man sonst so in den Taschen trägt, dann wird die Kali Energie vielleicht noch immer heftig, aber erträglicher, liebevoller in ihrer Direktheit, vielleicht etwas schonender, schmerzloser. Aber das kann ich wirklich nicht versprechen 🙂

Kali lehrt uns dass nichts ewig ist und dass wir nichts verewigen können. Wir können die Zeit nicht festhalten und der Verwandlung nicht entfliehen. Wir versuchen oft bestimmte Geschehnisse zu verewigen, zum Beispiel ein Photo zu machen, ein Instagram Selfie der nichtmal 1% der Wahrheit entsprechen muss, aber wir erleben es als Wahrheit. Oder eine Geschichte die der Geist sich selbst erzählt so dass wir an etwas glauben können und schön in der geistigen Stagnation bleiben.

Nur, keine Zeit lässt sich in eine Geschichte zusammenpressen, wie eine Blume oder Blatt was in einem Buch zum trocknen zusammengepresst wird. Es bleibt nur eine Trockenheit die auch schön sein kann, aber nie die Frische ersetzen kann.

Kali ist immer frisch, da ist immer viel frisches Blut, viel Bewegung, weil das das Leben pur ist. Liebe ist auch immer frisch, sie entwickelt sich vom Moment zum Moment, immer neu, sonst wäre sie keine Liebe. Liebe verträgt keine fertige Konzepte und Kali kann hier sehr unkonventionell werden. Sie tötet alles was Fake ist, das Ego, die Dualität und verschiedene Illusionen. Es werden alte Strukturen zerstört, neue erschaffen und wieder zerstört und immer so weiter bis wir es nicht begreifen. Ja, das kann anstrengend werden für jemanden der Sicherheit und Routine braucht und sich an eine Illusion und Wunsch zu fest klammert.

Kali ist ein reinigender, wilder Wind, der gerne ins Herz (Herzchakra) kommt und hier mehr Luft und Freiheit ermöglicht. Manchmal wie ein Blitz.

Du kannst diese Energie immer spüren und dich daran erinnern, in dem du ein Paar mal tief einatmest und deinen Brustkorb leicht öffnest oder so viel es für dich angenehm ist. Diese kleine Bewegung erzeugt automatisch ein schönes Gefühl. Das kann Liebe, Freude oder was auch immer sein. Oder einfach DAS GEFÜHL. Ich glaube niemand kann bei der Öffnung des Brustkorbs etwas anderes emfpinden, es geht einfach nicht. Deswegen hat Kali mit Berührung und auf der tiefsten Ebene berührt zu werden, viel zu tun.

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  1. muktananda13 sagt:

    Kali ist weit mehr als der Verstand und etwas weniger als die Höchste Wirklichkeit.

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