Yoga Arbeit

Wenn mich jemand fragt was ich beruflich mache und ich Yoga erwähne, sind die meisten begeistert und glauben, meine Arbeit besteht aus Entspannung. Wie schön das ist im Vergleich zu einem (langweiligen) Büro Job oder einer Arbeit auf der Baustelle. Ich kann euch aber vergewissern, dass Yoga Arbeit anstrengender und anspruchsvoller sein kann, genauso wie viele andere Jobs.

Yoga Arbeit ist, eine 24 Stunden Arbeit. Yogalehrende bereiten sich, sozusagen, den ganzen Tag und Nacht für ihre Kurse. Yogastunden selbst sind das einfachste – und das ist das was die Leute von außen mitkriegen, eine schöne Yogastunde. Aber wie viel Arbeit noch dahinten steckt, das ist unsichtbar. Nicht nur die Vorbereitung einer Yogastunde oder Workshops, geschweige eines Retreats, mit Material, Informationen, Organisation und Werbung, der Yogalehrer selbst muss sein Prana Niveau auf dem höchsten Stand halten und selbst auf dem Yogaweg immer voran kommen.

Für hohe Schwingungen der eigenen Lebensenergie oder Prana, muss man ein persönliches Yogaprogramm in den Alltag einbauen. Die meisten Yogalehrende, haben einfach keine Zeit dazu, zumindest nicht 2x täglich 90 Min oder länger. Man hätte eventuell Zeit dazu, wenn man einfach nur ein Yogi sein könnte. Wer ist das heute schon, ausser vielleicht Reinhard Gammenthaler und noch ein Paar ursprünglichen Yogis in Indien?

Viele glauben auch dass Yogalehrende schon sehr fortgeschrittene oder erleuchtete Menschen sein sollen, ohne persönlichen Probleme und Herausforderungen, Menschen die Geheimnisse des Lebens kennen und sie den anderen beibringen können. Sie glauben, Yogalehrende kann nichts mehr aus der Bahn werfen, sie glauben gerade deswegen unterrichten sie Yoga oder wollen sie es den anderen beibringen um Frieden zu verbrieten.

Dem ist es leider nicht (mehr) so. Die Zeiten haben sich geändert, somit ist auch Yoga als Business entstanden und ist nicht nur Licht und Liebe. Und wenn wir vom Yoga als Business heute überhaupt sprechen, dann sind es die Asanas, ein Bißchen Atemübungen und die Entspannung im Shavasana im Yogastudio. Obwhol Yoga z.B. mit Feldenkrais und anderen Arten von ernster spiritueller Körper-Arbeit vergleichbar ist, wird es oft als Sport verstanden, was viele Verwirrungen und Mißverständnisse hervorruft. „Dir tut es bestimmt auch gut!“ sagen einige und meinen damit: „es ist auch gut für dich sportlich zu bleiben“.

Yoga Arbeit ist auch eine physische Arbeit, nicht nur durchs Demonstrieren von Asanas, in Yogastunden die oft mehrmals hintereinander stattfinden. Wenn man kein eigenes Studio hat, dann fährt man oft mehrmals täglich von einem Stadtteil zum anderen, das kann viel Stress bereiten. Korrigieren kann ebenfalls anspruchsvoll sein, aber was mich persönlich immer ganz müde macht, ist: Asanas machen und dabei zu reden. Ein Yogalehrender kann beim Zeigen von Yogahaltungen nicht genießen wie man sich das vielleicht vorstellt. Eigentlich strengt man sich sehr um Asana und Reden zu kombinieren. So nehmen Yogalehrende von den wohltuender Wirkung ihres eigenen Unterrichtens nur ganz wenig, wenn überhaupt etwas, auf.

In der Bihar School of Yoga wird empfohlen, beim Yogaunterrichten nur zu reden.

Eine Lösung wäre einen Assistenten oder Assistentin dabei zu haben und dazu noch ein Paar Assistenten für die Korrekturen. Manchmal hat man das bei Yoga Ausbildungen und Yoga Festivals, aber wer ein Yogastudio alleine betreibt, kann sich so viele Angestellten nicht leisten. Die meisten Menschen die zum Yoga kommen sind „visuelle Typen“ und möchten sehen und nicht nur hören, wie man ein Asana macht. So übernimmt eine Yogalehrerin drei Tätigkeiten gleichzeitig.

Lehren und Lernen sind interaktive Tätigkeiten, es ist immer ein Prozess welcher gebend und nehmend ist, von beiden Seiten. Von den Schülern lernen die Yogalehrenden wo und in welchem Bereich sie sich verbessern können. Schüler lernen von den Lehrenden nicht nur die korrekte Ausführung der Asanas sondern auch viel über Geduld, Demut und Selbstvertrauen.

Manchmal klappt es mit der Yogagruppe und Lehrerlnnen von Anfang an perfekt und die guten Vibes werden beidseits gespürt. Manchmal aber, werden Yogalehrende Projektionsflächen. Die Tatsache ist dass jeder, der mit Menschen arbeitet, enorm viele Schwingungen anderer aufnimmt und oft nicht weiss, wie man sie verarbeiten kann. Leider wird das während der meisten Yogaausbildungen nicht gelehrt (oder vielleicht inzwischen schon).

Die meisten Yogalehrende sind auch oft sehr einfühlsame und hochsensible Menschen, die selbst nicht wissen wie sie sich besser schützen können und diese Energien verarbeiten können. Manchmal fühlt man sich nach einer Yogastunde erschöpfter als sonst oder braucht doppelt so viel Zeit um sich zu regenerieren. (Wie du das machen kannst, werde ich in einem der nächsten Artikel schreiben).

Die meisten Yogaschüler respektieren schon die Grenzen eines Yogalehrers oder Yogalehrerin und sind froh von jedem etwas zu lernen. Das ist eine ideale Einstellung, jedoch gibt es immer ein Paar die gerade in einer Yogastunde ihre Selbstbestimmung demonstrieren wollen und zum Yoga kommen eher um ihre eigenen Übungen zu machen. Der Yogalehrende wird eher als eine Art Autorität angesehen, welche zu bekämpfen ist.

Für Yogalehrende ist es wichtig, klare Grenzen zu zeigen, auch wenn sie nicht unbedingt mit Gandhi-Lächeln begleitet werden. Kommentare, Erwartungen und Wünsche anderer haben mit ihnen in den meisten Fällen gar nichts zu tun. Diese Verhältnisse weichen nach einer Kennenlernphase und Erkenntnisprozessen ab, jedoch kommen zu Yogastunden immer neue Yogainteressierte, mit ihrem Päckchen an Erwartungen und Vorstellungen und alles geht wieder von vorne an. Dazu kommen auch die Vorstellungen über Yoga die in den letzten Jahren des Yogabooms enstanden sind, ein Yogalehrer ist nur ein Leistungserbringer und der Kunde hat immer Recht.

Yoga Arbeit, kann SCHON, auch für Yogalehrende wohltuend sein, aber nicht wegen Asanas, Pranayama oder Meditation im eigenen Unterricht, sondern einfach wegen der Arbeit mit Menschen. DAS ist was diese Arbeit doch so schön macht! Es macht uns fröhlich, wenn wir sehen dass ein Asana oder die ganze Yogastunde jemandem gut getan hat und wie voller Energie und Freude jemand nach Hause geht. Es freuen uns Fortschritte jedes einzelnen Teilnehmer oder wenn jemand erzählt dass die Schmerzen, die früher vorhanden waren, jetzt verschwunden sind. Oder wenn jemand einfach wie ohne Grund, glücklicher und zufriedener geworden sind. Das sind die richtigen unbezahlbaren Effekte des Yoga Unterrichtens.

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Sein und haben

Die Sprache ist ein mächtiges Instrument, jedoch werden viele Begriffe oft verwechselt, bzw. ihre wahre Bedeutung und Anwendung nicht richtig angewendet. Besonders auf dem spirituellen Weg ist eine genauere Beobachtung der Wörter und deren Bedeutungen wichtig und wie wir sie benutzen.

Ein Paar Beispiele:

Ich bin Andreas.

Ich habe Kopfschmerzen.

Ich denke.

Du fühlst.

Natürlich haben sich in der Sprache manche Sachen einfach verselbständigt und wir verstehen schon worum es geht, aber lass uns entwas genauer anschauen was man damit sagen wollte.

„Ich bin Andreas.“

Andreas ist ein Name, also bin ich der Name? Andreas ist auch eine Person. Weiss Andreas überhaupt was er ist, wer er ist, was für eine Person? Was macht eine Person aus, was macht Andreas als Person aus? Wir können keine klare Vorstellung haben, was Andreas ausmacht und wer Andreas ist, auch wenn er uns 100 Mal „Ich bin Andreas“ sagt. Genauer könnte er sagen: „Ich heisse Andreas.“ oder „Mein Name ist Andreas.“ Das ist eine genaue Beschreibung der Tatsache und damit können wir mehr anfangen. Zum Beispiel: „Du heisst Andreas, aber weiss du wer oder was du bist? Bist du dein Beruf? Eine Rolle im Leben? Vater, Freund, Angestellter? Wer oder was bist du eigentlich?“ Darauf gibt es nicht eine einfache Antwort ausser man ist von Geburt an erleuchtet oder sich schon mit Jnana Yoga eine Weile beschäftigt hat.

„Ich habe Kopfschmerzen.“

Wenn wir dieses „ich“, nicht mit Körper, Geist oder Ego identifizieren, kann dann das „ich“ Kopfschmerzen haben? Eine genauere Beschreibung wäre: „Ich oder „das ich“ erfährt gerade Schmerzen im Kopf, einem Teil des Körpers“. Wir besitzen, haben unseren Körper und momentane Schmerzen des Kopfes sind wie ein Päckchen was wir eine Weile mit sich tragen müssen, aber unser „ich“ ist noch immer da, unberührt vom Schmerz. Genauso ist das „ich“ von Freude oder einem plötzlichen Glück unberührt, weil was oder wer sich freut oder trauert, ist das Ego. Das erfahren des wahren Ichs ist mit einer großen Freude und Glückseligkeit verbunden, aber nicht davon abhängig oder nicht identisch damit.

„Ich denke.“

Das ist ein tiefgreifender Satz. Wer oder was ist ich? Wer oder was ist das was denkt? Wer denkt? Sogar die Fragen bieten auch eingeschränkte Möglichkeiten für die Antworten. Bin ich der Geist der denkt? Und wenn ja, was ist der Geist? Bin ich das Gehirn, in dem Gedanken produziert werden? Bin ich der Geist, in dem Gedanken produziert werden?

Oder: Habe ich das Gehirn? Habe ich den Geist? Wenn ich das alles habe, wo ist denn das „Ich“? Wo befindet sich dieses „ich“? Offensichtlich ist das „etwas“, was den Geist und seine unaufhörliche Tätigkeit – Gedanken zu produzieren – wahrnehmen kann. Das „ich“ nimmt den Geist wahr, dann kann das „ich“ nicht der Geist sein, es kann den Geist nur haben! Obwhol wir uns tagtäglich mit unserem Geist identifizieren und glauben, wir seien der Geist oder wir seien unsere Meinungen.

Die Übersetzung von „Ich denke“ könnte sein: „Das ich nimmt Gedanken wahr.“ oder „Ich – das was ist – beobachtet gerade Gedanken, die im Geist, wie auf einer Kinoleinwand, kommen und gehen.“

All diese Fragen sind nicht nur reine Philosophie, sie kommen aus einem Zweig des Yoga, welches Jnana Yoga heisst, Yoga der Erkenntnis. Jnana Yoga kann manchmal anstrengender als Asanaüben werden, weil es uns zwingt, Identifikationen allem was im Leben durch Erziehung, Schule und Erfahrungen angehäuft wurde, loszulassen. Jnana Yoga heisst, „das wahre ich“ zu erfahren, das wahre Selbst zu erkennen.

„Du fühlst.“

Fühlst Du wirklich, oder erfährt dein Körper oder Geist gerade etwas? Das „ich“ kann eigentlich nicht fühlen, wir glauben nur dass ein abstraktes „ich“ etwas fühlt. Wir wissen nicht mal was oder wer wir sind. Haben die meisten Menschen überhaupt Lust, Kraft und Interesse, mit existentiellen Fragen sich zu beschäftigen? Wer weiss schon ganz genau was oder wer man ist?

„Es“ oder das „ich“ oder „das was ist“,  kann ein Gefühl, ein Geschehnis wahrnehmen. Das „ich“ beobachtet und, mittels Körper, Geist und Sinne, erfährt. Das „ich“ kann nicht direkt fühlen, denken oder irgendetwas machen, ausser zu sein! Das „ich“ IST einfach, ohne Schnick-Schnack. Es muss nichts tun, nirgendwohin gehen oder bleiben, es hat kein Geschlecht, es kennt keine Zeit und Raum, es ist hier und überall, untrennbar, es war, es ist und es wird. Gefühle sind nur vorübergehende Wetterlagen, Stürme oder Sonnenschein, aber oft identifizieren wir uns auch mit unseren Gefühlen. Oft nehmen wir etwas Vergängliches als Wahrheit.

Die Erkenntnis, dass man das ist, was Nicht-Vergänglich ist, heisst es: Sat-Cit-Ananda (das bewusste Sein, die Erfahrung des grenzenlosen Seins. Sat ist die Wahrheit, Cit ist das Wissen, Ananda ist die Glückseligkeit, möglicherweise aus dem Wort Ananta gekommen, was Unendlichkeit beduetet.

„Das Sein“ ist immer frei. Nur unsere Identifikationen, Anhaften an das Äußerliche, an unsere Gedanken, an Bedürfnis ständig Strukturen zu finden, die etwas erklären sollten. Es macht Angst, keinen Boden unter den Füßen zu spüren oder leer zu sein und nichts zum anlehnen zu haben, zumindest einen Standpunkt, etwas vorauf man sich verlassen kann, Herkunft, Land, Bücher, Gesellschaft. Deswegen wollen auch viele Menschen keine Freiheit, weil sie nicht wissen, was sie damit anfangen sollen. Die meisten Menschen werden nicht zur Freiheit erzogen, in der Schule lehrt man nichts darüber. Es wird eher dazu gezwungen sich anzupassen und zu glauben dass man nicht genug so ist, wie man schon ist. IST.

Freiheit zu erfahren ist auch eine Übung, eine andauernde Yogaübung! Auch ich übe ich mich noch, aber immer mit mehr und mehr Vergnügen.

Um ungefähr dir vorstellen zu können, was Jnana Yoga ist, sowie den Unterschied zwischen haben und sein, empfehle ich Videos von Mooji.

 

Yoga Retreats damals und heute

Retreats oder Rückzüge gab es schon immer, als eine religiöse oder spirituelle Praxis. Das konnte individuell in Klöstern oder auch in Form von einer Versammlung der Gleichgesinnten stattfinden. In beiden Fällen ging es um einen Abstand vom Alltag zu gewinnen, um nachzudenken und die spirituelle Praxis zu vertiefen, die Worte des Gurus zu hören, sich in einer spirituellen Gemeinschaft „weiter zu entwickeln“.

Yoga Retreats gab es früher meistens nur in Ashrams (klösterähnlichen spirituellen Zentren, ursprünglich in Indien). Es ging oft um einen längeren Aufenthalt, manchmal jahrelangen. Es gab, damals wie heute, die Möglichkeit als „Karmayogi“ in einem Ashram zu arbeiten um dafür Essen und Unterkunft zu bekommen und am Programm teilzunehmen. Aber auch einfach so, als Yoga- oder Medtiationsinteressierte, kann man in den Ashrams eine längere Zeit verbringen. Indische Art von Ashrams und spirituelle Kommunen haben sich schnell in der ganzen Welt verbreitet.

Populär waren und sind noch immer z.B. Maditation-Retreats in buddhistischen Ashrams wie z.B. Vipassana Meditation und auch Yoga / Ayurveda Retreats in Indien. Die Teilnehmer tauchen in das spirituelle Leben tiefer ein. Es ist eher eine besondere Entscheidung und nicht ein Urlaub. Man kann sich nicht so leicht oder beliebig für etwas anderes entscheiden, auch wenn es jemandem nicht so wirklich gefällt. Oft wird so ein Aufenthalt als ein Test, eine Übung fürs Ego angesehen und nicht als eine Entspannung oder Wellness. Die inneren Konflikte, werden als ein Prozess, das „eigene Thema“ oder Mißverständnisse mit anderen Teilnehmern als „eigener Spiegel“ angesehen.

Die meisten heutigen Yoga Retreats, welche ungefähr in den letzten, höchstens 10 Jahren in der ganzen Welt angeboten werden, sind eher ein Urlaub mit Spuren von einem Retreat, weil ein Yoga Retreat von heute meistens nur eine Woche dauert. Die Grenzen zwischen einem Urlaub und Retreat sind nicht mehr so klar, bzw. ein Urlaub wird Retreat genannt.

Man muss heutzutage nicht mehr in eine weit entfernte Kommune oder Ashram gehen um sich zurückzuziehen. Yoga und Meditation Retreats können sogar in einer Großstadt stattfinden. Ein Yoga Retreat oder Urlaub mit Yoga, sowie nur ein Wochenende mit Yoga ist heutzutage jedem zugänglich geworden, was sehr gut ist, aber anderseits hat es an der Bedeutung vom Retreat verloren.

Sicherlich ist eine Reise mit Yoga ein Erlebnis, aber es ist eher unmöglich, in nur einer Woche die Wirkung eines Retreats tiefer zu erleben, bwz. seine langfristige Wirkung zu spüren, ausser man übt schon länger Yoga und sieht so ein Retreat als eine Abwechselung und Vertiefung der eigenen Yogapraxis. Retreats heutzutage, sind eher Tage mit Yogastunden, gutem Essen, vielen Gesprächen und der Kontakt mit den „Reizen der Außenwelt“ ist locker.

Bei jeder spirituellen Praxis, dauert es mindestens 21 Tage bis sich der menschliche System auf neue Einflüsse und Energie gewöhnt, oder sie im „eigenen System“ befestigt, verinnerlicht. Erst nach dieser Zeit beginnen sich die Wrkungen überhaupt zu entfalten. Alles was vor diesen 21 Tagen passiert, sind nur Spuren, die kleinen Impulse vom Yoga. Verkürzte Angebote und größere und schnellere Reisemöglichkeiten haben es geschafft, Yoga auch in so eine kurze Zeitspanne, effektvoll anzubieten und doch einen kleinen, aber wichtigen Rückzug zu ermöglichen. Jedoch ist es unehimlich wichtig, besonders für Menschen die im Yogaurlaub oder einem Retreat mit Yoga erst angefangen haben, Yoga weiter zu praktizieren.

Die meisten Retreats heutzutage sind nur ein kleiner Ausflug in die Welt des Yoga. Trotzdem ein schöner!

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Yoga Retreats 2008-2018, ein Rückblick zum Jahresende

Wenn ich auf die vergangenen Jahre zurückblicke, denke ich: „Hey das war gar nicht mal so schlecht!“ und bin unheimlich stolz auf mich. Vielleicht hört sich das etwas überheblich an, aber ich bin aus diesen Gründen stolz:

1. trotz einer geringer Anzahl der jährlichen Retreats, habe ich damit nicht aufgehört

2. auch wenn mir ein Retreat kein finanzielles Vermögen gebracht hat, blieb ich dabei, weil es mir Spaß machte

3. es hat mein fast verlorenes Vertrauen in Menschen, Natur, Universum und mich selbst gestärkt

4. es hat mir gezeigt, dass wenn Dinge aus dem Herzen geplant werden, auch tatsächlich stattfinden!

Und so fing es an:

2008

In diesem Jahr wurde die Idee von Yoga Retreats in Kroatien geboren, sowie meine freiberufliche Yoga Arbeit unter dem Namen „Der kleine Tempel“. Da im Jahr 2008 Werbemöglichkeiten eher beschränkt waren und Social Media noch nicht in diesem Maße wie heute entwickelt war, kam zum Retreat nur eine Person! Eine aber feine. Wir machten Yoga in Lovran, am frühen Morgen, mit dem Ausblick zur Kvarner Bucht.

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Lovran Strand beim Sonnenaufgang

2009

Ich entdeckte das Yoga Retreat „Suncokret“ welcher schon damals ein der ersten Retreats in Kroatien und Europa war, als ein fester Ort für alle Yogainteressierte, auf der Insel Hvar. Ich weiss nicht woher ich den Mut gesammelt habe, dort ein Kirtan Retreat anzubieten. Wer noch nicht weiss, Kirtan ist eine besondere Art des Mantrasingens, oft mit Instrumenten begleitet. Der „Kirtanleader“ singt die erste Strofe und die Gruppe wiederholt dann diese Strofe. Und so geht es weiter, bis man fast in eine Art Trance fällt oder zumindest in eine Art der Glückseeligkeit.

Es ist schon mehrfach nachgewiesen dass Singen allgemein heilsam ist oder sein kann. Wie unterscheidet sich dann das Mantrasingen vom Singen allgemein?

Melodie und Töne können verschiedene Veränderungen im Gehirn aufweisen, positive wie negative, guttuende oder nicht-so-gut-tuende. Es ist schon ein Unterschied wenn man schöne und unterstützende Worte hört und aufnimmt oder zerstörerische.

Die alten Rishis waren die Weisen, die „Seher“ und die „Wissenden“. Wie das oft in der Religion oder Spiritualität ist, die heiligen Texte werden manchen Menschen einfach – offenbart. Nicht umsonst heisst Sanskrit Devanagari Sprache oder die Sprache der Götter. Damit meinten sie nicht (wie oft in anderen Religionen vorhanden) bestimmte Regeln, sondern die Eigenschaften jeder Silbe! Die Silben verbinden sich nach bestimmten Regeln und verursachen bestimmte Wirkungen. Wörter verbinden sich in Hymnen und Aufrufe (die man noch heutzutage auf Ganges bei Ritualen hören kann). Jedenfalls wussten die Rishis von der Wirkung des Klangs aufs Gehirn und nicht nur das, sie wussten das der Klang eine Schwingung ist, welche auf die Materie wirken kann.

Ein Klang, wenn richtig eingesetzt, kann etwas verändern, „in Tune“ bringen. So bringen wir uns mit richtig gesungenen und eingesetzten Mantren auch „in Tune mit dem Universum“.

Kirtan ist auch eine Art Reinigung. Es werden (oft unnötige) Gedanken, Bilder, Muster und Samskaras (Eindrücke die in der Unterbewusstseins-Festplatte gespeichert wurden) „gereinigt“, wie wir sonst z.B. unsere Computer reinigen. Jedoch es muss unterschieden werden: ob man damit etwas nur unterdrückt hat oder etwas richtig gelöscht, bzw. besser gesagt, transformiert hat.

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Kirtan Workshop 2009, Photoquelle: Suncokret Body and Soul Retreat, Insel Hvar

 

2010

Im Jahr 2010 waren Yoga Retreats etwas populärer geworden, so bekam ich ein Paar mehrere Interessentlnnen für mein Yoga Retreat in Lovran und ich bot wieder ein Yoga Retreat im „Suncokret“ auf der Insel Hvar an. Diesmal ging es um die „Wirkung der Asanas auf körperlichen und geistigen Ebene“. Hier kam mir intuitiv das Bedürfnis, Asanas in einem Kreis auszuführen und ich merkte, dass die energetische Wirkung dann anders ist. Menschen spüren dadurch stärker, dass sie ein Teil des Ganzes sind und dass man nicht immer auf sich alleine angewiesen ist, sondern dass man durch die Beziehungen und Zusammenhalt viel lernen und viel bewegen kann. Es war für mich selbst eine wunderbare lehrreiche Erfahrung.

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Photoquelle: Suncokret, Body and Soul Retreat, Insel Hvar 2010

 

2011

In meinem letzten Schwangerschaftstrimester mache ich noch Yoga am Strand in Lovran mit netten österreichischen Teilnehmerinnen 🙂

YogaLovran2011meditation2Yoga und Meditation in Lovran, 2011

 

2012 und 2013

Da ich selbst zum zweiten Mal frisch gewordene Mama wurde, biete ich in den zwei folgenden Sommer Retreats für Familien an, wieder in meiner Heimat, der Kvarner Bucht. Yoga mit Kindern und Eltern kann in einer Familie systemisch auch viel verändern!

 

2014

Ein Retreat in Crikvenica, mit Yoga Nidra geführt von Yogalehrerin und Architektin Nives, wunderbare Ausflüge nach Insel Krk und wie immer, das tolle vegetarisch-veganes Essen nach Fünf-Elemente-Küche. Und ja, ein Lavendelflechten Workshop war auch dabei.

Yoga Retreat mit Chakra Workshop und Yoga Nidra, Crikvenica 2014

 

2015

Einer der unvergesslichen Retreats war sicherlich Yoga und Zhineng Qi Gong Retreat mit Anita Ilicic in Brsec, wieder in meiner Heimat Kvarner Bucht. Das Haus mit einem fantastischen Ausblick, von einem der bekanntesten kroatischen Künstlern – De Karina – wird sich für immer in unsere Erinnerungen einprägen: schlafen unter den Sternen, die Sonnenaufgänge, der Ausflug nach Rovinj und viele andere, unbezahlbare Momente…

Yoga und Zhineng Qi Gong, Brsec 2015

2016

Ein Yoga und Zen Meditation Retreat mit Benjamin Rakidzija und Yoga und Zhineng Qi Gong Retreat, wieder mit Anita Ilicic, diesmal auf der anderen Seite des Ucka Gebirge, oberhalb von Lovran. Viel Wandern, Ausflug nach Beli auf der Insel Cres, ruhige Nächte weit weg vom touristischen Trubel, Wandern im Ucka Gebirge…

Yoga, Zen Meditation, Qi Gong und Wandern im Ucka Gebirge

2017

Im Jahr 2017 entscheide ich mich wieder für Dalmatien und diesmal eine andere Insel – Korcula. Ich entdecke die wunderbaren Leuchttürme Kroatiens und biete ein Yoga Retreat auf einer Leuchtturm-Insel und in Lumbarda auf der südöstlichen Seite der Korcula Insel. Die Besonderheit des Retreats auf der Leuchtturm Insel ist, dass die ganze Insel während der Woche der Yogagruppe „gehört“ und das ist ein Retreat oder der Rückzug vom Alltag oder Zivilisation, im wahrsten Sinne des Wortes!

Yoga und Self Inquiery Meditationen, 2017

2018

Wiederholung des Vorjahres: Leuchtturm Insel mit Self Inquiery Meditationen und Lumbarda mit Mudra Workshop geleitet von Tomislav Madjar, Wiederentdeckung des Partneryogas und Asanas im Kreis. Und eine Neuentdeckung: Insel Susak, mit Yoga im Weinbaufeld!

Insel Susak mit exotischen Sandstränden und fantastischen Wandernwegen
Plocica und Lumbarda Retreat 2018

 

Wie es im 2019 aussehen wird, weiss ich noch nicht. Ich plane oft spontan und es muss mit meinem inneren Gefühl resonieren. Ich vermute, ich bleibe wieder in der Kvarner Bucht, aber es zieht mich auch zu meiner zweiten dalmatinischen Heimat Novigrad in der Nähe von Zadar an.

Jedenfalls wünsche ich euch ein tolles neues Jahr! Vielleicht sehen wir uns in Kroatien!

Wer kommt zum Yogaurlaub? Ein Interview mit Ottilia

Da ohne Yogaurlaub Teilnehmer*innen meine Retreats nicht stattfinden könnten, habe ich mich gefragt, wer sind diese Menschen, warum sie Yoga machen und was sind ihre Träume und Ziele. Eine Teilnehmerin war schon drei Mal an drei verschiedenen Orten beim Yogaurlaub in Kroatien und ich konnte es nicht aushalten, ihr ein Paar Fragen zu stellen und mehr über sie zu erfahren. Das ist Ottilia Nauser, Studentin der angewandten Psychologie, Akkordeonspielerin und eine umweltbewusste junge Frau. Menschen sind oft verborgene Schätze!

Ottilia, wie bist du zum Yoga gekommen?
– Meine nicht ganz einfache Zeit, als ich noch zuhause bei meinem Vater oder meiner Mutter wohnte, haben mich geprägt, neben dem Yang-haltigen Volleyballtraining mehrmals die Woche und später, durch verschiedene Wohnungs- und Ortswechsel, suchte ich nach einem Ort, an welchem ich einfach «sein» durfte, ankommen und auftanken konnte. Und schon früh habe ich nach irgendetwas gesucht, aber ich wusste nicht was. Da war immer dieses Gefühl: «Da gibt es noch irgendetwas». Vom Power-Yoga via klassiches Hatha- und Acro Yoga fand ich nun zum Jivamukti, sowie zum Yoga Nidra und Yin Yoga.
Heute finde ich im Jivamukti Yoga, Yoga Nidra und Yin Yoga wieder zu mir zurück, kann
ankommen, sein, mich oder es akzeptieren, wie es gerade ist, mich beruhigen und
auftanken: Sei dies nach einem anstrengenden Arbeitstag, einem aufwirbelnden Ereignis, wenn mein Nervensystem Sprünge macht oder auch einfach, wenn ich glücklich bin und eine schöne, entspannende Yogastunde in Gemeinschaft erleben möchte.

Was bedeutet Yoga für dich?
– Yoga bedeutet für mich ankommen, achtsam sein, mich sein, in mich hineinhören,
auftanken, über mich hinauswachsen, aber auch in Gemeinschaft praktizieren, verbunden sein (mit etwas Grösserem, Ganzen) und glücklich sein.
Oder wie bei uns im Daya Yoga in Bern jeweils das Mantra in Sanskrit gesungen wird:
«Lokah Samastah Sukhino Bhavantu»
Mögen alle auf dieser Welt verbunden sein, in Harmonie sein und Glück erfahren.

Was machst du, wenn du kein Yoga machst?
– Durch Flohmärkte schlendern, Kleidertauch-Anlässe besuchen, wandern, zeichnen, Kerzen anzünden, kochen, im Herbst durch Wälder spazieren, Akkordeon spielen, …
Zurzeit arbeite und studiere ich Teilzeit (Angewandte Psychologie). Ich befasse mich gerade mit meiner Bachelorarbeit (Belastungen von LKW-Chauffeuren in einem grösseren Getränke-Unternehmen), habe gerade meinen Sachbearbeiter-Job an den Nagel gehängt und starte im Jahr 2019 mit einem Teilzeit-Hochschulpraktikum in der
Organisationsentwicklung.

Während unserem Retreat hast du oft vom Girotti gesprochen. Wer ist Girotti?
– Girottis sind Giraffen, welche durch mich (Ottilia) entstehen! Zu Beginn war es eine Giraffe, nun sind es mehrere oder auch andere Sujets, welche ich mit schwarzen Finelinern mit verschiedenen Mustern zeichne. Begonnen habe ich damit, als ich 2014 nach Bern zog. Eigentlich hatte ich einfach einen
Rahmen zuhause, der ca. 20x50cm misst und ich wollte ein Bild für meine Wohnung
zeichnen.

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Girotti – Giraffenzeichnungen von Ottilia

Das sind klasse Zeichungen! Ich werde dich sicherlich für ein Paar Yogazeichungen für meine zukunftige Yogaschule beauftragen 🙂 Und was könntest du aus deiner Yoga und Kunst Erfahrung sagen – unterstützt Yoga die Kreativität?

– Ja, absolut! Nicht nur verschiedene Studien berichten diesen Effekt (ja, hier kommt die
Studierende hervor), auch ich bin fest davon überzeugt und spüre, dass Yoga die Kreativität fördert.
In einer Studie von Kumar und Pandya (2012) steht: “Yoga Nidra awakens the inherent
creativity and promotes the learning and memory abilities of the practitioner” und “Yoga Nidra positively decrease the stress level […] and influences anxiety level significantly”.

Du spielst Akkordeon, wie ist es dazu gekommen?
– Ja, ich habe ca. acht Jahre lang Akkordeonunterricht genossen und spiele jetzt einfach noch ab und zu für mich. Mir haben es vor allem Klezmer und französische Chansons angetan.
Nach dem Studium möchte ich mich gerne wieder vermehrt damit beschäftigten.
Wieso spiele ich Akkordeon? Es gab einen Tag der offenen Tür an der Musikschule gleich
um die Ecke, dort wo ich aufgewachsen bin. Ich durfte da einige Instrumente ausprobieren.
Ich blieb bei der Klarinette und beim Akkordeon hängen. Zuvor habe ich zwei Jahre
Blockflöte gespielt. Weshalb ich mich dann tatsächlich für Akkordeon entschied, kann ich mich nicht mehr erinnern. Ich habe sogar in einem Jugendchor gesungen. Diesen Sommer (2018) habe ich das nochmals ausprobiert und an einem dreimonatigen Chorprojekt zum Thema Abba teilgenommen. Das machte Spass!

Du hast schon drei Mal an meinen Retreats teilgenommen. Was hat dich am meisten angesprochen? Und wenn du die drei Retreats vergleichen müsstest, welcher war dein Favorit und warum?
– Früh am Morgen mit dem Sonnenaufgang und Yoga achtsam in den Tag zu starten, das ist ein Erlebnis, so wie anschliessend mit der Gruppe gemeinsam zu frühstücken.
Hier zusammengefasst die Retreats, welche ich besucht habe:

1. Yogaurlaub in Lovran (Erste Erfahrung mit Yogaurlaub überhaupt, ich fühlte mich nach dieser Woche wie neugeboren und ganz bei mir, jedoch es war kein „übliches“ Retreat ausser gemeinsames Yoga am Morgen, es war ziemlich heiss und die Unterkunft im Hostel war nicht die beste Idee)

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Ottilia in Chakrasana – Yogaurlaub in Lovran

2. Unglaubliche Erfahrung auf der Leuchtturminsel! Einmalige Aussicht am Morgen,
Kaninchen (!) auf der Insel, wundervolle Menschen, Delfine haben wir am Schluss
auch noch gesichtet, schwimmen, sonst natürlich wenig Bewegungsmöglichkeiten da die Insel sehr klein ist, aber trotzdem – das ist mein Lieblingsretreat!

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Yoga Retreat auf der Leuchtturm Insel Plocica

3. Lumbarda auf der Insel Korcula – wunderbares Haus und Zugang zum Strand! Jeder konnte seinen Platz finden und wenn man nicht mit der Gruppe die Zeit verbringen wollte, konnte man sich zurückziehen oder die Umgebung von Lumbarda erkunden. Lumbarda verfügt über zwei wunderbare Sandstrände, leichte Wanderwege und viele kleine Insel die man ebenfalls besuchen kann.

Was möchtest du weiter in deinem Leben machen?
Wohin mich meinen Weg noch führen wird, auf das bin ich selber gespannt. Ich möchte mehr im Moment leben und diesen bewusst geniessen.
Ich kann mir gut vorstellen, dass ich nächstes Jahr, nach Abschluss meines
Bachelorstudiums in angewandter Psychologie, zuerst einmal noch etwas mehr
Berufserfahrung sammle in der Gesundheitsförderung, dem betrieblichen
Gesundheitsförderung oder in der Organisationsentwicklung. Am liebsten würde ich 60% arbeiten und nebenbei meinen persönlichen Projekten nachgehen (Garten
bepflanzen, Girotti-Projekte, Kleidertausch organisieren, Nachbarschaftshilfe, wieder
Kaninchen als Haustiere halten). Und wer weiss, vielleicht werde ich auch noch Schuhmacherin oder mache eine Ausbildung zur Craniosacral-Therapeutin oder Yoga Nidra-Lehrerin oder ich arbeite mal auf einer Kaninchenfarm…
Gerne möchte ich auch noch reisen und an einigen Yoga-Retreats teilnehmen (zum Beispiel auch an einem Yoga-Akkordeon-Retreat! 🙂 Vielleicht läuft mir auch bald mein Traummann in die Arme und wir gründen eine Familie. Das wäre auch sehr schön.

Danke, Ottilia, für deine Zeit und viel Glück!

Und wer mehr über Girotti erfahren möchte oder ein besonderes Bild als Deko fürs Haus, Wohnung, Praxis oder Büro möchte, hier bitte anklicken.

Accessoirs – beim Yoga bitte ablegen

Ich bin keine Befürworterin vom Nackt Yoga, aber ein Yoga Raum ist ein Raum welchen wir „so nackt wie möglich“ betreten sollen. Das fängt erstmal mit Äußerlichkeiten wie Accessoirs an. Die Bedeutung des französischen Wortes accessoir ist zusätzlich, aber auch nebensächlich. Accessoirs können das Leben verschönern, aber beim Yoga sind sie wirklich nebensächlich und oft sogar störend.
Warum ist das so? Nicht nur dass z.B. Ringe, Ohrringe und Armbände den Energiefluß stören können (und beim Yoga geht es um ganz bestimmte Energieflüsse), wir möchten unsere Konzentration nach innen und nicht nach außen richten, z.B. ständig auf die Armbanduhr zu gucken. Kontrollewahn und Eile haben im Yoga nichts zu suchen. Du wirst schon von dem Yogalehrer erfahren, wann die Yogastunde zu Ende ist.

ARMBANDUHR
Das Äußere lassen wir, so viel es geht, draußen. Das was wir im Äußeren tun, kann sich auch auf das Innere übertragen. Armbanduhr, der ganze Schmuck und vor einigem Handy sollen weit weg von der Yogamatte bleiben. Wenn möglich, sollte man auch die Brille in ein festes Etui ablegen.

In dem wir Accessoirs ablegen, kehren wir die Aufmerksamkeit mehr zu uns selbst, zu unserem Selbst – dafür sind wir auch zum Yoga gekommen!

So lassen wir unseren Beruf, verschiedene Lebensrollen, Ansichten, Erwartungen und alle Konzepte – draußen. Im Yoga üben wir uns, alle Konzepte zu überwinden um das „nackte“ Bewusstsein oder das pure Sein zu erfahren.

Kleine Ohrringe sind vielleicht nicht so störend beim Yoga wie ein Handy zum Beispiel. Wir können unsere Augen nicht auf die Ohrringe richten, aber schon auf das Handy. Das ist nicht in allen Yogazentren so und es kommt eher seltener vor, aber es gibt Menschen, die sich von ihrem Handy nicht trennen können. Sie lesen die letzten Nachrichten, wartend auf den Beginn der Yogastunde. In bestimmten Yogakörperhaltungen schaffen sie es sogar zu gucken ob eine SMS gekommen ist oder nicht.

Viele nehmen das nicht so wahr, aber auch die Zeit vor dem Beginn einer Yogastunde, genauso wie die Zeit danach, ist eine Zeit die auch zur Yogaeinheit gehört. Es empfiehlt sich ungefär 10-15 Min vor dem Stundenanfang zu kommen um (schon) entspannt anfangen zu können und nicht gehetzt in die Stunde einzuspringen. (Es empfiehlt sich). Auch nach der Stunde ist es schön, die Wirkung des Yoga nachspüren zu lassen und sich in einer entspannten Atmosphäre zu verabschieden und nicht gleich zu einem anderen Termin zu hetzen.

FRAUpixa
Klamotten, die man für das Yogapraktizieren anzieht, ist eher eine Nebensache, jedoch in manchen Punkten schon wichtig. Sie soll nirgendwo am Körper einengen und bei bestimmten Asanas nicht stören, z.B. die Hose und T-Shirt sollten beim Schulterstand / Kopfstand nicht rutschen und übers Gesicht fallen.

Yoga bedeutet oft viel mehr als das was man sich normalerweise vorstellt. Leider wird es noch oft mit einer sportlichen Leistung verbunden und man macht es nur um „etwas für die Gesundheit zu tun“ oder weil jemand Bewegung oder „betrieblichen Gesundheitsmanagement“ propagiert. Gerade Zeit, Leistung und ein erzwungenes Bedürfnis nach fit-sein oder fit-bleiben, bedeutet es nicht, wirklich Yoga zu machen. Yoga ist eine, meistens 90-minütige Gelegenheit, so frei wie möglich zu sein, angefangen mit den unnötigen, nebensächlichen Äußerlichkeiten.

Yoga und Wandern auf der Insel Susak (Sommer 2018)

Noch immer bin ich von mir selbst überrascht, wieso ich noch nie auf dieser wundervollen kroatischen Insel war. Manchmal ist es mir unbegreiflich wie Kroaten die dort leben, die Schönheiten ihres Landes nicht kennen oder sich darüber überhaupt nicht interessieren. Wahrscheinlich wäre es auch für mich das gleiche wenn ich dort weiter gelebt hätte. Den Einheimischen reisen lieber woanders hin. Für mich ist das Entdecken der eigenen Heimat immer ein Highlight des Jahres. So war es auch diesen Sommer mit der Insel Susak.

Der Yogaurlaub auf der Insel Susak war so konzipiert dass man morgens Pranayama und am späten Nachmittag eine Wanderung mit anschließender Yogastunde in der Natur machen konnte.

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Das untere Dorf von dem oberen Dorf gesehen

Die Insel Susak ist aus Rijeka mit Katamaran oder aus Mali Losinj mit Schiff gut erreichbar. Das Dorf besteht aus dem „oberen“ und „unterem Dorf“ die mit einer Treppe oder manchen „geheimen“, verwachsenen Wegen verbunden sind.

Ausser Insel Rab welche auch einen Sandstrand hat, kann Insel Susak auf zwei große Sandstrände stolz sein. Und nicht nur das, im Unterschied zu anderen Inseln der Kvarner Bucht, ist die Vegetation hier fast wie in einem Dschungel. Nicht nur Sandstrände, auch Buchten mit Kiesstein und „turquisfarbenem“ Meer sind hier vorhanden. Es gibt manchmal so kleine Buchten, dass man ein Strändchen nur für sich haben kann, wenn man sich genug früh auf den Weg macht, oder wenn man ein Bißchen Glück hat. Die Vegetation ist üppig durch das hohe Schilf, in welchem sich viele Hütten verstecken. Ich habe gehört, dort wohnen Menschen, die mit der Außenwelt wenig zu tun haben wollen. Oder Künstler.

Die versteckten Wohnorte

Ethnologen, Anthropologen und Sprachwissenschaftler finden die Insel besonders interessant. So abgeschieden ist die Insel eigentlich nicht, bzw. nicht mehr oder weniger als die anderen Inseln der Kvarner Bucht. Die Kommunikation mit der Rest der Welt ist eigentlich hier gar nicht so erschwert wie man behauptet und dass sich deswegen ein besonderes altkroatisches Dialekt bis heute erhalten hat. Ich glaube die Außenwelt hat diese Insel eher ausgegrenzt, da die Einwohner oft untereinander heirateten.

Die Insel hat heutzutage zwischen 180 und 200 Einwohnern. Viele sind vor ca 100 Jahren ausgewandert, meistens nach Amerika. Die heutigen Enkelinnen und Urenkellnnen dieser Generation verbringen heute schon als Rentner den ganzen Sommer auf Susak. Die Amerikanisierung kann man an einigen der ersten großen Häuser im unteren Dorf sehen: amerikanische Flagge, schöne Blumen und etwas Kitsch.

Obwhol dieses ganze Gebiet Kroatiens früher unter Italien stand, ist die italienische Sprache hier nicht so präsent wie z.B. in Istrien oder Rijeka. Susak ist einzigartig, nicht nur durch das Erhalten der eigenen Sprache. Auch die Form der Trachten ist einzigartig, sie ist kurz, fast wie ein Minirock, bzw. endet etwas über die Knien und sowas findet man in Europa selten. Die Farben sind bunt, hell und interessanterweise fluorescent.

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Fotoquelle: http://www.visitecroatia.com/hr/magazin/zenska-jedinstvena-narodna-nosnja-u-europi-otok-susak/

Die Insel ist im Sommer ein touristischer Ort wie alle andere in Kroatien, jedoch nicht wie alle anderen. Als ich mit dem Schiff aus Mali Losinj ankam, wartete auf mich ein Traktor, um das Gepäck in das obere Dorf zu transportieren. Da normalerweise ein Traktor mehrere Gepäckstücke „nach oben“ fährt und ich alleine war, erlaubte mir der Fahrer, mitzufahren. Auf den ersten Blick freute ich mich, aber später habe ich die Idee bereut, da es für meine Ohren nicht so toll war.

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Der Traktorweg

Obwhol Susak ziemlich klein ist, gab es hier viel zu entdecken, besonders die Wanderwege durch das Schilf und Weinbau waren eine Abendteuer und unser Yogaurlaub verwandelte sich bald in eine tägliche Gehmeditation. Nicht nur die guten Wanderwegen die zu den schönsten Punkten der Insel führten, sondern auch die felsigen Wege die wir manchmal genommen haben um zu den schönsten, aber auch nicht so schönen Buchten zu kommen. Je nach dem, ob man vom unteren Dorf nach rechts oder links ging. Aber es ging darum, den Geist vom Last zu befreien, mehr in Kontakt mit der Natur, Stein, Sonne und Wasser zu kommen. Man konzentrierte sich darauf wo genau man tritt, es war in manchen Fällen und an einigen Punkten der Insel eine echte Herausforderung. Die nicht so schönen Buchten und Orte auf der westlichen Seite der Insel sahen manchmal fast apokaliptisch aus. Besonders schön fand ich die rötlichen Steinsalze in Kombination mit Blümchen.

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Himalayasalz?

Yoga machten wir im Weinbaufeld. Die Stille die sich von hier in uns ausbreitete, war nach einem hektischen Berlin-Jahr sehr wohltuend. Die Stille der Natur ist eigentlich die Musik der Natur, das sind ganz andere Geräusche, die wir in der Stadt nicht erleben können oder nur selten, beim zufälligen Spaziergang durch einen Park. Diese Stille werde ich vermissen.

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Weinbau-Yoga wurde hier geboren

Am wunderschönsten fand ich den Pranayama Ort morgens. Das Meerrauschen kam hier oben anders an, die Akustik begünstigte das meditative Erlebnis und ließ mich einfach sprachlos. Vor der Natur ist man fast immer sprachlos.

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Yogaurlaub ist immer eine Mischung aus Urlaub, Yoga und Spiritualität, so sind die Strände auch immer ziemlich wichtig für Yogaurlauberlnnen, zumindest in den Sommermonaten. Auf der Insel Susak gibt es zwei wunderschöne Sandstrände, die meiner Meinung und Erfahrung heilende Wirkung haben. Der erste Sandstrand im Ort (trotzdem nicht überfüllt) ist für Liebhaber des warmen Meeres ein guter Spot. Um wirklich schwimmen zu können, muss man einige Zeit im Meer laufen, dann kommt etwas tieferes und kälteres Wasser. Der Strand ist hervorragend für Familien mit kleinen Kindern, die Temperatur des Wassers am Eingang ist wie in der Badewanne fürs Babybad.

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Susak Sandstrand im Ort

Zum anderen, etwas exotischer aussehendem zweiten Sandstrand Bok, kommt man durch verschiedene Wege, schon in ca 20 Min Spaziergang am Meer oder durch die schilfreiche Wege aus dem oberen Dorf.

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Vielleicht im nächsten Jahr wieder! Außer Yogaurlaub und Yoga Retreats für alle, habe ich die Idee auch spezialisierten Yogaurlaub für Familien, mit Workshops für Männer und Frauen, sowie Kinderyoga hier anzubieten. Bis dann noch ein Paar Susak Impressionen:

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Atme deinen Geist

Warum ist das Atmen im Yoga so wichtig?

Erstens, ist das tiefe Atmen durch Stress, Umweltverschmutzung und hektisches Leben fast nicht mehr möglich. Das tiefe Atmen wird einfach vergessen, verlernt und mit Yoga kann es wieder erlernt werden.

Zweitens, jeder Atemzug steht im Yoga in direkter Verbindung mit dem Geist oder sagen wir mal, mit der Substanz des Geistes. In Yoga wird sie Vrittis genannt. Es gibt so viele Vrittis oder Bewegungen des Geistes dass wir sie alle nicht bewusst wahrnehmen können…Es arbeitet ständig.

Da die Yogis schon vor tausenden von Jahren festgestellt haben das der Atem in direkter Verbindung mit dem Geist und, besser gesagt, mit dem Zustand des Geistes ist, fangen sie an bestimmte Meditationen durchzuführen, was ihnen ab einem Zeitpunkt ermöglicht hat festzustellen dass der Geist ein Tool ist, aber nicht die Essenz des menschlichen Wesens. Mit Pranayama konnten sie ihr Prana (die Lebensenergie) und im Endeffekt auch ihr Leben, steuern.

Vielen ist bekannt, dass so wie wir denken so können wir werden. Aber vielen ist nicht bekannt dass der Atem unseres Denken verändern kann. Deswegen sagte Patanjali, ein Yogi der als erster Yogaweisheiten in Yogasturas niedergeschrieben hat, dass „Yoga´sch chitta vritti nirodhah“ ist (Yoga ist das „zur Ruhe Bringen“ der Bewegungen im Geist.) Damit meinte er unter Yoga nicht nur Asanas (Yogakörperhaltungen, bzw. Yoga wie wir es heute meistens kennen) sondern auch Atemübungen und Meditation, was auch nicht als getrennt angesehen werden kann.

Unter Stress atmen wir unser Leben aus uns heraus. Unsere Lebensenergie wird leichter verloren. Wir veratmen unser Prana (die Lebenskraft, die Energie, die in uns steckt). Wir möchten aber das Leben einatmen und leben! Die erste Übung die uns dazu bringt ist tief in den Bauch einzuatmen und spüren wie der Sauerstoff das ganze Becken füllt. Jedem ist auch das Gefühl bekannt wenn man mit voller Lunge einatmet, ein Gefühl der Erleichterung oder sogar Freude und Zufriedenheit ist automatisch vorhanden. Dazu kann zum Beispiel die vollständige yogische Atmung verhelfen.

Yoga, so wie ich es praktiziere, beinhaltet verschiedene Atemübungen, die es dem Anwender ermöglichen, sein Prana und verschiedene Pranayama Übungen kennenzulernen. Wir laden unsere Akkus aktiv durch bewusstes Atmen auf. Mit mehr Lebenskraft gelingt es uns, Freiräume zu schaffen, Dinge abzuwehren, die unsere Lebenskraft verstimmen. Jedoch für eine ernste Beschäftigung mit dem Prana ist ein erfahrener „Pranayama Guru“ notwendig! Auch ganz wichtig ist es – nicht zu rauchen.

Gerne zeige ich dir,

in der traumhaften Umgebung von der Insel Susak, die alten indischen Lehren des Pranayamas, vom 15. bis 22. Juli 2018.

 

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Laufen im Sinne von gehen ist für mich eine der besten Yogas oder Meditationen. Oft geschieht bei vielen Leuten intuitiv und spontan ein meditativer Zustand beim Laufen, aber viele Yogis, Philosophen und andere Lehrer und Lehrerinnen kamen zur Erkenntnis dass das Laufen als eine Meditation auch bewusst praktiziert werden kann.

Seit meiner Jugend unternahm ich täglich Spaziergänge, bzw. leichte Wanderungen am Meer, auf dem bekannten 12 km langen Küstenweg Lungo Mare in Kroatien wo ich aufgewachsen bin.
Diese Spaziergänge sind für mich eine Gewohnheit geworden, ein Treffen mit mir selbst und bald sind sie ein Bedürfnis geworden, währenddessen ich meine Gedanken, Emotionen und alles was man sonst so mit sich trägt, verarbeiten und loslassen konnte.

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Diesen Prozess kann man ganz genau beobachten und er hat normalerweise mehrere Phasen. Es fängt relativ einfach, ganz logisch an; der Kreislauf wird begünstigt und es entsteht ein allgemeines Wohlgefühl im Körper. Das Gehirn wird auch „zufrieden“.

Meine Spaziergänge damals und heute waren immer ziellos, was meine potentielle Begleiter oft abschrekte, wieso kann man denn so ohne Plan herumlaufen? Eigentlich war das auch gut so, da solche Spaziergänge am besten alleine durchgeführt werden sollen, wenn du in Kontakt mit deinem Selbst kommen möchtest.

Aus einer kleinen Runde durch die Stadt entwickelte sich später eine Praxis von mehreren Stunden. Es ging einfach darum, sich vom Gehen selbst führen zu lassen, sich auf einen unbekannte Kurzreise einzulassen. Nie weiss man was so ein Spaziergang bringt. Vielleicht gar nichts, aber vielleicht wertvolle Erkenntnisse. Im Endeffekt ist das aber nicht wichtig. Es tut einfach gut, vielen Menschen würde es guttun, glaube ich.

Es machte mir Spaß, sich von meinen Beinen ganz leicht, vertrauensvoll und ohne irgendwelchen Hintergedanken führen zu lassen. Jeder Spaziergang war und ist noch immer eine kleine Überraschung, ein V-Effekt zum Alltag. Auch wenn man schon das tausende Mal den gleichen Weg genommen hat, ist er irgendwie immer neu.

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Paradox klingt es dass diese Ziellosigkeit des Gehens doch viele kurzweilige Ziele beinhaltet. Dazu führen viele verschiedene Wege und Richtungen. Die Aufmerksamkeit auf dem Weg wird von vielen Sachen aufgefangen, man nimmt bewusst oder unbewusst alles wahr. Aber mitmachen oder sich ablenken zu lassen muss man nicht, es ist ein Beobachten ohne anzuhaften oder nicht länger anzuhalten.

Die Situationen bei einem Spaziergang sind so unterschiedlich, aber irgendwann sind diese Unterschiede auch nicht mehr wichtig. Man wird ein Teil des gesamten urbanen Bildes, aber man hat die Freiheit das Bild zu bestimmen, bzw. man beobachtet wie dieses „Bild“ von alleine entsteht.

Ein halbstündiger Spaziergang, sogar in einer lauten großen Grostadt wie Berlin, kann symbolisch das ganze Leben darstellen. Du gehst von A bis B und auf diesem Weg triffst du verschiedene Menschen und Situationen. Vielleicht kommuniziere ich mich jemandem, vielleicht guckt mir jemand nicht freundlich entgegen, jemand vielleicht doch, vielleicht schenke ich die Aufmerksamkeit einer schön angezogenen Frau oder Mann, einer Mutter mit Kinderwagen, dem schreienden Baby im Kinderwagen, dem Bettler, der Polizei, hetzenden Business- Männer und Frauen, Betrunkenen, Menschen auf Drogen, Verrückten, Nonnen, Schawarmafleischlieferanten, Verliebten, Kriminellen, Rentnern, Künstlerinnen, Hunden… und so vielen anderen Formen und Existenzen… aber ich gehe einfach weiter, ohne auf einer Stelle zu bleiben (wenn das nicht nötig ist), auch ohne sich mit einem Gedanke, einer Beobachtung länger zu beschäftigen. Das nicht-anzuhaften wird durch die Bewegung leichter und kommt auf ganz natürliche Weise vor.

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Alles läuft an mir vorbei und ich laufe an Allem vorbei. Ich fühle mich dabei irgendwie ganz in mir und mit mir. Mit jedem weiteren, gleichmäßigen Schritt werde ich mehr und mehr (das wahre) ich und lasse alles was ich nicht brauche oder nicht bin, in die verschmutzte Stadtluft auflösen.

Die zweite Phase so einen ziellosen Spaziergangs lautet ungefähr: „der zufriedene Geist“ (weil etwas „geklärt“ wurde). Die Gedanken kommen hoch und werden durch die Bewegung des Laufens wie recycled; die „guten“ und „sinnvollen“ bleiben im Bewusstsein, sie entfalten sich als wahre Erkentnisse manchmal weiter, manchmal werden sie vergessen.
Was ganz interessant ist, die Gedanken die nicht so sinnvoll sind, verlieren an ihrer Bedeutung. Dann kann man manchmal beobachten dass man vor dem Spaziergang einfach Opfer der eigenen Gedanken war und nicht Herrscher seines Geistes (was eigentlich der wichtigste Ziel des Yogas ist!). Eventuell hat man sich vor dem Spaziergang mit jemandem gestritten, oder etwas unangenehmes erfahren, sich Sorgen gemacht etc. Nach dem Spaziergang (und je länger er ist, desto besser) kommt man oft auf ganz andere Gedanken. Die Wichtigkeit der Sorge relativisiert sich. Man hat vielleicht während des Spaziergangs etwas schönes erlebt, Blick einer hübschen Frau aufgefangen, Lächeln eines Kindes, etwas interessantes entdeckt. Das wichtigste ist es aber dass man wieder zu sich selbst gekommen ist und das man wieder bei sich ist und nur aus dieser weidergefundenen Mitte kann man bessere Entscheidungen treffen. Oft entstehen während Spaziergängen neue und kreative Ideen – das ist die dritte Phase.

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Man kann die Ideen, welche beim Laufen entstanden sind, aufschreiben. Es passiert oft dass sie dannach „verschwinden“. Das ist aber auch nicht so schlimm, es ist nur ein Zeichen dass sie vielleicht ein klärender Sonnenschein waren, aber nichts weiteres. Die Ideen die wirklich gut sind, werden auch ohne aufschreiben bleiben und sich vielleicht realisieren.

Dass die Bewegung zu meditativen Zuständen beibringen kann, wussten schon viele Yogis und Lehrer. Es ist für manche Menschen leichter die Hektik des Alltags so zu verarbeiten um dadurch zur Ruhe und Glückseeligkeit zu kommen. Dieses Bedürfnis sehen wir heute z.B. bei dynamischeren Arten vom Yoga. In westlichen Ländern sind sie oft deswegen entstanden, weil der westliche Mensch zu vielen Reizen ausgesetzt ist und nie gelernt hat statt sich abzulenken, sich bewusst die Zeit für sich zu nehmen. Immer muss er etwas tun, eine Leistung erbringen, so auch im Yoga. In China, Indien und Japan ist es vielleicht anders, weil es dort Meditationstechniken seit tausenden von Jahren gibt, ganz andere Umstände und Meditation und Yoga sind oft ein normaler Bestandteil des Alltags. Für den westlichen Menschen ist eine dynamische Bewegung die Brücke zur Meditation und irgendwann kommt eventuell die Zeit wo das auch ohne diese dynamische Brücke möglich ist.

Natürlich ist es schöner in einem Wald oder irgendwo in der Natur zu laufen, aber in einer lauten Stadt wird man trotzdem die meditativen Effekte eines Spazierganges spüren können. Das-Laufen-durch-die-Stadt-Sadhana ist genauso wie Yoga an ausgefallenen Orten, ein toller Wegweiser.

 

 

Die Kraft liegt definitiv in der Entspannung

In meinen Yogastunden verwende ich oft Wörter wie: „Alles entspannen“, „loslassen“ oder „lass im ganzen Körper los“. Manchmal gehe ich mir selbst auf die Nerven, aber es ist ein Teil von mir geworden und ich selbst muss mich daran immer wieder erinnern.
Für Anfänger im Yoga ist es oft schwer zu entspannen weil der Fokus auf der Ausführung von Asanas liegt („Mache ich das richtig?“, „Schaffe ich das?“). Es ist aber auch für Menschen die schon lange Yoga machen, schwer richtig und wirklich, tatsächlich zu entspannen. Durch Yoga wird man nicht vom Leben geschohnt! Eine rosa Yogamatte ist keine Garantie dass dich dein Leben nie wieder herausfordern wird.

Der Körper und der Geist speichern alles und verarbeiten ständig, auch wenn man das nicht will. Gerade deswegen ist die Entspannung von unglaublicher Wichtigkeit für unseres eigenes, und nicht nur unseres eigenes, Wohl.

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Es ist nicht leicht, das ganze Leben einfach so „zu entspannen“. Seit der Geburt ist man ständig in einer Art Anspannung. Durch das Leben, besonders in einer Großstadt, durch alle Umstände und Besonderheiten des Lebens, vergessen wir zu entspannen und bleiben zu oft im Modus der Abwehr oder Flucht.

Ich merke dass mir die Tage um Weihnachten und Silvester sehr gut getan haben, obwhol ich Yoga im Sinne von Asanas (Yogahaltungen) nicht gemacht habe. Diese Tage kann man eher als tamasisch beschreiben; Tamas ist in Sanskrit das Wort für die „dunkle“ Eigenschaften wie z.b. Trägheit, Faulheit oder Lethargie. Eigentlich keine wünschenswerte Eigenschaften, aber es ist falsch zu behaupten, dass sie nicht in Ordnung sind. Sie sind ein Teil des Kreises welcher nach der yogischen (und auch ayurvedischen) Lehre, aus Tamas, Rajas und Sattwa besteht. Rajas ist die Eigenschaft der Aktivität / Bewegung und Sattwa ist die Eigenschaft der Ausgeglichenheit und Frieden.

Wir streben zum Sattwa, aber das ist oft so schwer, auch deswegen weil wir nicht ausreichend entspannen und loslassen können. Im Leben wird es immer zu reibungen kommen, auch wenn wir im Sattwa Zustand sind. Aber je mehr wir in diesem Zustand sind, desto mehr können wir unsere Reaktionen auf die Umgebung entsprechend ändern.
Für viele ist es nicht leicht mit der Entspannung, oder vom Außen gesehen, mit dem Nichtstun klarzukommen. Wir sehen oft nicht dass das Nichtstun eigentlich ganz schön Vieltun ist. Das ist eine Zeit der Vorbereitung und Sich-sammeln. Eine absolut notwendige Zeit. Manchmal darf man sich sogar gehen lassen, besonders wenn man ein Mensch ist der ständig etwas tun muss um sich von sich selbst abzulenken, wenn man arbeitssüchtig oder zum Burn Out neigt.

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Yoga und die Entspannung beim Yoga ist ein Weg zur mehr Entspannung im Leben. Eine Yogastunde besteht aus Asanas, also Yogakörperhaltungen, aber das wichtigste ist eigentlich die Endentspannung wo man einfach auf dem Rücken liegt und versucht sich nicht zu bewegen und nicht einzuschlafen wenn es geht (aber einschlafen ist, für mich, auch ein gutes Zeichen; wenn der Körper es so will, dann hat er es auch dringend gebraucht!).

Es gibt Menschen und Yogastunden wo man schon vor der Endentspannung rausgeht oder man hat keine Zeit oder Umstände dafür. Damit verpasst man einen sehr wichtigen, wenn nicht den wichtigsten Teil des Yogas. Erst in dieser Endentspannung fängt Yoga eigentlich zu wirken!  Und hält danach. Damit unterscheidet sich Yoga auch vom Sport, Fitness oder Entertaintment.

Ohne Endentspannung kann es zu kleineren „Nebenwirkungen“ kommen, es fehlt etwas, dieser langsamer Ausgleich, ein natürlicher Prozess wird unterbrochen. Shavasana (Totenhaltung) schließt eine Yogapraxis ab und regeneriert auf allen Ebenen. Ganz schön ist es zu beobachten wie sich dabei die Gehirnwellen verwandeln, in einen tieferen Zustand kommen wo man den Zugriff auf das Unterbewusstsein und Intuition hat.

Je tiefer die Entspannung, desto tiefer ist der heilende Effekt des Yoga.

Eine richtige Entspannung ist wie eine leichte Trance, aber gleichzeitig vollkommene Präsenz. Eine richtige Entspannung unterscheidet sich von einer Ablenkung (weiterer Reizüberflütung) in dem man merkt dass man gelassener auf die Lebensumstände reagiert. Eine tiefe, Entspannung gibt auch manchmal neue Ideen und Lösungen, sie kommen oft im Zustand wo man das Rationale so viel wie möglich ausschließt. In einer richtigen Entspannung kommt man auf das Wesentliche und lässt los, was nicht (mehr) wichtig ist.

Hier sind ein Paar kurze, praktische Übungen für verschiedene Entspannungen, beim Yoga oder auch woanders:

1. Fühlst du dich aufgeregt, atme in den Bauch hinein. Höre besonders deine Ausatmung dabei.
2. Um zu entspannen, fange mit kleinen, aber sehr wichtigen Schritten. Schließe die Augen. Entspann die Augen – bewusst. Was hast du davon wenn du die Augen schließt aber sie weiter auch geschlossen unruhig bleiben?
3. Richte den Blick nach innen, schau liebevoll zu dir selbst. Vielleicht glaubst du dass du im Leben nicht alles richtig gemacht hast, aber jetzt, in diesem Moment in dem du die Augen geschlossen hast, ist alles richtig so wie es ist, weil es nur jetzt gibt. Sonst wärst du auch nicht hier. Und auch nicht jetzt.
4. Lass dir Zeit um wieder einzuatmen oder halte für ein Paar Momente die Luft nach dem du eingeatmet hast. Nimm diese Milisekunden des nicht-Atmens wahr. Die Momente zwischen Ein- und Ausatmen und Momente zwischen Aus- und Einatmen. (Diese Übung solltest du aber nur dann machen wenn du dich dabei 100% wohlfühlst.)
5. Vor dem Schlafen gehe bewusst durch deinen Körper und entspanne Schritt für Schritt den ganzen Körper oder kürzer: lass deinen Körper so entspannen als ob er mit der Matratze verschmelzen möchte, lass dich fallen. Du wirst merken wie angespannt du warst – ohne es zu merken!