Yoga Arbeit

Wenn mich jemand fragt was ich beruflich mache und ich Yoga erwähne, sind die meisten begeistert und glauben, meine Arbeit besteht aus Entspannung. Wie schön das ist im Vergleich zu einem (langweiligen) Büro Job oder einer Arbeit auf der Baustelle. Ich kann euch aber vergewissern, dass Yoga Arbeit anstrengender und anspruchsvoller sein kann, genauso wie viele andere Jobs.

Yoga Arbeit ist, eine 24 Stunden Arbeit. Yogalehrende bereiten sich, sozusagen, den ganzen Tag und Nacht für ihre Kurse. Yogastunden selbst sind das einfachste – und das ist das was die Leute von außen mitkriegen, eine schöne Yogastunde. Aber wie viel Arbeit noch dahinten steckt, das ist unsichtbar. Nicht nur die Vorbereitung einer Yogastunde oder Workshops, geschweige eines Retreats, mit Material, Informationen, Organisation und Werbung, der Yogalehrer selbst muss sein Prana Niveau auf dem höchsten Stand halten und selbst auf dem Yogaweg immer voran kommen.

Für hohe Schwingungen der eigenen Lebensenergie oder Prana, muss man ein persönliches Yogaprogramm in den Alltag einbauen. Die meisten Yogalehrende, haben einfach keine Zeit dazu, zumindest nicht 2x täglich 90 Min oder länger. Man hätte eventuell Zeit dazu, wenn man einfach nur ein Yogi sein könnte. Wer ist das heute schon, ausser vielleicht Reinhard Gammenthaler und noch ein Paar ursprünglichen Yogis in Indien?

Viele glauben auch dass Yogalehrende schon sehr fortgeschrittene oder erleuchtete Menschen sein sollen, ohne persönlichen Probleme und Herausforderungen, Menschen die Geheimnisse des Lebens kennen und sie den anderen beibringen können. Sie glauben, Yogalehrende kann nichts mehr aus der Bahn werfen, sie glauben gerade deswegen unterrichten sie Yoga oder wollen sie es den anderen beibringen um Frieden zu verbrieten.

Dem ist es leider nicht (mehr) so. Die Zeiten haben sich geändert, somit ist auch Yoga als Business entstanden und ist nicht nur Licht und Liebe. Und wenn wir vom Yoga als Business heute überhaupt sprechen, dann sind es die Asanas, ein Bißchen Atemübungen und die Entspannung im Shavasana im Yogastudio. Obwhol Yoga z.B. mit Feldenkrais und anderen Arten von ernster spiritueller Körper-Arbeit vergleichbar ist, wird es oft als Sport verstanden, was viele Verwirrungen und Mißverständnisse hervorruft. „Dir tut es bestimmt auch gut!“ sagen einige und meinen damit: „es ist auch gut für dich sportlich zu bleiben“.

Yoga Arbeit ist auch eine physische Arbeit, nicht nur durchs Demonstrieren von Asanas, in Yogastunden die oft mehrmals hintereinander stattfinden. Wenn man kein eigenes Studio hat, dann fährt man oft mehrmals täglich von einem Stadtteil zum anderen, das kann viel Stress bereiten. Korrigieren kann ebenfalls anspruchsvoll sein, aber was mich persönlich immer ganz müde macht, ist: Asanas machen und dabei zu reden. Ein Yogalehrender kann beim Zeigen von Yogahaltungen nicht genießen wie man sich das vielleicht vorstellt. Eigentlich strengt man sich sehr um Asana und Reden zu kombinieren. So nehmen Yogalehrende von den wohltuender Wirkung ihres eigenen Unterrichtens nur ganz wenig, wenn überhaupt etwas, auf.

In der Bihar School of Yoga wird empfohlen, beim Yogaunterrichten nur zu reden.

Eine Lösung wäre einen Assistenten oder Assistentin dabei zu haben und dazu noch ein Paar Assistenten für die Korrekturen. Manchmal hat man das bei Yoga Ausbildungen und Yoga Festivals, aber wer ein Yogastudio alleine betreibt, kann sich so viele Angestellten nicht leisten. Die meisten Menschen die zum Yoga kommen sind „visuelle Typen“ und möchten sehen und nicht nur hören, wie man ein Asana macht. So übernimmt eine Yogalehrerin drei Tätigkeiten gleichzeitig.

Lehren und Lernen sind interaktive Tätigkeiten, es ist immer ein Prozess welcher gebend und nehmend ist, von beiden Seiten. Von den Schülern lernen die Yogalehrenden wo und in welchem Bereich sie sich verbessern können. Schüler lernen von den Lehrenden nicht nur die korrekte Ausführung der Asanas sondern auch viel über Geduld, Demut und Selbstvertrauen.

Manchmal klappt es mit der Yogagruppe und Lehrerlnnen von Anfang an perfekt und die guten Vibes werden beidseits gespürt. Manchmal aber, werden Yogalehrende Projektionsflächen. Die Tatsache ist dass jeder, der mit Menschen arbeitet, enorm viele Schwingungen anderer aufnimmt und oft nicht weiss, wie man sie verarbeiten kann. Leider wird das während der meisten Yogaausbildungen nicht gelehrt (oder vielleicht inzwischen schon).

Die meisten Yogalehrende sind auch oft sehr einfühlsame und hochsensible Menschen, die selbst nicht wissen wie sie sich besser schützen können und diese Energien verarbeiten können. Manchmal fühlt man sich nach einer Yogastunde erschöpfter als sonst oder braucht doppelt so viel Zeit um sich zu regenerieren. (Wie du das machen kannst, werde ich in einem der nächsten Artikel schreiben).

Die meisten Yogaschüler respektieren schon die Grenzen eines Yogalehrers oder Yogalehrerin und sind froh von jedem etwas zu lernen. Das ist eine ideale Einstellung, jedoch gibt es immer ein Paar die gerade in einer Yogastunde ihre Selbstbestimmung demonstrieren wollen und zum Yoga kommen eher um ihre eigenen Übungen zu machen. Der Yogalehrende wird eher als eine Art Autorität angesehen, welche zu bekämpfen ist.

Für Yogalehrende ist es wichtig, klare Grenzen zu zeigen, auch wenn sie nicht unbedingt mit Gandhi-Lächeln begleitet werden. Kommentare, Erwartungen und Wünsche anderer haben mit ihnen in den meisten Fällen gar nichts zu tun. Diese Verhältnisse weichen nach einer Kennenlernphase und Erkenntnisprozessen ab, jedoch kommen zu Yogastunden immer neue Yogainteressierte, mit ihrem Päckchen an Erwartungen und Vorstellungen und alles geht wieder von vorne an. Dazu kommen auch die Vorstellungen über Yoga die in den letzten Jahren des Yogabooms enstanden sind, ein Yogalehrer ist nur ein Leistungserbringer und der Kunde hat immer Recht.

Yoga Arbeit, kann SCHON, auch für Yogalehrende wohltuend sein, aber nicht wegen Asanas, Pranayama oder Meditation im eigenen Unterricht, sondern einfach wegen der Arbeit mit Menschen. DAS ist was diese Arbeit doch so schön macht! Es macht uns fröhlich, wenn wir sehen dass ein Asana oder die ganze Yogastunde jemandem gut getan hat und wie voller Energie und Freude jemand nach Hause geht. Es freuen uns Fortschritte jedes einzelnen Teilnehmer oder wenn jemand erzählt dass die Schmerzen, die früher vorhanden waren, jetzt verschwunden sind. Oder wenn jemand einfach wie ohne Grund, glücklicher und zufriedener geworden sind. Das sind die richtigen unbezahlbaren Effekte des Yoga Unterrichtens.

PLOCICAadlernova

Werbeanzeigen

Sein und haben

Die Sprache ist ein mächtiges Instrument, jedoch werden viele Begriffe oft verwechselt, bzw. ihre wahre Bedeutung und Anwendung nicht richtig angewendet. Besonders auf dem spirituellen Weg ist eine genauere Beobachtung der Wörter und deren Bedeutungen wichtig und wie wir sie benutzen.

Ein Paar Beispiele:

Ich bin Andreas.

Ich habe Kopfschmerzen.

Ich denke.

Du fühlst.

Natürlich haben sich in der Sprache manche Sachen einfach verselbständigt und wir verstehen schon worum es geht, aber lass uns entwas genauer anschauen was man damit sagen wollte.

„Ich bin Andreas.“

Andreas ist ein Name, also bin ich der Name? Andreas ist auch eine Person. Weiss Andreas überhaupt was er ist, wer er ist, was für eine Person? Was macht eine Person aus, was macht Andreas als Person aus? Wir können keine klare Vorstellung haben, was Andreas ausmacht und wer Andreas ist, auch wenn er uns 100 Mal „Ich bin Andreas“ sagt. Genauer könnte er sagen: „Ich heisse Andreas.“ oder „Mein Name ist Andreas.“ Das ist eine genaue Beschreibung der Tatsache und damit können wir mehr anfangen. Zum Beispiel: „Du heisst Andreas, aber weiss du wer oder was du bist? Bist du dein Beruf? Eine Rolle im Leben? Vater, Freund, Angestellter? Wer oder was bist du eigentlich?“ Darauf gibt es nicht eine einfache Antwort ausser man ist von Geburt an erleuchtet oder sich schon mit Jnana Yoga eine Weile beschäftigt hat.

„Ich habe Kopfschmerzen.“

Wenn wir dieses „ich“, nicht mit Körper, Geist oder Ego identifizieren, kann dann das „ich“ Kopfschmerzen haben? Eine genauere Beschreibung wäre: „Ich oder „das ich“ erfährt gerade Schmerzen im Kopf, einem Teil des Körpers“. Wir besitzen, haben unseren Körper und momentane Schmerzen des Kopfes sind wie ein Päckchen was wir eine Weile mit sich tragen müssen, aber unser „ich“ ist noch immer da, unberührt vom Schmerz. Genauso ist das „ich“ von Freude oder einem plötzlichen Glück unberührt, weil was oder wer sich freut oder trauert, ist das Ego. Das erfahren des wahren Ichs ist mit einer großen Freude und Glückseligkeit verbunden, aber nicht davon abhängig oder nicht identisch damit.

„Ich denke.“

Das ist ein tiefgreifender Satz. Wer oder was ist ich? Wer oder was ist das was denkt? Wer denkt? Sogar die Fragen bieten auch eingeschränkte Möglichkeiten für die Antworten. Bin ich der Geist der denkt? Und wenn ja, was ist der Geist? Bin ich das Gehirn, in dem Gedanken produziert werden? Bin ich der Geist, in dem Gedanken produziert werden?

Oder: Habe ich das Gehirn? Habe ich den Geist? Wenn ich das alles habe, wo ist denn das „Ich“? Wo befindet sich dieses „ich“? Offensichtlich ist das „etwas“, was den Geist und seine unaufhörliche Tätigkeit – Gedanken zu produzieren – wahrnehmen kann. Das „ich“ nimmt den Geist wahr, dann kann das „ich“ nicht der Geist sein, es kann den Geist nur haben! Obwhol wir uns tagtäglich mit unserem Geist identifizieren und glauben, wir seien der Geist oder wir seien unsere Meinungen.

Die Übersetzung von „Ich denke“ könnte sein: „Das ich nimmt Gedanken wahr.“ oder „Ich – das was ist – beobachtet gerade Gedanken, die im Geist, wie auf einer Kinoleinwand, kommen und gehen.“

All diese Fragen sind nicht nur reine Philosophie, sie kommen aus einem Zweig des Yoga, welches Jnana Yoga heisst, Yoga der Erkenntnis. Jnana Yoga kann manchmal anstrengender als Asanaüben werden, weil es uns zwingt, Identifikationen allem was im Leben durch Erziehung, Schule und Erfahrungen angehäuft wurde, loszulassen. Jnana Yoga heisst, „das wahre ich“ zu erfahren, das wahre Selbst zu erkennen.

„Du fühlst.“

Fühlst Du wirklich, oder erfährt dein Körper oder Geist gerade etwas? Das „ich“ kann eigentlich nicht fühlen, wir glauben nur dass ein abstraktes „ich“ etwas fühlt. Wir wissen nicht mal was oder wer wir sind. Haben die meisten Menschen überhaupt Lust, Kraft und Interesse, mit existentiellen Fragen sich zu beschäftigen? Wer weiss schon ganz genau was oder wer man ist?

„Es“ oder das „ich“ oder „das was ist“,  kann ein Gefühl, ein Geschehnis wahrnehmen. Das „ich“ beobachtet und, mittels Körper, Geist und Sinne, erfährt. Das „ich“ kann nicht direkt fühlen, denken oder irgendetwas machen, ausser zu sein! Das „ich“ IST einfach, ohne Schnick-Schnack. Es muss nichts tun, nirgendwohin gehen oder bleiben, es hat kein Geschlecht, es kennt keine Zeit und Raum, es ist hier und überall, untrennbar, es war, es ist und es wird. Gefühle sind nur vorübergehende Wetterlagen, Stürme oder Sonnenschein, aber oft identifizieren wir uns auch mit unseren Gefühlen. Oft nehmen wir etwas Vergängliches als Wahrheit.

Die Erkenntnis, dass man das ist, was Nicht-Vergänglich ist, heisst es: Sat-Cit-Ananda (das bewusste Sein, die Erfahrung des grenzenlosen Seins. Sat ist die Wahrheit, Cit ist das Wissen, Ananda ist die Glückseligkeit, möglicherweise aus dem Wort Ananta gekommen, was Unendlichkeit beduetet.

„Das Sein“ ist immer frei. Nur unsere Identifikationen, Anhaften an das Äußerliche, an unsere Gedanken, an Bedürfnis ständig Strukturen zu finden, die etwas erklären sollten. Es macht Angst, keinen Boden unter den Füßen zu spüren oder leer zu sein und nichts zum anlehnen zu haben, zumindest einen Standpunkt, etwas vorauf man sich verlassen kann, Herkunft, Land, Bücher, Gesellschaft. Deswegen wollen auch viele Menschen keine Freiheit, weil sie nicht wissen, was sie damit anfangen sollen. Die meisten Menschen werden nicht zur Freiheit erzogen, in der Schule lehrt man nichts darüber. Es wird eher dazu gezwungen sich anzupassen und zu glauben dass man nicht genug so ist, wie man schon ist. IST.

Freiheit zu erfahren ist auch eine Übung, eine andauernde Yogaübung! Auch ich übe ich mich noch, aber immer mit mehr und mehr Vergnügen.

Um ungefähr dir vorstellen zu können, was Jnana Yoga ist, sowie den Unterschied zwischen haben und sein, empfehle ich Videos von Mooji.

 

Yoga Retreats damals und heute

Retreats oder Rückzüge gab es schon immer, als eine religiöse oder spirituelle Praxis. Das konnte individuell in Klöstern oder auch in Form von einer Versammlung der Gleichgesinnten stattfinden. In beiden Fällen ging es um einen Abstand vom Alltag zu gewinnen, um nachzudenken und die spirituelle Praxis zu vertiefen, die Worte des Gurus zu hören, sich in einer spirituellen Gemeinschaft „weiter zu entwickeln“.

Yoga Retreats gab es früher meistens nur in Ashrams (klösterähnlichen spirituellen Zentren, ursprünglich in Indien). Es ging oft um einen längeren Aufenthalt, manchmal jahrelangen. Es gab, damals wie heute, die Möglichkeit als „Karmayogi“ in einem Ashram zu arbeiten um dafür Essen und Unterkunft zu bekommen und am Programm teilzunehmen. Aber auch einfach so, als Yoga- oder Medtiationsinteressierte, kann man in den Ashrams eine längere Zeit verbringen. Indische Art von Ashrams und spirituelle Kommunen haben sich schnell in der ganzen Welt verbreitet.

Populär waren und sind noch immer z.B. Maditation-Retreats in buddhistischen Ashrams wie z.B. Vipassana Meditation und auch Yoga / Ayurveda Retreats in Indien. Die Teilnehmer tauchen in das spirituelle Leben tiefer ein. Es ist eher eine besondere Entscheidung und nicht ein Urlaub. Man kann sich nicht so leicht oder beliebig für etwas anderes entscheiden, auch wenn es jemandem nicht so wirklich gefällt. Oft wird so ein Aufenthalt als ein Test, eine Übung fürs Ego angesehen und nicht als eine Entspannung oder Wellness. Die inneren Konflikte, werden als ein Prozess, das „eigene Thema“ oder Mißverständnisse mit anderen Teilnehmern als „eigener Spiegel“ angesehen.

Die meisten heutigen Yoga Retreats, welche ungefähr in den letzten, höchstens 10 Jahren in der ganzen Welt angeboten werden, sind eher ein Urlaub mit Spuren von einem Retreat, weil ein Yoga Retreat von heute meistens nur eine Woche dauert. Die Grenzen zwischen einem Urlaub und Retreat sind nicht mehr so klar, bzw. ein Urlaub wird Retreat genannt.

Man muss heutzutage nicht mehr in eine weit entfernte Kommune oder Ashram gehen um sich zurückzuziehen. Yoga und Meditation Retreats können sogar in einer Großstadt stattfinden. Ein Yoga Retreat oder Urlaub mit Yoga, sowie nur ein Wochenende mit Yoga ist heutzutage jedem zugänglich geworden, was sehr gut ist, aber anderseits hat es an der Bedeutung vom Retreat verloren.

Sicherlich ist eine Reise mit Yoga ein Erlebnis, aber es ist eher unmöglich, in nur einer Woche die Wirkung eines Retreats tiefer zu erleben, bwz. seine langfristige Wirkung zu spüren, ausser man übt schon länger Yoga und sieht so ein Retreat als eine Abwechselung und Vertiefung der eigenen Yogapraxis. Retreats heutzutage, sind eher Tage mit Yogastunden, gutem Essen, vielen Gesprächen und der Kontakt mit den „Reizen der Außenwelt“ ist locker.

Bei jeder spirituellen Praxis, dauert es mindestens 21 Tage bis sich der menschliche System auf neue Einflüsse und Energie gewöhnt, oder sie im „eigenen System“ befestigt, verinnerlicht. Erst nach dieser Zeit beginnen sich die Wrkungen überhaupt zu entfalten. Alles was vor diesen 21 Tagen passiert, sind nur Spuren, die kleinen Impulse vom Yoga. Verkürzte Angebote und größere und schnellere Reisemöglichkeiten haben es geschafft, Yoga auch in so eine kurze Zeitspanne, effektvoll anzubieten und doch einen kleinen, aber wichtigen Rückzug zu ermöglichen. Jedoch ist es unehimlich wichtig, besonders für Menschen die im Yogaurlaub oder einem Retreat mit Yoga erst angefangen haben, Yoga weiter zu praktizieren.

Die meisten Retreats heutzutage sind nur ein kleiner Ausflug in die Welt des Yoga. Trotzdem ein schöner!

fullsizeoutput_cee

Yoga Retreats 2008-2018, ein Rückblick zum Jahresende

Wenn ich auf die vergangenen Jahre zurückblicke, denke ich: „Hey das war gar nicht mal so schlecht!“ und bin unheimlich stolz auf mich. Vielleicht hört sich das etwas überheblich an, aber ich bin aus diesen Gründen stolz:

1. trotz einer geringer Anzahl der jährlichen Retreats, habe ich damit nicht aufgehört

2. auch wenn mir ein Retreat kein finanzielles Vermögen gebracht hat, blieb ich dabei, weil es mir Spaß machte

3. es hat mein fast verlorenes Vertrauen in Menschen, Natur, Universum und mich selbst gestärkt

4. es hat mir gezeigt, dass wenn Dinge aus dem Herzen geplant werden, auch tatsächlich stattfinden!

Und so fing es an:

2008

In diesem Jahr wurde die Idee von Yoga Retreats in Kroatien geboren, sowie meine freiberufliche Yoga Arbeit unter dem Namen „Der kleine Tempel“. Da im Jahr 2008 Werbemöglichkeiten eher beschränkt waren und Social Media noch nicht in diesem Maße wie heute entwickelt war, kam zum Retreat nur eine Person! Eine aber feine. Wir machten Yoga in Lovran, am frühen Morgen, mit dem Ausblick zur Kvarner Bucht.

Lovrangradskoamfruehenmorgen

Lovran Strand beim Sonnenaufgang

2009

Ich entdeckte das Yoga Retreat „Suncokret“ welcher schon damals ein der ersten Retreats in Kroatien und Europa war, als ein fester Ort für alle Yogainteressierte, auf der Insel Hvar. Ich weiss nicht woher ich den Mut gesammelt habe, dort ein Kirtan Retreat anzubieten. Wer noch nicht weiss, Kirtan ist eine besondere Art des Mantrasingens, oft mit Instrumenten begleitet. Der „Kirtanleader“ singt die erste Strofe und die Gruppe wiederholt dann diese Strofe. Und so geht es weiter, bis man fast in eine Art Trance fällt oder zumindest in eine Art der Glückseeligkeit.

Es ist schon mehrfach nachgewiesen dass Singen allgemein heilsam ist oder sein kann. Wie unterscheidet sich dann das Mantrasingen vom Singen allgemein?

Melodie und Töne können verschiedene Veränderungen im Gehirn aufweisen, positive wie negative, guttuende oder nicht-so-gut-tuende. Es ist schon ein Unterschied wenn man schöne und unterstützende Worte hört und aufnimmt oder zerstörerische.

Die alten Rishis waren die Weisen, die „Seher“ und die „Wissenden“. Wie das oft in der Religion oder Spiritualität ist, die heiligen Texte werden manchen Menschen einfach – offenbart. Nicht umsonst heisst Sanskrit Devanagari Sprache oder die Sprache der Götter. Damit meinten sie nicht (wie oft in anderen Religionen vorhanden) bestimmte Regeln, sondern die Eigenschaften jeder Silbe! Die Silben verbinden sich nach bestimmten Regeln und verursachen bestimmte Wirkungen. Wörter verbinden sich in Hymnen und Aufrufe (die man noch heutzutage auf Ganges bei Ritualen hören kann). Jedenfalls wussten die Rishis von der Wirkung des Klangs aufs Gehirn und nicht nur das, sie wussten das der Klang eine Schwingung ist, welche auf die Materie wirken kann.

Ein Klang, wenn richtig eingesetzt, kann etwas verändern, „in Tune“ bringen. So bringen wir uns mit richtig gesungenen und eingesetzten Mantren auch „in Tune mit dem Universum“.

Kirtan ist auch eine Art Reinigung. Es werden (oft unnötige) Gedanken, Bilder, Muster und Samskaras (Eindrücke die in der Unterbewusstseins-Festplatte gespeichert wurden) „gereinigt“, wie wir sonst z.B. unsere Computer reinigen. Jedoch es muss unterschieden werden: ob man damit etwas nur unterdrückt hat oder etwas richtig gelöscht, bzw. besser gesagt, transformiert hat.

hvar2009kirtanworkshop

Kirtan Workshop 2009, Photoquelle: Suncokret Body and Soul Retreat, Insel Hvar

 

2010

Im Jahr 2010 waren Yoga Retreats etwas populärer geworden, so bekam ich ein Paar mehrere Interessentlnnen für mein Yoga Retreat in Lovran und ich bot wieder ein Yoga Retreat im „Suncokret“ auf der Insel Hvar an. Diesmal ging es um die „Wirkung der Asanas auf körperlichen und geistigen Ebene“. Hier kam mir intuitiv das Bedürfnis, Asanas in einem Kreis auszuführen und ich merkte, dass die energetische Wirkung dann anders ist. Menschen spüren dadurch stärker, dass sie ein Teil des Ganzes sind und dass man nicht immer auf sich alleine angewiesen ist, sondern dass man durch die Beziehungen und Zusammenhalt viel lernen und viel bewegen kann. Es war für mich selbst eine wunderbare lehrreiche Erfahrung.

HVARYoga2010lijepaworkshop

Photoquelle: Suncokret, Body and Soul Retreat, Insel Hvar 2010

 

2011

In meinem letzten Schwangerschaftstrimester mache ich noch Yoga am Strand in Lovran mit netten österreichischen Teilnehmerinnen 🙂

YogaLovran2011meditation2Yoga und Meditation in Lovran, 2011

 

2012 und 2013

Da ich selbst zum zweiten Mal frisch gewordene Mama wurde, biete ich in den zwei folgenden Sommer Retreats für Familien an, wieder in meiner Heimat, der Kvarner Bucht. Yoga mit Kindern und Eltern kann in einer Familie systemisch auch viel verändern!

 

2014

Ein Retreat in Crikvenica, mit Yoga Nidra geführt von Yogalehrerin und Architektin Nives, wunderbare Ausflüge nach Insel Krk und wie immer, das tolle vegetarisch-veganes Essen nach Fünf-Elemente-Küche. Und ja, ein Lavendelflechten Workshop war auch dabei.

Yoga Retreat mit Chakra Workshop und Yoga Nidra, Crikvenica 2014

 

2015

Einer der unvergesslichen Retreats war sicherlich Yoga und Zhineng Qi Gong Retreat mit Anita Ilicic in Brsec, wieder in meiner Heimat Kvarner Bucht. Das Haus mit einem fantastischen Ausblick, von einem der bekanntesten kroatischen Künstlern – De Karina – wird sich für immer in unsere Erinnerungen einprägen: schlafen unter den Sternen, die Sonnenaufgänge, der Ausflug nach Rovinj und viele andere, unbezahlbare Momente…

Yoga und Zhineng Qi Gong, Brsec 2015

2016

Ein Yoga und Zen Meditation Retreat mit Benjamin Rakidzija und Yoga und Zhineng Qi Gong Retreat, wieder mit Anita Ilicic, diesmal auf der anderen Seite des Ucka Gebirge, oberhalb von Lovran. Viel Wandern, Ausflug nach Beli auf der Insel Cres, ruhige Nächte weit weg vom touristischen Trubel, Wandern im Ucka Gebirge…

Yoga, Zen Meditation, Qi Gong und Wandern im Ucka Gebirge

2017

Im Jahr 2017 entscheide ich mich wieder für Dalmatien und diesmal eine andere Insel – Korcula. Ich entdecke die wunderbaren Leuchttürme Kroatiens und biete ein Yoga Retreat auf einer Leuchtturm-Insel und in Lumbarda auf der südöstlichen Seite der Korcula Insel. Die Besonderheit des Retreats auf der Leuchtturm Insel ist, dass die ganze Insel während der Woche der Yogagruppe „gehört“ und das ist ein Retreat oder der Rückzug vom Alltag oder Zivilisation, im wahrsten Sinne des Wortes!

Yoga und Self Inquiery Meditationen, 2017

2018

Wiederholung des Vorjahres: Leuchtturm Insel mit Self Inquiery Meditationen und Lumbarda mit Mudra Workshop geleitet von Tomislav Madjar, Wiederentdeckung des Partneryogas und Asanas im Kreis. Und eine Neuentdeckung: Insel Susak, mit Yoga im Weinbaufeld!

Insel Susak mit exotischen Sandstränden und fantastischen Wandernwegen
Plocica und Lumbarda Retreat 2018

 

Wie es im 2019 aussehen wird, weiss ich noch nicht. Ich plane oft spontan und es muss mit meinem inneren Gefühl resonieren. Ich vermute, ich bleibe wieder in der Kvarner Bucht, aber es zieht mich auch zu meiner zweiten dalmatinischen Heimat Novigrad in der Nähe von Zadar an.

Jedenfalls wünsche ich euch ein tolles neues Jahr! Vielleicht sehen wir uns in Kroatien!

Atme deinen Geist

Warum ist das Atmen im Yoga so wichtig?

Erstens, ist das tiefe Atmen durch Stress, Umweltverschmutzung und hektisches Leben fast nicht mehr möglich. Das tiefe Atmen wird einfach vergessen, verlernt und mit Yoga kann es wieder erlernt werden.

Zweitens, jeder Atemzug steht im Yoga in direkter Verbindung mit dem Geist oder sagen wir mal, mit der Substanz des Geistes. In Yoga wird sie Vrittis genannt. Es gibt so viele Vrittis oder Bewegungen des Geistes dass wir sie alle nicht bewusst wahrnehmen können…Es arbeitet ständig.

Da die Yogis schon vor tausenden von Jahren festgestellt haben das der Atem in direkter Verbindung mit dem Geist und, besser gesagt, mit dem Zustand des Geistes ist, fangen sie an bestimmte Meditationen durchzuführen, was ihnen ab einem Zeitpunkt ermöglicht hat festzustellen dass der Geist ein Tool ist, aber nicht die Essenz des menschlichen Wesens. Mit Pranayama konnten sie ihr Prana (die Lebensenergie) und im Endeffekt auch ihr Leben, steuern.

Vielen ist bekannt, dass so wie wir denken so können wir werden. Aber vielen ist nicht bekannt dass der Atem unseres Denken verändern kann. Deswegen sagte Patanjali, ein Yogi der als erster Yogaweisheiten in Yogasturas niedergeschrieben hat, dass „Yoga´sch chitta vritti nirodhah“ ist (Yoga ist das „zur Ruhe Bringen“ der Bewegungen im Geist.) Damit meinte er unter Yoga nicht nur Asanas (Yogakörperhaltungen, bzw. Yoga wie wir es heute meistens kennen) sondern auch Atemübungen und Meditation, was auch nicht als getrennt angesehen werden kann.

Unter Stress atmen wir unser Leben aus uns heraus. Unsere Lebensenergie wird leichter verloren. Wir veratmen unser Prana (die Lebenskraft, die Energie, die in uns steckt). Wir möchten aber das Leben einatmen und leben! Die erste Übung die uns dazu bringt ist tief in den Bauch einzuatmen und spüren wie der Sauerstoff das ganze Becken füllt. Jedem ist auch das Gefühl bekannt wenn man mit voller Lunge einatmet, ein Gefühl der Erleichterung oder sogar Freude und Zufriedenheit ist automatisch vorhanden. Dazu kann zum Beispiel die vollständige yogische Atmung verhelfen.

Yoga, so wie ich es praktiziere, beinhaltet verschiedene Atemübungen, die es dem Anwender ermöglichen, sein Prana und verschiedene Pranayama Übungen kennenzulernen. Wir laden unsere Akkus aktiv durch bewusstes Atmen auf. Mit mehr Lebenskraft gelingt es uns, Freiräume zu schaffen, Dinge abzuwehren, die unsere Lebenskraft verstimmen. Jedoch für eine ernste Beschäftigung mit dem Prana ist ein erfahrener „Pranayama Guru“ notwendig! Auch ganz wichtig ist es – nicht zu rauchen.

Gerne zeige ich dir,

in der traumhaften Umgebung von der Insel Susak, die alten indischen Lehren des Pranayamas, vom 15. bis 22. Juli 2018.

 

man posing on sea shore during daytime

Photo by Pixabay on Pexels.com

Durch-die-Stadt-laufen-Sadhana

Laufen im Sinne von gehen ist für mich eine der besten Yogas oder Meditationen. Oft geschieht bei vielen Leuten intuitiv und spontan ein meditativer Zustand beim Laufen, aber viele Yogis, Philosophen und andere Lehrer und Lehrerinnen kamen zur Erkenntnis dass das Laufen als eine Meditation auch bewusst praktiziert werden kann.

Seit meiner Jugend unternahm ich täglich Spaziergänge, bzw. leichte Wanderungen am Meer, auf dem bekannten 12 km langen Küstenweg Lungo Mare in Kroatien wo ich aufgewachsen bin.
Diese Spaziergänge sind für mich eine Gewohnheit geworden, ein Treffen mit mir selbst und bald sind sie ein Bedürfnis geworden, währenddessen ich meine Gedanken, Emotionen und alles was man sonst so mit sich trägt, verarbeiten und loslassen konnte.

LOVRANLungoDanica

Diesen Prozess kann man ganz genau beobachten und er hat normalerweise mehrere Phasen. Es fängt relativ einfach, ganz logisch an; der Kreislauf wird begünstigt und es entsteht ein allgemeines Wohlgefühl im Körper. Das Gehirn wird auch „zufrieden“.

Meine Spaziergänge damals und heute waren immer ziellos, was meine potentielle Begleiter oft abschrekte, wieso kann man denn so ohne Plan herumlaufen? Eigentlich war das auch gut so, da solche Spaziergänge am besten alleine durchgeführt werden sollen, wenn du in Kontakt mit deinem Selbst kommen möchtest.

Aus einer kleinen Runde durch die Stadt entwickelte sich später eine Praxis von mehreren Stunden. Es ging einfach darum, sich vom Gehen selbst führen zu lassen, sich auf einen unbekannte Kurzreise einzulassen. Nie weiss man was so ein Spaziergang bringt. Vielleicht gar nichts, aber vielleicht wertvolle Erkenntnisse. Im Endeffekt ist das aber nicht wichtig. Es tut einfach gut, vielen Menschen würde es guttun, glaube ich.

Es machte mir Spaß, sich von meinen Beinen ganz leicht, vertrauensvoll und ohne irgendwelchen Hintergedanken führen zu lassen. Jeder Spaziergang war und ist noch immer eine kleine Überraschung, ein V-Effekt zum Alltag. Auch wenn man schon das tausende Mal den gleichen Weg genommen hat, ist er irgendwie immer neu.

LOVRANCiperanaj

Paradox klingt es dass diese Ziellosigkeit des Gehens doch viele kurzweilige Ziele beinhaltet. Dazu führen viele verschiedene Wege und Richtungen. Die Aufmerksamkeit auf dem Weg wird von vielen Sachen aufgefangen, man nimmt bewusst oder unbewusst alles wahr. Aber mitmachen oder sich ablenken zu lassen muss man nicht, es ist ein Beobachten ohne anzuhaften oder nicht länger anzuhalten.

Die Situationen bei einem Spaziergang sind so unterschiedlich, aber irgendwann sind diese Unterschiede auch nicht mehr wichtig. Man wird ein Teil des gesamten urbanen Bildes, aber man hat die Freiheit das Bild zu bestimmen, bzw. man beobachtet wie dieses „Bild“ von alleine entsteht.

Ein halbstündiger Spaziergang, sogar in einer lauten großen Grostadt wie Berlin, kann symbolisch das ganze Leben darstellen. Du gehst von A bis B und auf diesem Weg triffst du verschiedene Menschen und Situationen. Vielleicht kommuniziere ich mich jemandem, vielleicht guckt mir jemand nicht freundlich entgegen, jemand vielleicht doch, vielleicht schenke ich die Aufmerksamkeit einer schön angezogenen Frau oder Mann, einer Mutter mit Kinderwagen, dem schreienden Baby im Kinderwagen, dem Bettler, der Polizei, hetzenden Business- Männer und Frauen, Betrunkenen, Menschen auf Drogen, Verrückten, Nonnen, Schawarmafleischlieferanten, Verliebten, Kriminellen, Rentnern, Künstlerinnen, Hunden… und so vielen anderen Formen und Existenzen… aber ich gehe einfach weiter, ohne auf einer Stelle zu bleiben (wenn das nicht nötig ist), auch ohne sich mit einem Gedanke, einer Beobachtung länger zu beschäftigen. Das nicht-anzuhaften wird durch die Bewegung leichter und kommt auf ganz natürliche Weise vor.

BERLIN2017bau

Alles läuft an mir vorbei und ich laufe an Allem vorbei. Ich fühle mich dabei irgendwie ganz in mir und mit mir. Mit jedem weiteren, gleichmäßigen Schritt werde ich mehr und mehr (das wahre) ich und lasse alles was ich nicht brauche oder nicht bin, in die verschmutzte Stadtluft auflösen.

Die zweite Phase so einen ziellosen Spaziergangs lautet ungefähr: „der zufriedene Geist“ (weil etwas „geklärt“ wurde). Die Gedanken kommen hoch und werden durch die Bewegung des Laufens wie recycled; die „guten“ und „sinnvollen“ bleiben im Bewusstsein, sie entfalten sich als wahre Erkentnisse manchmal weiter, manchmal werden sie vergessen.
Was ganz interessant ist, die Gedanken die nicht so sinnvoll sind, verlieren an ihrer Bedeutung. Dann kann man manchmal beobachten dass man vor dem Spaziergang einfach Opfer der eigenen Gedanken war und nicht Herrscher seines Geistes (was eigentlich der wichtigste Ziel des Yogas ist!). Eventuell hat man sich vor dem Spaziergang mit jemandem gestritten, oder etwas unangenehmes erfahren, sich Sorgen gemacht etc. Nach dem Spaziergang (und je länger er ist, desto besser) kommt man oft auf ganz andere Gedanken. Die Wichtigkeit der Sorge relativisiert sich. Man hat vielleicht während des Spaziergangs etwas schönes erlebt, Blick einer hübschen Frau aufgefangen, Lächeln eines Kindes, etwas interessantes entdeckt. Das wichtigste ist es aber dass man wieder zu sich selbst gekommen ist und das man wieder bei sich ist und nur aus dieser weidergefundenen Mitte kann man bessere Entscheidungen treffen. Oft entstehen während Spaziergängen neue und kreative Ideen – das ist die dritte Phase.

portrait-model-studio-lighting-37610.jpeg

Man kann die Ideen, welche beim Laufen entstanden sind, aufschreiben. Es passiert oft dass sie dannach „verschwinden“. Das ist aber auch nicht so schlimm, es ist nur ein Zeichen dass sie vielleicht ein klärender Sonnenschein waren, aber nichts weiteres. Die Ideen die wirklich gut sind, werden auch ohne aufschreiben bleiben und sich vielleicht realisieren.

Dass die Bewegung zu meditativen Zuständen beibringen kann, wussten schon viele Yogis und Lehrer. Es ist für manche Menschen leichter die Hektik des Alltags so zu verarbeiten um dadurch zur Ruhe und Glückseeligkeit zu kommen. Dieses Bedürfnis sehen wir heute z.B. bei dynamischeren Arten vom Yoga. In westlichen Ländern sind sie oft deswegen entstanden, weil der westliche Mensch zu vielen Reizen ausgesetzt ist und nie gelernt hat statt sich abzulenken, sich bewusst die Zeit für sich zu nehmen. Immer muss er etwas tun, eine Leistung erbringen, so auch im Yoga. In China, Indien und Japan ist es vielleicht anders, weil es dort Meditationstechniken seit tausenden von Jahren gibt, ganz andere Umstände und Meditation und Yoga sind oft ein normaler Bestandteil des Alltags. Für den westlichen Menschen ist eine dynamische Bewegung die Brücke zur Meditation und irgendwann kommt eventuell die Zeit wo das auch ohne diese dynamische Brücke möglich ist.

Natürlich ist es schöner in einem Wald oder irgendwo in der Natur zu laufen, aber in einer lauten Stadt wird man trotzdem die meditativen Effekte eines Spazierganges spüren können. Das-Laufen-durch-die-Stadt-Sadhana ist genauso wie Yoga an ausgefallenen Orten, ein toller Wegweiser.

 

 

Die Kraft liegt definitiv in der Entspannung

In meinen Yogastunden verwende ich oft Wörter wie: „Alles entspannen“, „loslassen“ oder „lass im ganzen Körper los“. Manchmal gehe ich mir selbst auf die Nerven, aber es ist ein Teil von mir geworden und ich selbst muss mich daran immer wieder erinnern.
Für Anfänger im Yoga ist es oft schwer zu entspannen weil der Fokus auf der Ausführung von Asanas liegt („Mache ich das richtig?“, „Schaffe ich das?“). Es ist aber auch für Menschen die schon lange Yoga machen, schwer richtig und wirklich, tatsächlich zu entspannen. Durch Yoga wird man nicht vom Leben geschohnt! Eine rosa Yogamatte ist keine Garantie dass dich dein Leben nie wieder herausfordern wird.

Der Körper und der Geist speichern alles und verarbeiten ständig, auch wenn man das nicht will. Gerade deswegen ist die Entspannung von unglaublicher Wichtigkeit für unseres eigenes, und nicht nur unseres eigenes, Wohl.

BRSECshavasana
Es ist nicht leicht, das ganze Leben einfach so „zu entspannen“. Seit der Geburt ist man ständig in einer Art Anspannung. Durch das Leben, besonders in einer Großstadt, durch alle Umstände und Besonderheiten des Lebens, vergessen wir zu entspannen und bleiben zu oft im Modus der Abwehr oder Flucht.

Ich merke dass mir die Tage um Weihnachten und Silvester sehr gut getan haben, obwhol ich Yoga im Sinne von Asanas (Yogahaltungen) nicht gemacht habe. Diese Tage kann man eher als tamasisch beschreiben; Tamas ist in Sanskrit das Wort für die „dunkle“ Eigenschaften wie z.b. Trägheit, Faulheit oder Lethargie. Eigentlich keine wünschenswerte Eigenschaften, aber es ist falsch zu behaupten, dass sie nicht in Ordnung sind. Sie sind ein Teil des Kreises welcher nach der yogischen (und auch ayurvedischen) Lehre, aus Tamas, Rajas und Sattwa besteht. Rajas ist die Eigenschaft der Aktivität / Bewegung und Sattwa ist die Eigenschaft der Ausgeglichenheit und Frieden.

Wir streben zum Sattwa, aber das ist oft so schwer, auch deswegen weil wir nicht ausreichend entspannen und loslassen können. Im Leben wird es immer zu reibungen kommen, auch wenn wir im Sattwa Zustand sind. Aber je mehr wir in diesem Zustand sind, desto mehr können wir unsere Reaktionen auf die Umgebung entsprechend ändern.
Für viele ist es nicht leicht mit der Entspannung, oder vom Außen gesehen, mit dem Nichtstun klarzukommen. Wir sehen oft nicht dass das Nichtstun eigentlich ganz schön Vieltun ist. Das ist eine Zeit der Vorbereitung und Sich-sammeln. Eine absolut notwendige Zeit. Manchmal darf man sich sogar gehen lassen, besonders wenn man ein Mensch ist der ständig etwas tun muss um sich von sich selbst abzulenken, wenn man arbeitssüchtig oder zum Burn Out neigt.

DSCN2182
Yoga und die Entspannung beim Yoga ist ein Weg zur mehr Entspannung im Leben. Eine Yogastunde besteht aus Asanas, also Yogakörperhaltungen, aber das wichtigste ist eigentlich die Endentspannung wo man einfach auf dem Rücken liegt und versucht sich nicht zu bewegen und nicht einzuschlafen wenn es geht (aber einschlafen ist, für mich, auch ein gutes Zeichen; wenn der Körper es so will, dann hat er es auch dringend gebraucht!).

Es gibt Menschen und Yogastunden wo man schon vor der Endentspannung rausgeht oder man hat keine Zeit oder Umstände dafür. Damit verpasst man einen sehr wichtigen, wenn nicht den wichtigsten Teil des Yogas. Erst in dieser Endentspannung fängt Yoga eigentlich zu wirken!  Und hält danach. Damit unterscheidet sich Yoga auch vom Sport, Fitness oder Entertaintment.

Ohne Endentspannung kann es zu kleineren „Nebenwirkungen“ kommen, es fehlt etwas, dieser langsamer Ausgleich, ein natürlicher Prozess wird unterbrochen. Shavasana (Totenhaltung) schließt eine Yogapraxis ab und regeneriert auf allen Ebenen. Ganz schön ist es zu beobachten wie sich dabei die Gehirnwellen verwandeln, in einen tieferen Zustand kommen wo man den Zugriff auf das Unterbewusstsein und Intuition hat.

Je tiefer die Entspannung, desto tiefer ist der heilende Effekt des Yoga.

Eine richtige Entspannung ist wie eine leichte Trance, aber gleichzeitig vollkommene Präsenz. Eine richtige Entspannung unterscheidet sich von einer Ablenkung (weiterer Reizüberflütung) in dem man merkt dass man gelassener auf die Lebensumstände reagiert. Eine tiefe, Entspannung gibt auch manchmal neue Ideen und Lösungen, sie kommen oft im Zustand wo man das Rationale so viel wie möglich ausschließt. In einer richtigen Entspannung kommt man auf das Wesentliche und lässt los, was nicht (mehr) wichtig ist.

Hier sind ein Paar kurze, praktische Übungen für verschiedene Entspannungen, beim Yoga oder auch woanders:

1. Fühlst du dich aufgeregt, atme in den Bauch hinein. Höre besonders deine Ausatmung dabei.
2. Um zu entspannen, fange mit kleinen, aber sehr wichtigen Schritten. Schließe die Augen. Entspann die Augen – bewusst. Was hast du davon wenn du die Augen schließt aber sie weiter auch geschlossen unruhig bleiben?
3. Richte den Blick nach innen, schau liebevoll zu dir selbst. Vielleicht glaubst du dass du im Leben nicht alles richtig gemacht hast, aber jetzt, in diesem Moment in dem du die Augen geschlossen hast, ist alles richtig so wie es ist, weil es nur jetzt gibt. Sonst wärst du auch nicht hier. Und auch nicht jetzt.
4. Lass dir Zeit um wieder einzuatmen oder halte für ein Paar Momente die Luft nach dem du eingeatmet hast. Nimm diese Milisekunden des nicht-Atmens wahr. Die Momente zwischen Ein- und Ausatmen und Momente zwischen Aus- und Einatmen. (Diese Übung solltest du aber nur dann machen wenn du dich dabei 100% wohlfühlst.)
5. Vor dem Schlafen gehe bewusst durch deinen Körper und entspanne Schritt für Schritt den ganzen Körper oder kürzer: lass deinen Körper so entspannen als ob er mit der Matratze verschmelzen möchte, lass dich fallen. Du wirst merken wie angespannt du warst – ohne es zu merken!

 

Sport und Yoga – Unterschiede und Ergänzungen

Neulich hatte ich die Gelegenheit an der TU Sport in Berlin zu unterrichten. Ein Yogakurs wird hier unter Sportkurse geführt, was nur teilweise richtig ist, aber besser so als überhaupt nicht. Warum ist denn Yoga nicht als Sport anzusehen? Ich versuche diesen Artikel in Form von Fragen und Antworten zu schreiben.

Ist Yoga Sport?
Nein oder nur sehr wenig. Yoga beinhaltet sportliche Bewegungen des Körpers, jedoch ist ihr Ziel nicht eine bestimmte Leistung, Rekord, ein Sieg oder Muskeltraining.

Ist Sport Yoga?
Die Frage hört sich komisch an weil noch keiner auf die Idee kam, Sport zu den Yogakursen zuzufügen. Nein, Sport ist natürlich kein Yoga, obwhol, während bestimmten Arten von Sport meditative Zustände vorkommen können, z.B. beim Laufen, Schwimmen, Nordic Walking, Ski Laufen…

Wie wirkt Yoga auf den Körper?
Der Körper im Yoga wird nicht trainiert, sondern so angenommen wie er ist, nichts muss sich steigern, ändern oder formen. Im Yoga lernt man zuerst den eigenen Körper kennen. Die Veränderungen im Körper kommen von sich selbst (z.B. Körperhaltung, Leichtigkeit, Beweglichkeit). Beim Yoga kann es zum Schwitzen kommen, beim klassischen Yoga eher nicht. Die Energie wird verbraucht und manche Yogahaltungen sind herausfordernd, aber die Energie bleibt, bzw. wird aufbewahrt. Beim Yoga gibt es keinen oder selten einen Müdigkeitseffekt, man wird eher „energetisiert“ dank einer tiefen Endentspannung. Ausserdem wird das Hormonsystem ins Einklang gebracht, da durch bestimmte Haltungen die inneren Organe und Drüsen massiert werden. Im Yoga werden alle Körperteile vom Kopf bis Fuß und beide Körperseiten angesprochen.

Wir wirkt Sport auf den Körper?
Je nach dem was für ein Sport, der Körper wird trainiert, bestimmte Übungen müssen ausgeführt werden (100 Liegestütze, 5 km rennen usw.). Manchmal wird nur ein Körperteil besonders beansprucht: ein Arm beim Tennis, Beine bei den Fußballern, Fußgelenke bei Joggern. Bei den meisten Sportarten schwitzt der Körper vermehrt, es wird viel Energie verbraucht, man powert sich aus. Ein Zufriedenheitsgefühl ist oft vorhanden, aber auch die Müdigkeit.

Wie wirkt Yoga auf den Atem?
Im Yoga atmet man immer durch die Nase (ausser bei einigen besonderen Atemübungen). Dem Atem wird eine ganze Wissenschaft gewidmet – Pranayama. Der Atem im Yoga hat nicht nur etwas mit dem Sauerstoff zu tun und natürlichen Atemprozessen, im Yoga ist der Atem der direkte Link zur Lebensenergie; sie kann durch Atemübungen aufbewhart und vermehrt werden. Atem ist auch der direkte Link zum Geist.

Wir wirkt Sport auf den Atem?
Im Sport atmet man so wie es gebraucht wird, je nach Sportart und Ziel. Der Körper, Atem, Kreislauf werden manchmal an die Grenzen des Aushaltens gebracht. Über die Lebensenergie oder den eigenen Geist wird in den Sportmomenten nicht gedacht weil man auf ein Ziel konzentriert ist.

Wie wirkt Yoga auf den Geist?
Yoga ist eine Verbindung zwischen Körperhaltung, Atem und geistigen Prozessen. Man nimmt den Körper bewusst wahr, man führt bewusstes Atmen durch und man nimmt eventuell auch die Gedanken, Gefühle und Emotionen wahr. Das alles geschieht natürlich nicht ständig und nicht bei jeder Yogahaltung oder jeder Yogastunde gleichzeitig. Manchmal ist man einfach in einem meditativen Zustand oder auch nicht. Beim Yoga geht man mehr „nach innen“, lernt sich selbst kennen.

Wie wirkt Sport auf den Geist?
Je nach dem um welchen Sport es geht, bei Mannschaftsspielen ist eine Strategie wichtig, ein Plan, etwas was ausgeführt werden muss um das Ziel zu erreichen. Hier ist die Konzentration angesagt, Schnelligkeit, Team Fähigkeit. Also hier geht es mehr „nach Außen“, um eine bestimmte Leistung zu erreichen. Für manche Menschen, die viel denken und sehr angespannt sind, kann deswegen Sport eine bessere Ablenkung als Yoga sein, weil durch Yoga man oft mit sich selbst konfrontiert wird.

Ist Yoga ein Wettbewerb?
Ein klares „nein“. Wenn Yoga ein Wettbewerb wäre, dann ist es kein Yoga, dann ist es vielleicht Akrobatik  – z.B. wer kann eine schwere Yogahaltung besser ausführen oder Wer kann diese oder jene Yogahaltung überhaupt ausführen? Im Yoga wird das eigene Tempo gesucht und darf gerne ausgeübt werden. Fortschritte werden individuell und nicht im Vergleich mit anderen gemacht.

Ist Sport ein Wettbewerb?
Eher ja. Mitmachen ist, klar, das Hauptmotiv, aber besser, schneller, intelligenter als der andere um zu siegen, ist einfach noch toller. Bei vielen Sportarten ist das die wichtigste Motivation.

Macht es Sinn Yoga mit Sport zu ergänzen?
Wer mehr Bewegung und Energieverbrauch mag, ja, warum nicht? Manchmal vermissen manche beim Yoga die Dynamik des Sports, mehr Körperbetätigung, mehr Schwitzen. Aber genau das ist der Unterschied zum Sport, Yoga ist im Grunde eine spirituelle Praxis und Körperbewegungen werden mit einer anderen Achtsamkeit ausgeführt. Manche Menschen bevorzugen Sport weil sie sich so besser ablenken können und über bestimmte Sachen kurzzeitig nicht nachdenken müssen. Das ist auch manchmal der Grund warum Menschen die in heutiger Leistungsgesellschaft nicht abschalten können, auch im Yoga eine sportliche Betätigung suchen und enttäuscht werden, weil Yoga dies nicht ist.

Macht es Sinn Sport mit Yoga zu ergänzen?
Sehr. Es ist nicht unüblich dass heutzutage viele Sportler*nnen zum Yoga greifen. Yoga bringt den Ausgleich in den Körper und Geist, dehnt und entgiftet sanfter als Sport. Sport ist schön und bringt Freude. Yoga ist ganzheitlicher und bringt Freude oft ohne einen bestimmten Grund. Da die Bewegungen achtsamer und langsamer ausgeführt werden, wirkt Yoga auch tiefer und eventuelle Schaden die durch Sport entstanden sind, können mit Yoga besänftigt werden. Der gesamte Körper wird geschmeidiger. Nicht umsonst machte die deutsche Fußballmannschaft auch Yoga.

Yoga und Kapitalismus

Kapitalismus ist als Epoche nach dem Feudalismus gekommen, aber seine Wurzel sind tief in der menschlichen Geschichte und Geistesentwicklung des Menschen verankert, einfach durch das menschliche Ego. Ego musste es immer gegeben haben, aber irgendwann ist es in eine Form entartet, die nicht mehr gut getan hat. Der Mensch fing an, irrationale Aktivitäten zu veranstalten, z.B. andere, die gutmutig waren, zu betrügen, die anderen zu versklaven, die anderen einfach für die eigenen materiellen und egoistischen Ziele auszunutzen, weil er sich aus einem unbekannten Grund nicht als Teil des Ganzen sah, sondern mächtiger, besser oder klüger als die anderen. Statt kooperieren kam es zum Herrschen.

Die Machtausübung ist eine Kraft die einfach ausgeübt werden will – und warum das so ist – wurde noch nie vollständig erklärt. Vielleicht ist es einfach ein hartnackiger Atavismus. Genauso wie manches aus der Vergangenheit ausgerottet ist und nicht mehr denkbar, so wird es vielleicht auch mit der Machtausübung und Machthabenwollen irgendwann Ende.

Die Machtausübung basiert auf einem „negativen“ Ego, welches wiederrum auf Angst, Einseitigkeit, eingeschränktem Geist, Ignoranz und Unwissenheit basiert. Obwhol das so ist und obwhol die Mehrheit der Menschheit das einsehen KANN, ist diese Machtausübung so stark, dass sie in der Lage ist, die Massen zu herrschen.

Die zwei Säulen des Kapitalismus sind die Macht und das Kapital. Ohne Macht gibt es kein Kapital und ohne Kapital keine Macht. Das Reichtum wird akummuliert, nach dem Prinzip: Ich zuerst und nur ich / mein Stamm/ Familie. Die anderen werden im grundegenommen feindlich betrachtet und behandelt. Es herrscht ein ausgedachtes, eigenwilliges Recht etwas zu besitzen, was eigentlich der Erde und somit der ganzen Menschheit gehört.
Die Besitzermentalität ist die Mentalität des Egos, eine Störung in der Amygdala, ein Mangel an Glückshormonen in den Gehirnen, eine Empathie-Unfähigkeit, eine ständige Angst die die ganze Welt dadurch einschränkt und die Zusammenhänge zwischen allen Menschen, Ländern und Kulturen nicht sehen lässt.

Alte Rishis (die Weisen vor ungefähr 5000 Jahren) haben schon damals durch die Beobachtung der Natur, Welt und Menschen gemerkt, dass man ein Teil der eigenen Existenz als separat von allem erlebt. Und das ist das, dieses Ego. Es wurde mündlich in der Yogaphilosophie übertragen unter dem Begriff Ahamkara. Unseres Ego versucht immer uns als Individuum von der Ganzheit zu trennen. Das Ich ist hier ganz stark ausgeprägt durch die Illusion (Maya). Das Ego glaubt an die Illusion. Der Mensch identifiziert sich mit diesem Ego oder einer Rolle davon: berufliche Rolle, familiäre, intellektuelle…

Einerseits ist es gut ein Ego zu besitzen – das nenne ich ein „positives Ego“: wir haben das Recht auf das Erhalten unseres Lebens; wir müssen unsere Bedürfnisse erfüllen, sonst würden wir sterben. Das Ego / Instinkt zur Erhaltung des Lebens ist etwas Natürliches. Akummulation der Güter auf Kosten anderer, besonders in der heutigen Zeit, wo es GENUG für alle gibt, ist nicht natürlich. Das „positive Ego“ verfällt in den meisten Fällen in ein „negatives, gieriges Ego“.

Leider basiert das ganze System in dem wir leben, also Kapitalismus, auf dem (negativen) Ego, auf den ca 7 Milliarden separaten Egos. Es hat sich schon unter die Haut geschlichen und wir merken oft nicht, in was für Unwissenheit wir eigentlich leben. Wir werden mit Kapitalismus geboren. Die Schwangerschaft wird vermarktet. Die Krankenhäuser sind nicht mehr nur da um den Menschen zu helfen, auch ein Krankenhaus muss gut wirtschaften. Unsere Gehirne, unsere Kinder werden auf konsumieren „programmiert“. Wir schließen die Augen vor der Massentierhaltung, in einem Café bestellen wir Kaffee ohne zu fragen: In welchen Bedingungen haben die Arbeiter und Arbeiterinnen auf den Plantagen gearbeitet, gab es da auch Kinderarbeit? Wenn es ein „SALE“ in H&M gibt, fragen sich die shoppinglustigen Mädchen nicht über andere Mädchen in Bangladesch, die für ein 2 € T-Shirt (ein Schnäppchen!) 20 Stunden Arbeit leisten mussten.

Die Änderungen werden schon irgendwann und irgendwie stattfinden, aber ich persönlich hätte es gerne etwas schneller.

Einerseits scheint es – trotz einem beschleunigtem Wachstum von Spiritualität, Bewusstheit und Bewusstsein, trotz Internet und Informationaustausch – wachsen auch „die dunklen Mächte“ wie Profitgier, Ausbeutung, Betrug, Kriege weiter und zwar ziemlich schnell und irgendwie proportional. Faschismus und rechte Tendenzen als ein alter Partner vom Kapitalismus, bekommen den freien Lauf.

Über Klimawandel und Zerstörung der Erde muss man nicht noch mehr schreiben; wir sehen es täglich – die Straßen und Meere voller Plastikmüll und Gifte. Unnötiger Konsum an jeder Ecke. Es ist ein Teil des Lebens welches man, einfach so, akzeptiert.

Das Leben wird uns dirigiert und wir merken es nicht. Vielleicht wollen wir es auch nicht merken. Oder haben keine Zeit. Nach einer 8-stündigen anstrengenden Arbeit wo die Energie und Kraft (trotz gutem Lohn und guten Bedingungen auch ausgebeutet wird – sonst wäre es kein Kapitalismus!) hat man doch keine Lust sich noch mit Klimawandel oder schlechten Arbeitsbedinungen anderer Menschen auf der Welt zu beschätigen. (Ich schreibe hier mit Absicht wir – obwhol ich weiss dass nicht jeder so ist und so lebt wie beschrieben).

Und was für eine Rolle spielt jetzt hier Yoga? Ich sehe eine große Chance, besonders in heutiger Zeit, durch Yoga und andere spirituelle Praktiken, eine andere Sicht auf die Welt zu werfen und die Änderungen zu BESCHLEUNIGEN. Mit Yoga halten wir auf der individuellen Ebene inne und diese Entspannung gibt uns viel mehr Kraft und Zufriedenheit. Warum kann es nicht so für die ganze Erde sein? Profit abschaffen! Es muss nicht sein. Es gibt genug und im Überfluß für alle. Die Erde braucht eine Pause.

Yoga selbst muss sich aus dem Kapitalismus auch befreien! Es ist unsere Aufgabe Yoga nicht als Geschäft darzustellen sondern es davon fernzuhalten. Ich sehe wie schnell sich das heutige Yoga einem kapitalistischen System beugen muss, so dass Yogalehrer und Yogalehrerlnnen davon überhaupt leben können, aber die eigenen Leistungen verkaufen „zu müssen“ um davon leben zu können ist sicherlich kein Yogaweg. Ich schreibe jetzt auch einen Blogartikel weil mir der Markt und Konkurrenzkampf schleichend vorschreiben dass heutzutage jeder Yogalehrer einen Blog, Facebook Page und Instagram haben sollte / müsste / könnte….Um eventuell davon – zu profitieren? Zum Glück hat mein Blog keine Sponsoren, aber vielleicht kann ich darüber noch nachdenken.

Die Konkurrenz ist groß. Yogazentren gibt es an jeder Ecke, wie Cafés oder Apotheken. Dieses Eindringen des kapitalistischen Glaubens ins Yoga, aber auch andere Bereiche wie z.B. Arztpraxen ist einfach – traurig. Marktanalyse, Konkurrenzanalyse, KundenBINDUNG, ZIELGRUPPE! Es gibt mitlerweile viele große Portale für Yoga Retreats. Ihr Marketing ist, meiner Meinung nach, fraglich. Es stellte sich am Anfang als eine große Hilfe für Yogalehrerlnnen die Yoga Retreats anbieten dar, aber jetzt zweifle ich daran. Das ist ein großes Internet Konzern der Yogareisen und nichts anderes. Da wird auch nur Profit für die wenigen erschaffen (durch die Provisionen) und Yogalehrerlnnen bleiben ohne wirklichen Verdienst da diese Provision von schon sehr knapp errechneten Preisen abgegeben werden muss.

Jeder Mensch der heute in einem Coaching-, Yoga-, Heilpraktikerbereich arbeitet ist in der Mühle des kapitalistischen Marktes und muss sich so gut wie möglich präsentieren und bestimmte Marketingtools nutzen um überhaupt gesehen zu werden. Nur mit Mundpropaganda geht es heute nicht mehr. Und wenn er oder sie nicht genug coole Selbstdarstellung hat, keine Webseite oder Flyers mit professionellen Bildern, dann muss er/sie auch nicht überrascht sein NUR drei zufällige Teilnehmerlnnen in einem Kurs zu haben und die „Aufstockung“ des Einkommens beim Job Center zu beantragen, weil man einfach nicht „inn“ und nicht genug „cool“ oder gar nicht „in Flow“ ist.

Dieser „Kampf“ um die eigene Daseinsberechtigung auf dem Markt hat eigentlich, zumindest im Yoga, nichts zu suchen. Ein Yogalehrer oder Yogalehrerin ist „verpflichtet“ – Yoga – zu verbreiten und nicht – Yoga als Produkt. Wir müssen uns erinnern dass Yoga keinem System unterworfen werden kann, genauso wie wir selbst. Yoga ist Einssein mit dem Universum – in der Freiheit. Manche werden sagen: „Kapitalismus ist auch ein Teil des Universums!“ Natürlich, alles ist Teil des Universums, was auch nicht bedeutet dass wir die Augen schließen müssen vor den Teilen des Universums die schädlich sind. Genauso wie es manche „Störungen“ und Tests auf einem Yoga- oder spirituellen Weg gibt, muss auch der Kapitalismus auf der kollektiven Ebene überwunden werden, zum Wohlwollen aller und besonders unserer Erde.

Stichwörter zum Nachdenken, aus dem Ashtanga Yoga – dem 8-gliederigen Yogaweg: Asteya und Aparigraha. Man kann es auch als Ethik bezeichnen.

Steya bedeutet im Sanskrit stehlen, asteya also nichtstehlen, nichts zu nehmen, was einem nicht gehört. Ganz einfach! Einem Kapitalisten gehört nicht die Zeit, Energie und Leben einer Arbeiterin in Klamottenfabrik in Bangladesch nur um seine Profite zu steigern! Also er stehlt vortwörtlich ihr Leben wenn sie 20 Stunden arbeiten muss.

Aparigraha bedeutet nicht-zugreifen, niemanden auszunutzen (z.B. Schnäppchen Mentalität aufgrund Leiden anderer oder z.B. Tierquälerei).

Das Wohlwollen ist ein Grundbegriff im Yoga und Buddhismus. Die Welt die wir heutzutage sehen und erleben ist Produkt einer Geschichte von tausenden von Jahren. Es passierte ein Krach in der menschlichen Entwicklung der noch immer geheilt werden muss.

Deswegen schicke ich das Wohlwollen Mantra an das ganze Universum weil mir im Moment noch keine andere Mittel zur Verfügung stehen bzw. noch keine andere Ideen einfallen wie wir unseres Dasein in einem System voller Ungerechtigkeiten lösen können:

Lokah Samasta

Sukhino Bhavantu

Lokāḥ = Welten
Samastāḥ = alle zusammen
Lokah Samastah – alle Welten und Wesen zusammen.
Sukhinaḥ = von Sukha = Glück, Wohlergehen
Bhavaṁtu = möge all das sein

Mögen alle Wohlergehen erfahren und glücklich sein!

 

 

Den Sonnengruß tanzen

Eigentlich habe ich den Sonnengruß nie so wirklich gemocht. Ich war nie ein Mensch der sportliche Bewegung liebte. Joggen, Fitness, Work-Out ist mir fremd. Und Sonnengruß beim Yoga ist eher etwas Sportliches, bzw. wird meistens so unterrichtet und verstanden.

Was ich immer mochte war Yoga und Tanz. Aber kein Yoga-Muskel-Training und auch kein Tanz im Sinne von Tango, Salsa oder Walzer, weil ich ein absolutes Tanzantitalent bin. Tanzschritte kann ich mir überhaupt nicht merken. Aber sich etwas ausdenken kann ich sehr wohl. Zum Beispiel irgendwelche eigene Choreographien wenn mich keiner sieht.

Mitlerweile habe ich herausgefunden dass viele andere „Yoga-Leute“ den Sonnengruß „eigentlich“ nicht mögen aber es trotzdem machen weil es danach doch guttut.

Eine Weile habe ich es versucht Sonnengruß aus einer Yogastunde auszuschließen, aber dann spürte man dass etwas fehlt. Es wurde mir klar dass Sonnengruß nicht nur eine Aufwärmübung ist, sondern etwas viel tiefer.

Beim Sonnengruß verehren wir die Sonne, das Leben selbst. Was für ein Zufall und Wahrscheinlichkeit dass gerade du, so wie du bist, entstanden bist und dass durch deinen Körper das Leben strömt! Ist es nicht ein Grund zum Zelebrieren? Und mit einem verschwitzten Work-Out nur um schlank auszusehen und sich auszupowern um „Stress abzubauen“ zelebriert man nicht so wirklich das Leben, man zerquetscht es eher raus wie man das bei einer Zitrone macht (so mein Gefühl, für einige ist Work Out genau das richtige!).

Womit hat man in der Geschichte das Leben oft zelebriert? Mit dem Tanz, freiem Tanz des Lebens, mit einem Tanz welcher die Glückseeligkeit, die Lebensfreude ausdrucken wollte!

YogaUrlaubLovran2010nataraja

Und hier ist der entscheidende Punkt beim Sonnengrußüben. Wenn du deine Bewegungen als einen Tanz oder sagen wir mal lieber als eine Choreographie ausführst, bekommt der Sonnengruß eine ganz andere Bedeutung und Leichtigkeit, die vielen Yogaübenden schwer fällt, weil sie diese Sequenz eher als ein Workout oder anstrengende Aufwärmung ansehen.

Gehen wir weiter in die tiefere Bedeutung des Sonnengrußes, stellen wir fest dass Sonnengruß eine rhythmische Sequenz ist. Wenn man von diesem Rhythmus bewusst wird, kann die Ausführung von den 12 Sonenngruß-Asanas erleichtet werden. Wenn man z.B. eine Trommel dabei hört die rhythmisch den Takt gibt, kann man die Sonnengrüße anders als sonst wahrnehmen.

Sonnengruß hat auch 12 Mantren, für jeden Schritt oder Teil des Sonnengrußes eins. Alle beziehen sich natürlich auf die Sonne und deren verschiedenen Namen auf Sanskrit. Die Bedeutungen und Interpretationen variieren, je nach Tradition und Schule. Ich habe mir diese ausgesucht:

Om mitrāya Namaḥ (ॐ मित्राय नमः) – Ich begrüße den Freund von allen

Om Ravaye Namah (ॐ रवये नमः) – Ich neige mich vor der Ur-sache

Om Sūryāya Namaḥ (ॐ सूर्याय नमः) – Samen und die Seele der Existenz, das Leben selbst wird begrüßt

Om Bhānave Namaḥ (ॐ भानवे नमः) – Totale Verehrung des Lichtes

Om Khagāya Namaḥ (ॐ खगाय नमः) – Begrüßung von dem der sich schnell durch den Himmel bewegt

Om Puṣṇe Namaḥ (ॐ पूष्णे नमः) – Verehrung von dem der alles (er)nährt

Om Hiraṇyagarbhāya Namaḥ (ॐ हिरण्यगर्भाय नमः) – Verehrung der Quelle der Kreation (das „goldene Ei“)

Om Marīcaye Namaḥ (ॐ मरीचये नमः) – Begrüßung des Strahlenden, Heilenden

Om Adityāya Namaḥ (ॐ आदित्याय नमः) – Gruß an den Sohn von Aditi – die göttliche Mutter, die Mutter aller Himmelkörper

Om Savitre Namaḥ (ॐ सवित्रे नमः) – Gruß an die Kraft die alles erschafft

Om Arkāya Namaḥ (ॐ अर्काय नमः) – Der den ich vom Herzen verstehe und verehre sei gegrüßt

Om Bhāskarāya Namaḥ (ॐ भास्कराय नमः) – Gruß und Hingabe zur erleuchtenden Kraft

Wenn man diese Mantren beim Sonnengruß singt oder hört, wird man feststellen dass sie auch einen rhythmischen Takt geben.

Die Sonnenmantras können auch wunderbar mit den Chakren kombiniert werden und unsere psycho-energetische Zentren stärken, entwickeln und bereichern. Sie können auch in bestimmte Affirmationen „übersetzt“ werden und je nach Lebenssituation oder ein Thema, welches uns gerade beschäftigt, eingesetzt werden.

Ich habe für mich herausgefunden dass der Sonnengruß als Tanzchoreographie und Rhythmus mich selbst mit viel mehr Energie erfüllt als wenn ich die Übung einfach ausführen muss weil es gut für die Aufwärmung des Körpers – vor dem „eigentlichen Yoga“ (also allen weiteren Asanas) gut ist.

Warum nicht gleich gut und wohltuend? Probier es aus! Nur eine Serie von 6-12 Sonnengrüßen, auch mit intuitiven Variationen, kann eine 90 min Yogastunde erstezen.

Gerne kannst du mehr über Sonnengruß und dessen tieferen Bedeutung bei meinen Sonnengruß Workshops mit anschließendem indischen Essen erfahren, ab Januar 2018 in Berlin Friedrichshain 🙂 Lass uns die Sonne in uns wecken, auch im berliner Winter!