Yoga, Alkohol und Co.

Es gibt Dinge im Leben die für manche Menschen selbstverständlich sind und für manche nicht. Für mich als Yogalehrerin sind Alkohol und Drogen in Verbindung mit Yoga ein Tabu. Rauchen natürlich auch. Da kann ich richtig untolerant werden! Nicht weil ich dogmatisch sein möchte, sondern weil es mir einfach nicht klar ist, wieso macht man dann Yoga wenn man immer weiter trinkt und raucht? Das ist sowas wie Leerlauf oder ein Schritt nach vorne und zwei zurück.

Dieser Artikel ist auch von einem steigenden Trend im Bieryoga und Rage Yoga welches oft vom Alkohol begleitet wird, motiviert.

Ich verbiete natürlich nicht Menschen die Yoga machen wollen, aber noch ab und an trinken oder rauchen, Yoga zu machen. Im Gegenteil. Aber wer regelmäßig seinen Körper und Geist vergiftet und dabei regelmäßig Yoga machen möchte, versteht Fukntion des Yoga nicht. Beim Yoga wird das Nervensystem gereinigt und energetisiert und mit Alkohol wird es benebelt und betäubt.

Dass manche Yogainteressenten beides aus Unwissenheit machen und eventuelle Schaden nicht auf die Kombination von beiden zuführen, ist es verständlich. Aber wieso kommen manche Yogalehrerlnnen auf solche Ideen – ich frage mich dann ob sie in ihrer Yogaausbildung etwas über das Nervensystem im Yoga und Prana überhaupt gelernt haben?

Was geschieht eigentlich dabei? Alkohol ist, klar, ein Gift. Wir können es anwenden wenn jemand z.B. erfroren ist. Dann ist seine Anwendung berechtigt. Seine erste Funktion ist es zu entspannen, Wärme und anschließend bei „normalem Konsum“ Freude zu bringen. Oder als Konservierungsstoff. Jedoch beim Yoga, egal ob vor, während oder danach, macht es keinen Sinn. Es ist nicht ergänzend.

Alkohol kurz oder am selben Tag vor dem Yoga ==> eine stärkere Entgiftung, eine stärkere Strapazierung des Nervensystems und das ist sicherlich kein Sinn des Yoga. Der Sinn ist Prana oder die Lebensenergie zu spüren, zu wecken und zu pflegen.

Alkohol während dem Yoga ==> verstärkte Funktion der Niere ==> mehr zur Toilette gehen ==> Konzentrationsstörung ==> Asana- und Pranayamaausführung unter Entspannungsgefühl vom Alkohol und nicht dem eigenen, selbsterzeugtem, bewusstem Entspannungsgefühl

Alkohol nach dem Yoga ==> Zerstörung des Effekts welcher durch Yoga erzeugt wurde und wofür man eigentlich Yoga überhaupt macht, Betäubung der eigenen körperlichen, geistigen und spirituellen Energie, den im Yoga genannten Ojas = spirituelle Kräftigung.

Nicht nur schadet man den eigenen Zellen, man macht Yoga irgendwie lächerlich. Ein Witz aus Yoga zu machen ist seine Kraft nicht zu verstehen. Yoga macht Spaß, aber Yoga ist kein Spaß! Besonders bezieht sich das auf die Übungen die oft leicht angenommen werden ohne jeglichen Plan und System in offenen Yogastunden und ohne den Zustand der Übenden zu kennen. Z.B. forgeschrittene Pranayamas oder Übungen aus dem Kundalini Yoga (hier meine ich klassisches Kundalini Yoga und nicht Kundalini Yoga nach Yogi Bhajan). Yoga ist per se, eine Art Entgiftung und eine große Regeneration des Nervensystems. Wenn man schon ein Gift im Körper hat, nämlich Alkohol und in den Kopfstand oder Schulterstand geht oder ein stark entgiftendes Asana macht wie z.B. Pfau, wird der Körper mit mehr Giftverarbeitung überfordert. Beim Bluthochdruck oder noch nicht entdeckten Herzerkrankungen z.B. bei Menschen über 45, kann es zu üblen Folgen kommen. Oder der Körper kann in einen Entzündungszustand gebracht werden.

Vor ca 20 Jahren als ich in Goa war, traf ich ein Paar welches am nächsten Tag zu einer Yogaausbildung gehen wollte um Yogalehrer zu werden. Sie rauchten an dem Abend davor einen großen Joint, sozusagen als letzter Genuss vor einem Yoga Teacher Training. Ich war ehrlich gesagt geschockt und dachte, nein, zu diesen Yogalehrern würde ich nie gehen…Es kam so vor, als Yoga etwas Dogmatisches, Einschränkendes und Schlimmes ist, sowas wie eine Religion mit krassen Regeln, aber man ist halt gezwungen Yoga zu machen. Ich war damals selbst vielleicht etwas dogmatischer eingestellt, aber aus eigener Erfahrung. Alles was mir geschadet hat habe ich hinter mir gelassen und Yoga war eine Entscheidung, Yoga hat all diese Genüsse effektiv völlig überschritten. Yoga ist eine Entscheidung – deinem ganzen Wesen gut zu tun. Für die anderen Gutes zu tun. Wohl zu wollen. Es ist auch ein Schritt in ein Leben wo man keine Genussmittel mehr braucht, weil man wortwörtlich auch von der Prana angetrunken werden kann!

Heutzutage ist Bier beim Yoga wie eine Antwort auf dieses angebliches yogisches Dogma, eine Rebellion und Hype. Schwachsinniger geht es nicht, weil keiner zwingt jemanden Yoga zu machen und mit der Kombination vom Yoga und Alkohol ermuntert man womögolich Alkoholsucht und erniedrigt die positiven Wirkungen vom Yoga (die o.g. Ojas – spirituelle Kraft). Ich würde sogar sagen, man zeigt damit auch kein Respekt zum Yoga! Schade dass man dadurch den Genuss, welcher durch Yoga ohne Alkohol entstehen kann und welcher mit keinem anderen verglichen werden kann, mit Alkohol benebelt. Die spirituelle Kraft wird „nach unten gezogen“.

Ich kann verstehen dass manche vom Yoga abgeneigt werden wenn sie Fotos mit perfekten Yogis sehen, über yogische Disziplin und Regeln lesen. Viele kriegen eine Abneigung davon. Aber Alkohol beim Yoga ist keine Lösung um diese Abneigung zu überwinden. Das ist wie vor jeder Herausforderung ein Gläschen zu trinken um zu entspannen. Und gerade Yoga hat eine wunderbare Funktion die sich nach einiger Zeit Yogapraxis entpuppt: die Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen und die Stärke in sich selbst zu finden, nicht von den äußeren Hilfen abhängig zu bleiben oder zu werden.

Yoga und Alkohol/Drogen sind eine Beliebigkeit geworden. Fälschlicherweise glauben die Teilnehmer des Bieryogas oder Rageyogas dass dies ergänzend ist! „Rage“ oder auf Deutsch Wut rauszulassen hatten wir schon längst wunderbar mit der Löwenhaltung gemacht. Oder wer noch weiter in die Befreiung der Wut gehen wollte, konnte an den Osho Meditationen teilnehmen wo das viel gezielter und sinnvoller gemacht wurde. Also Wut beim Yoga rauszulassen ist nichts neues wie die junge Generation heute glauben mag.

Was also tun wenn man zu so einem Angebot wie „Yoga Retreat mit Weinproben“ oder „Yogakurs mit Bier“ kommt? Ich war auch dabei, meine Teilnehmerlnnen mit Yogaurlaub in Kroatien mit dalmatinischen oder istrischen Weinen „anzulocken“ und weil ich dachte „es schadet nicht“ bis ich zwei unschöne Erfahrungen hatte. Seitdem bleibe ich lieber bei kroatischen Olivenölen.

Was ist für dich wichtig – Yoga als Hype und Fitness oder Yoga als Transformation? Möchtest du deine Sinnen benebeln oder deine Intuition, Körper und Geist stärken? Wofür genau möchtest du dein Geld ausgeben, für Entertaintment oder für eine tiefgreifende Erfahrung?

Ich schlage vor, einen Yogaurlaub ohne Alkohol auszuprobieren und eine Woche Yogaurlaub mit Alkoholkonsum auszuprobieren und dann zu vergleichen. Aber vielleicht kann man auch nicht an die Schädlichkeit von der Yoga – Alkohol Kombination glauben, weil viele Menschen heutzutage ziemlich abgestumpft geworden sind und können nicht mehr unterscheiden.

Ich habe noch vor mehr als 25 Jahren festgestellt dass Yoga und Alkohol nicht zusammen gehen. Das war eine Zeit wo ich noch jedes Wochenende mit meinen Freunden ausging und regelmäßig Alkohol trank, was auch sehr lustig war und wie das so oft in den Studentenjahren ist, eine relativ normale Sache. In der gleichen Zeit habe ich mit dem Sonnengruß aus einem Yogabuch angefangen. Und an den Samstagen wo man sich traf um feiern zu gehen, wollte mein Körper und Geist kein Alkohol mehr, weil es mir nach dem Sonnengruß hervorragend ging und ich schon genug entspannt und glücklich war. Also ich rede auf jeden Fall nicht ohne Erfahrung.

Wenn man schon auf beides nicht verzichten möchte, versuche es nicht zusammen oder gleichzeitig zu tun, sondern dem Körper genug Zeit zur Regenration nach der „Vergiftung“ geben bevor man mit dem Yoga wieder anfängt. Oder, entscheide dich lieber nur für das Eine und beobachte was geschieht. Vergleiche. Mache deine eigene Erfahrungen. Natürlich kannst du machen was du willst.

Für viele ist eine Yogastunde mit Alkohol attraktiv geworden weil sie glauben es erleichtert ihnen den ersten Schritt oder den Zugang in die Yoga Welt. Es wird sympathisch dargestellt und man wird als ein „westlicher“ Mensch angenommen (es wird von ihm nicht erwartet, ein asketischer indischer Yogi zu werden). Meiner Meinung nach ist das der erste Schritt zur Ignoranz und das haben wir in heutiger Zeit genug. Wenn schon, würde ich den Begriff Bieryoga ins Yogabier umkehren. Der Schwerpunkt ist doch eher das Bier weil das ist es was die Teilnehmerlnnen zum Yoga „anlocken“ soll. Ziemlich clever, muss man zugeben, aber total verkehrt. Yoga unter Alkohol kann sich nicht entfalten. Leider!

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