Durch-die-Stadt-laufen-Sadhana

Laufen im Sinne von gehen ist für mich eine der besten Yogas oder Meditationen. Oft geschieht bei vielen Leuten intuitiv und spontan ein meditativer Zustand beim Laufen, aber viele Yogis, Philosophen und andere Lehrer und Lehrerinnen kamen zur Erkenntnis dass das Laufen als eine Meditation auch bewusst praktiziert werden kann.

Seit meiner Jugend unternahm ich täglich Spaziergänge, bzw. leichte Wanderungen am Meer, auf dem bekannten 12 km langen Küstenweg Lungo Mare in Kroatien wo ich aufgewachsen bin.
Diese Spaziergänge sind für mich eine Gewohnheit geworden, ein Treffen mit mir selbst und bald sind sie ein Bedürfnis geworden, währenddessen ich meine Gedanken, Emotionen und alles was man sonst so mit sich trägt, verarbeiten und loslassen konnte.

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Diesen Prozess kann man ganz genau beobachten und er hat normalerweise mehrere Phasen. Es fängt relativ einfach, ganz logisch an; der Kreislauf wird begünstigt und es entsteht ein allgemeines Wohlgefühl im Körper. Das Gehirn wird auch „zufrieden“.

Meine Spaziergänge damals und heute waren immer ziellos, was meine potentielle Begleiter oft abschrekte, wieso kann man denn so ohne Plan herumlaufen? Eigentlich war das auch gut so, da solche Spaziergänge am besten alleine durchgeführt werden sollen, wenn du in Kontakt mit deinem Selbst kommen möchtest.

Aus einer kleinen Runde durch die Stadt entwickelte sich später eine Praxis von mehreren Stunden. Es ging einfach darum, sich vom Gehen selbst führen zu lassen, sich auf einen unbekannte Kurzreise einzulassen. Nie weiss man was so ein Spaziergang bringt. Vielleicht gar nichts, aber vielleicht wertvolle Erkenntnisse. Im Endeffekt ist das aber nicht wichtig. Es tut einfach gut, vielen Menschen würde es guttun, glaube ich.

Es machte mir Spaß, sich von meinen Beinen ganz leicht, vertrauensvoll und ohne irgendwelchen Hintergedanken führen zu lassen. Jeder Spaziergang war und ist noch immer eine kleine Überraschung, ein V-Effekt zum Alltag. Auch wenn man schon das tausende Mal den gleichen Weg genommen hat, ist er irgendwie immer neu.

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Paradox klingt es dass diese Ziellosigkeit des Gehens doch viele kurzweilige Ziele beinhaltet. Dazu führen viele verschiedene Wege und Richtungen. Die Aufmerksamkeit auf dem Weg wird von vielen Sachen aufgefangen, man nimmt bewusst oder unbewusst alles wahr. Aber mitmachen oder sich ablenken zu lassen muss man nicht, es ist ein Beobachten ohne anzuhaften oder nicht länger anzuhalten.

Die Situationen bei einem Spaziergang sind so unterschiedlich, aber irgendwann sind diese Unterschiede auch nicht mehr wichtig. Man wird ein Teil des gesamten urbanen Bildes, aber man hat die Freiheit das Bild zu bestimmen, bzw. man beobachtet wie dieses „Bild“ von alleine entsteht.

Ein halbstündiger Spaziergang, sogar in einer lauten großen Grostadt wie Berlin, kann symbolisch das ganze Leben darstellen. Du gehst von A bis B und auf diesem Weg triffst du verschiedene Menschen und Situationen. Vielleicht kommuniziere ich mich jemandem, vielleicht guckt mir jemand nicht freundlich entgegen, jemand vielleicht doch, vielleicht schenke ich die Aufmerksamkeit einer schön angezogenen Frau oder Mann, einer Mutter mit Kinderwagen, dem schreienden Baby im Kinderwagen, dem Bettler, der Polizei, hetzenden Business- Männer und Frauen, Betrunkenen, Menschen auf Drogen, Verrückten, Nonnen, Schawarmafleischlieferanten, Verliebten, Kriminellen, Rentnern, Künstlerinnen, Hunden… und so vielen anderen Formen und Existenzen… aber ich gehe einfach weiter, ohne auf einer Stelle zu bleiben (wenn das nicht nötig ist), auch ohne sich mit einem Gedanke, einer Beobachtung länger zu beschäftigen. Das nicht-anzuhaften wird durch die Bewegung leichter und kommt auf ganz natürliche Weise vor.

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Alles läuft an mir vorbei und ich laufe an Allem vorbei. Ich fühle mich dabei irgendwie ganz in mir und mit mir. Mit jedem weiteren, gleichmäßigen Schritt werde ich mehr und mehr (das wahre) ich und lasse alles was ich nicht brauche oder nicht bin, in die verschmutzte Stadtluft auflösen.

Die zweite Phase so einen ziellosen Spaziergangs lautet ungefähr: „der zufriedene Geist“ (weil etwas „geklärt“ wurde). Die Gedanken kommen hoch und werden durch die Bewegung des Laufens wie recycled; die „guten“ und „sinnvollen“ bleiben im Bewusstsein, sie entfalten sich als wahre Erkentnisse manchmal weiter, manchmal werden sie vergessen.
Was ganz interessant ist, die Gedanken die nicht so sinnvoll sind, verlieren an ihrer Bedeutung. Dann kann man manchmal beobachten dass man vor dem Spaziergang einfach Opfer der eigenen Gedanken war und nicht Herrscher seines Geistes (was eigentlich der wichtigste Ziel des Yogas ist!). Eventuell hat man sich vor dem Spaziergang mit jemandem gestritten, oder etwas unangenehmes erfahren, sich Sorgen gemacht etc. Nach dem Spaziergang (und je länger er ist, desto besser) kommt man oft auf ganz andere Gedanken. Die Wichtigkeit der Sorge relativisiert sich. Man hat vielleicht während des Spaziergangs etwas schönes erlebt, Blick einer hübschen Frau aufgefangen, Lächeln eines Kindes, etwas interessantes entdeckt. Das wichtigste ist es aber dass man wieder zu sich selbst gekommen ist und das man wieder bei sich ist und nur aus dieser weidergefundenen Mitte kann man bessere Entscheidungen treffen. Oft entstehen während Spaziergängen neue und kreative Ideen – das ist die dritte Phase.

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Man kann die Ideen, welche beim Laufen entstanden sind, aufschreiben. Es passiert oft dass sie dannach „verschwinden“. Das ist aber auch nicht so schlimm, es ist nur ein Zeichen dass sie vielleicht ein klärender Sonnenschein waren, aber nichts weiteres. Die Ideen die wirklich gut sind, werden auch ohne aufschreiben bleiben und sich vielleicht realisieren.

Dass die Bewegung zu meditativen Zuständen beibringen kann, wussten schon viele Yogis und Lehrer. Es ist für manche Menschen leichter die Hektik des Alltags so zu verarbeiten um dadurch zur Ruhe und Glückseeligkeit zu kommen. Dieses Bedürfnis sehen wir heute z.B. bei dynamischeren Arten vom Yoga. In westlichen Ländern sind sie oft deswegen entstanden, weil der westliche Mensch zu vielen Reizen ausgesetzt ist und nie gelernt hat statt sich abzulenken, sich bewusst die Zeit für sich zu nehmen. Immer muss er etwas tun, eine Leistung erbringen, so auch im Yoga. In China, Indien und Japan ist es vielleicht anders, weil es dort Meditationstechniken seit tausenden von Jahren gibt, ganz andere Umstände und Meditation und Yoga sind oft ein normaler Bestandteil des Alltags. Für den westlichen Menschen ist eine dynamische Bewegung die Brücke zur Meditation und irgendwann kommt eventuell die Zeit wo das auch ohne diese dynamische Brücke möglich ist.

Natürlich ist es schöner in einem Wald oder irgendwo in der Natur zu laufen, aber in einer lauten Stadt wird man trotzdem die meditativen Effekte eines Spazierganges spüren können. Das-Laufen-durch-die-Stadt-Sadhana ist genauso wie Yoga an ausgefallenen Orten, ein toller Wegweiser.

 

 

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Mudra Workshop

Mudra ist ein Aspekt des Yoga, noch relativ unerforschtes Gebiet, aber in der Yogapraxis ein unerlässlicher Teil. Oft werden Mudras in Asanas oder Meditation eingesetzt ohne sich drüber Gedanken zu machen warum, was nicht so schlimm ist, aber es ist manchmal gut zu wissen, warum man etwas tut.

Mudras trifft man im Tantra, Yoga und Buddhismus, sowie im klassischen indischen Tanz. Die Bedeutungen und Ausführungen der Mudras aus verschiedenen Quellen haben ihre Berührungspunkte. Ihre wichtigste Bedeutung ist Mudra als ein Stempel oder Siegel, ein symbolisches Zeichen nach außen (um eine bestimmte Wirkung zu erzeugen).

Generell ist Mudra ein Aspekt des Yoga welches für fortgeschrittene Schülerlnnen geeignet ist, aber jeder kann sie kennenlernen und doch praktizieren, auch Menschen die sonst keine Asanas oder ein anderes Yogaprogramm machen.

Weil Mudras praktisch sind und weil man sie überall ausführen kann, würde ich sie sogar als „miniatures Yoga“ nennen. Sie können genauso tiefe Wirkung wie eine 90 minütige Yogaeinheit erzeugen. Es geht hier hauptsächlich um Mudras die mit Händen / Fingern ausgeführt werden. (Es gibt z.B. auch „Ganzkörpermudras“, Zungen- oder Augenmudras).

Wie auch bei den Asanas, gibt es auch bei Mudras bestimmte Regeln. Man muss immer auf die genaue Situation des Menschen schauen. Jemand der z.B. „zu herzig“ ist, dem würde ich ein Mudra „zur Öffnung des Herzens“ nicht empfehlen oder zumindest nicht länger zu halten, um diese Energie „zu stabilisieren“. Genauso wenn man ein Mudra gegen ein Beschwerde einsetzt, sollte man aufhören sobald sich der Zustand gebessert hat, bzw. man sollte die Mudras nicht mehr so lange halten und in manchen Fällen, schrittweise „absetzen“. Eine ähnliche Situation haben wir auch in Homöopathie, z.B. wenn ein Mittel gewirkt hat, dann sollte man es absetzen. Im Gegenteil kann sich der Zustand verschlimmern und es kommt eher zum Ungleichgewicht, als das wozu man gestrebt hat, nämlich ein Gleichgewicht herzustellen.

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Unsere Hände sind besonders, genauso wie unsere Füße und Kopf. Man kann sagen das sind die Antennen zur äußeren Welt; die Füße sind Kontakt mit der Erde, der Kopf mit dem Cosmos und die Hände sind irgendwo „dazwischen“, sie sind wie ein Vermittler der erdlichen und kosmischen Energien. Mit Händen nehmen wir und geben, mit Händen können wir kreativ sein, die Hände arbeiten, beten, berühren. Mit den Händen können wir auch vieles zeigen. Und das ist auch eine Bedeutung von Mudra: „die Geste der inneren Einstellung“. Ich interpretiere das auch so: „ich möchte eine Grenze zur äußeren Welt zeigen“, „in mir findet gerade ein Prozess statt“, „ich sammel´mich gerade, bitte nicht stören“. Auf den ersten Blick würde man vielleicht denken: Diese Mudra Praxis ist eine egoistische Praxis! Aber wir wissen schon wie wichtig das ist, die Zeit für sich selbst zu nehmen, sonst drohen uns Burnout, Depression, Hyperempfindlichkeit, Allergien, allgemeine Schwäche und eine ganze Reihe von psychosomatischen Beschwerden. Davon kann im Endeffekt keiner profitieren. Deswegen, finde ich, ist ein Bißchen gesunden, positiven Egoismus nötig und man soll sich davon nehmen soviel man braucht.

Mudras, sie lenken die Energien in unserem „System“ auf so eine Art und Weise dass die Energie, die wir unbedingt brauchen, im Körper bleibt und nicht unnötig zerstreut, bzw. nach außen gebracht wird. Mudras helfen also die Energie wieder dahin zu bringen wo sie hingehören, z.B. zu einem geschwächten Organ.

Die Lebensenergie ist eine dynamische Kraft und, um Geshundheit zu erhalten, muss sie frei im Körper und Geist fließen. Wenn aus irgendeinem Grund die Energie blockiert, geschwächt oder verstärkt fließt, kann man Mudras einsetzen. Prana oder die Lebensenergie ist ein Potential welches wir durch Mudras bewusst und intelligent einsetzen können.

Aus dem Sanskrit übersetzt मुद्रा = mudra, besteht aus zwei Wörtern „mud“ = fröhlich und „ra“ – das was gibt, also mudra ist etwas was Fröhlichkeit / Freude gibt. Im Sanskrit Wörterbuch kann man auch andere Beduetungen finden, wie z.B.: Rausch, Glücklichsein, eine Art von Droge. Es ist natürlich ein „Rausch“ der gut tut, weil wir mit unserer eigentlichen Freude, einer Freude ohne Grund, Ursache oder Hintergedanken verbunden werden, bzw. wir selbst werden Freude!
Ich lade dich ein diese wunderbare Technik beim Yogaurlaub in Kroatien 5.-12. August kennenzulernen und auszuprobieren! Mehr über diesen Retreat erfährst du hier: http://www.derkleinetempelyoga.net/yoga-sandstrand-weinreben

Ich werde aber bestimmt weitere Workshops zu diesem Thema veranstalten, auch an anderen Orten.
Bis dann!