Yoga und Wandern auf der Insel Susak (Sommer 2018)

Noch immer bin ich von mir selbst überrascht, wieso ich noch nie auf dieser wundervollen kroatischen Insel war. Manchmal ist es mir unbegreiflich wie Kroaten die dort leben, die Schönheiten ihres Landes nicht kennen oder sich darüber überhaupt nicht interessieren. Wahrscheinlich wäre es auch für mich das gleiche wenn ich dort weiter gelebt hätte. Den Einheimischen reisen lieber woanders hin. Für mich ist das Entdecken der eigenen Heimat immer ein Highlight des Jahres. So war es auch diesen Sommer mit der Insel Susak.

Der Yogaurlaub auf der Insel Susak war so konzipiert dass man morgens Pranayama und am späten Nachmittag eine Wanderung mit anschließender Yogastunde in der Natur machen konnte.

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Das untere Dorf von dem oberen Dorf gesehen

Die Insel Susak ist aus Rijeka mit Katamaran oder aus Mali Losinj mit Schiff gut erreichbar. Das Dorf besteht aus dem „oberen“ und „unterem Dorf“ die mit einer Treppe oder manchen „geheimen“, verwachsenen Wegen verbunden sind.

Ausser Insel Rab welche auch einen Sandstrand hat, kann Insel Susak auf zwei große Sandstrände stolz sein. Und nicht nur das, im Unterschied zu anderen Inseln der Kvarner Bucht, ist die Vegetation hier fast wie in einem Dschungel. Nicht nur Sandstrände, auch Buchten mit Kiesstein und „turquisfarbenem“ Meer sind hier vorhanden. Es gibt manchmal so kleine Buchten, dass man ein Strändchen nur für sich haben kann, wenn man sich genug früh auf den Weg macht, oder wenn man ein Bißchen Glück hat. Die Vegetation ist üppig durch das hohe Schilf, in welchem sich viele Hütten verstecken. Ich habe gehört, dort wohnen Menschen, die mit der Außenwelt wenig zu tun haben wollen. Oder Künstler.

Die versteckten Wohnorte

Ethnologen, Anthropologen und Sprachwissenschaftler finden die Insel besonders interessant. So abgeschieden ist die Insel eigentlich nicht, bzw. nicht mehr oder weniger als die anderen Inseln der Kvarner Bucht. Die Kommunikation mit der Rest der Welt ist eigentlich hier gar nicht so erschwert wie man behauptet und dass sich deswegen ein besonderes altkroatisches Dialekt bis heute erhalten hat. Ich glaube die Außenwelt hat diese Insel eher ausgegrenzt, da die Einwohner oft untereinander heirateten.

Die Insel hat heutzutage zwischen 180 und 200 Einwohnern. Viele sind vor ca 100 Jahren ausgewandert, meistens nach Amerika. Die heutigen Enkelinnen und Urenkellnnen dieser Generation verbringen heute schon als Rentner den ganzen Sommer auf Susak. Die Amerikanisierung kann man an einigen der ersten großen Häuser im unteren Dorf sehen: amerikanische Flagge, schöne Blumen und etwas Kitsch.

Obwhol dieses ganze Gebiet Kroatiens früher unter Italien stand, ist die italienische Sprache hier nicht so präsent wie z.B. in Istrien oder Rijeka. Susak ist einzigartig, nicht nur durch das Erhalten der eigenen Sprache. Auch die Form der Trachten ist einzigartig, sie ist kurz, fast wie ein Minirock, bzw. endet etwas über die Knien und sowas findet man in Europa selten. Die Farben sind bunt, hell und interessanterweise fluorescent.

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Fotoquelle: http://www.visitecroatia.com/hr/magazin/zenska-jedinstvena-narodna-nosnja-u-europi-otok-susak/

Die Insel ist im Sommer ein touristischer Ort wie alle andere in Kroatien, jedoch nicht wie alle anderen. Als ich mit dem Schiff aus Mali Losinj ankam, wartete auf mich ein Traktor, um das Gepäck in das obere Dorf zu transportieren. Da normalerweise ein Traktor mehrere Gepäckstücke „nach oben“ fährt und ich alleine war, erlaubte mir der Fahrer, mitzufahren. Auf den ersten Blick freute ich mich, aber später habe ich die Idee bereut, da es für meine Ohren nicht so toll war.

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Der Traktorweg

Obwhol Susak ziemlich klein ist, gab es hier viel zu entdecken, besonders die Wanderwege durch das Schilf und Weinbau waren eine Abendteuer und unser Yogaurlaub verwandelte sich bald in eine tägliche Gehmeditation. Nicht nur die guten Wanderwegen die zu den schönsten Punkten der Insel führten, sondern auch die felsigen Wege die wir manchmal genommen haben um zu den schönsten, aber auch nicht so schönen Buchten zu kommen. Je nach dem, ob man vom unteren Dorf nach rechts oder links ging. Aber es ging darum, den Geist vom Last zu befreien, mehr in Kontakt mit der Natur, Stein, Sonne und Wasser zu kommen. Man konzentrierte sich darauf wo genau man tritt, es war in manchen Fällen und an einigen Punkten der Insel eine echte Herausforderung. Die nicht so schönen Buchten und Orte auf der westlichen Seite der Insel sahen manchmal fast apokaliptisch aus. Besonders schön fand ich die rötlichen Steinsalze in Kombination mit Blümchen.

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Himalayasalz?

Yoga machten wir im Weinbaufeld. Die Stille die sich von hier in uns ausbreitete, war nach einem hektischen Berlin-Jahr sehr wohltuend. Die Stille der Natur ist eigentlich die Musik der Natur, das sind ganz andere Geräusche, die wir in der Stadt nicht erleben können oder nur selten, beim zufälligen Spaziergang durch einen Park. Diese Stille werde ich vermissen.

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Weinbau-Yoga wurde hier geboren

Am wunderschönsten fand ich den Pranayama Ort morgens. Das Meerrauschen kam hier oben anders an, die Akustik begünstigte das meditative Erlebnis und ließ mich einfach sprachlos. Vor der Natur ist man fast immer sprachlos.

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Yogaurlaub ist immer eine Mischung aus Urlaub, Yoga und Spiritualität, so sind die Strände auch immer ziemlich wichtig für Yogaurlauberlnnen, zumindest in den Sommermonaten. Auf der Insel Susak gibt es zwei wunderschöne Sandstrände, die meiner Meinung und Erfahrung heilende Wirkung haben. Der erste Sandstrand im Ort (trotzdem nicht überfüllt) ist für Liebhaber des warmen Meeres ein guter Spot. Um wirklich schwimmen zu können, muss man einige Zeit im Meer laufen, dann kommt etwas tieferes und kälteres Wasser. Der Strand ist hervorragend für Familien mit kleinen Kindern, die Temperatur des Wassers am Eingang ist wie in der Badewanne fürs Babybad.

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Susak Sandstrand im Ort

Zum anderen, etwas exotischer aussehendem zweiten Sandstrand Bok, kommt man durch verschiedene Wege, schon in ca 20 Min Spaziergang am Meer oder durch die schilfreiche Wege aus dem oberen Dorf.

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Vielleicht im nächsten Jahr wieder! Außer Yogaurlaub und Yoga Retreats für alle, habe ich die Idee auch spezialisierten Yogaurlaub für Familien, mit Workshops für Männer und Frauen, sowie Kinderyoga hier anzubieten. Bis dann noch ein Paar Susak Impressionen:

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Die Kraft liegt definitiv in der Entspannung

In meinen Yogastunden verwende ich oft Wörter wie: „Alles entspannen“, „loslassen“ oder „lass im ganzen Körper los“. Manchmal gehe ich mir selbst auf die Nerven, aber es ist ein Teil von mir geworden und ich selbst muss mich daran immer wieder erinnern.
Für Anfänger im Yoga ist es oft schwer zu entspannen weil der Fokus auf der Ausführung von Asanas liegt („Mache ich das richtig?“, „Schaffe ich das?“). Es ist aber auch für Menschen die schon lange Yoga machen, schwer richtig und wirklich, tatsächlich zu entspannen. Durch Yoga wird man nicht vom Leben geschohnt! Eine rosa Yogamatte ist keine Garantie dass dich dein Leben nie wieder herausfordern wird.

Der Körper und der Geist speichern alles und verarbeiten ständig, auch wenn man das nicht will. Gerade deswegen ist die Entspannung von unglaublicher Wichtigkeit für unseres eigenes, und nicht nur unseres eigenes, Wohl.

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Es ist nicht leicht, das ganze Leben einfach so „zu entspannen“. Seit der Geburt ist man ständig in einer Art Anspannung. Durch das Leben, besonders in einer Großstadt, durch alle Umstände und Besonderheiten des Lebens, vergessen wir zu entspannen und bleiben zu oft im Modus der Abwehr oder Flucht.

Ich merke dass mir die Tage um Weihnachten und Silvester sehr gut getan haben, obwhol ich Yoga im Sinne von Asanas (Yogahaltungen) nicht gemacht habe. Diese Tage kann man eher als tamasisch beschreiben; Tamas ist in Sanskrit das Wort für die „dunkle“ Eigenschaften wie z.b. Trägheit, Faulheit oder Lethargie. Eigentlich keine wünschenswerte Eigenschaften, aber es ist falsch zu behaupten, dass sie nicht in Ordnung sind. Sie sind ein Teil des Kreises welcher nach der yogischen (und auch ayurvedischen) Lehre, aus Tamas, Rajas und Sattwa besteht. Rajas ist die Eigenschaft der Aktivität / Bewegung und Sattwa ist die Eigenschaft der Ausgeglichenheit und Frieden.

Wir streben zum Sattwa, aber das ist oft so schwer, auch deswegen weil wir nicht ausreichend entspannen und loslassen können. Im Leben wird es immer zu reibungen kommen, auch wenn wir im Sattwa Zustand sind. Aber je mehr wir in diesem Zustand sind, desto mehr können wir unsere Reaktionen auf die Umgebung entsprechend ändern.
Für viele ist es nicht leicht mit der Entspannung, oder vom Außen gesehen, mit dem Nichtstun klarzukommen. Wir sehen oft nicht dass das Nichtstun eigentlich ganz schön Vieltun ist. Das ist eine Zeit der Vorbereitung und Sich-sammeln. Eine absolut notwendige Zeit. Manchmal darf man sich sogar gehen lassen, besonders wenn man ein Mensch ist der ständig etwas tun muss um sich von sich selbst abzulenken, wenn man arbeitssüchtig oder zum Burn Out neigt.

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Yoga und die Entspannung beim Yoga ist ein Weg zur mehr Entspannung im Leben. Eine Yogastunde besteht aus Asanas, also Yogakörperhaltungen, aber das wichtigste ist eigentlich die Endentspannung wo man einfach auf dem Rücken liegt und versucht sich nicht zu bewegen und nicht einzuschlafen wenn es geht (aber einschlafen ist, für mich, auch ein gutes Zeichen; wenn der Körper es so will, dann hat er es auch dringend gebraucht!).

Es gibt Menschen und Yogastunden wo man schon vor der Endentspannung rausgeht oder man hat keine Zeit oder Umstände dafür. Damit verpasst man einen sehr wichtigen, wenn nicht den wichtigsten Teil des Yogas. Erst in dieser Endentspannung fängt Yoga eigentlich zu wirken!  Und hält danach. Damit unterscheidet sich Yoga auch vom Sport, Fitness oder Entertaintment.

Ohne Endentspannung kann es zu kleineren „Nebenwirkungen“ kommen, es fehlt etwas, dieser langsamer Ausgleich, ein natürlicher Prozess wird unterbrochen. Shavasana (Totenhaltung) schließt eine Yogapraxis ab und regeneriert auf allen Ebenen. Ganz schön ist es zu beobachten wie sich dabei die Gehirnwellen verwandeln, in einen tieferen Zustand kommen wo man den Zugriff auf das Unterbewusstsein und Intuition hat.

Je tiefer die Entspannung, desto tiefer ist der heilende Effekt des Yoga.

Eine richtige Entspannung ist wie eine leichte Trance, aber gleichzeitig vollkommene Präsenz. Eine richtige Entspannung unterscheidet sich von einer Ablenkung (weiterer Reizüberflütung) in dem man merkt dass man gelassener auf die Lebensumstände reagiert. Eine tiefe, Entspannung gibt auch manchmal neue Ideen und Lösungen, sie kommen oft im Zustand wo man das Rationale so viel wie möglich ausschließt. In einer richtigen Entspannung kommt man auf das Wesentliche und lässt los, was nicht (mehr) wichtig ist.

Hier sind ein Paar kurze, praktische Übungen für verschiedene Entspannungen, beim Yoga oder auch woanders:

1. Fühlst du dich aufgeregt, atme in den Bauch hinein. Höre besonders deine Ausatmung dabei.
2. Um zu entspannen, fange mit kleinen, aber sehr wichtigen Schritten. Schließe die Augen. Entspann die Augen – bewusst. Was hast du davon wenn du die Augen schließt aber sie weiter auch geschlossen unruhig bleiben?
3. Richte den Blick nach innen, schau liebevoll zu dir selbst. Vielleicht glaubst du dass du im Leben nicht alles richtig gemacht hast, aber jetzt, in diesem Moment in dem du die Augen geschlossen hast, ist alles richtig so wie es ist, weil es nur jetzt gibt. Sonst wärst du auch nicht hier. Und auch nicht jetzt.
4. Lass dir Zeit um wieder einzuatmen oder halte für ein Paar Momente die Luft nach dem du eingeatmet hast. Nimm diese Milisekunden des nicht-Atmens wahr. Die Momente zwischen Ein- und Ausatmen und Momente zwischen Aus- und Einatmen. (Diese Übung solltest du aber nur dann machen wenn du dich dabei 100% wohlfühlst.)
5. Vor dem Schlafen gehe bewusst durch deinen Körper und entspanne Schritt für Schritt den ganzen Körper oder kürzer: lass deinen Körper so entspannen als ob er mit der Matratze verschmelzen möchte, lass dich fallen. Du wirst merken wie angespannt du warst – ohne es zu merken!

 

Die Schönheit des frühen Aufstehens

Yoga früh morgens um 6 Uhr? Spätestens um 6:15?

Im ersten Moment sind die meisten Yoga Urlaub Interessenten einfach geschockt über diese – Tatsache. Im Urlaub wollen sich viele Menschen, verständlicherweise, erholen. Ausschlafen gehört ganz sicher zu den beliebtesten Beschäftigungen in den Ferien.

Andererseits hat das frühe Aufstehen in Indien und Yogawelt überhaupt eine besondere Bedeutung. ‘Brahmamuhurta’ ist die Zeit zwischen 3 und 6 Uhr morgens, die Zeit des Brahmans (Schöpfers) und yogisch gesehen, die beste Zeit für Meditation und spirituelle Praxis – ‘Sadhana’.

Lovrangradskoamfruehenmorgen

Eigentlich sind wir mit unserer Yoga Praxis am Meer schon zu spät. Aber trotzdem erfahren wir, wie die kleine Stadt und die Natur erwacht, wie sich die Bilder am Meer, am Himmel, in der Ferne und in der Nähe allmählich ändern und immer lebendiger werden. Der Sonnenaufgang, erstmal scheu, dann immer höher und wärmer begleitet unsere Yogaübungen. Der Strand wird immer voller und die Kirchenglocken klingen nicht mehr wie Tempelklänge aus Rishikesh. Mit der neuen yogischen Energie ausgestattet, spazieren wir auf dem Küstenweg und denken schon an das Veggie Frühstück…